Seibersdorferin ist neue Außenministerin. Karin Kneissl wechselt vom Mini-Bauernhof in Seibersdorf ins Außenamt nach Wien. Fünf Jahre war sie im Ort Gemeinderätin.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 19. Dezember 2017 (05:53)
Karin Kneissl wurde als Parteilose von der FPÖ fürs Außenamt nominiert.kkneissl.com
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Die neue Bundesregierung wurde am Montag (nach Redaktionsschluss) angelobt. Neue Außenministerin wird die Energieanalystin und Nahostexpertin Karin Kneissl aus Seibersdorf.

Ein Interview für die Badener NÖN kam leider nicht zustande. „So viele Termine, ich habe keine Zeit für Interviews“, musste sie die Anfrage am Freitag ablehnen. Nur eines konnte die NÖN ihr entlocken. Sie sei keine gebürtige Seibersdorferin, sondern vor 20 Jahren hierhergezogen. Warum, erfährt man in einem Gespräch mit dem Landesteil der NÖN vor drei Jahren: Sie quittierte mit Mitte 30 den diplomatischen Dienst und entschied sich für ein Leben als freiberufliche Publizistin.

„Als ich damals von Madrid nach Wien zurückkam, war ich auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung, in der ich es zum Wohnen und zum Arbeiten aushalten würde. Von der Idee kam ich relativ rasch ab. Was mir gefallen hätte, wäre unleistbar gewesen, und so begann ich, mich in Niederösterreich umzusehen.“ Durch puren Zufall landete die Autorin vor 20 Jahren in Seibersdorf. Hier fühle sie sich richtig wohl. „Nicht mal für viel Geld würde ich in den Wahnsinn nach Wien zurückkehren!“

Für Gemeinde positive Angelegenheit

Von 2005 bis 2010 war sie als unabhängige Kandidatin auf der Liste der ÖVP als Gemeinderätin tätig, unter dem damaligen Bürgermeister Paul Renner. Der jetzige Ortschef Franz Ehrenhofer freut sich über die Nachricht: „Für unsere Gemeinde ist das eine sehr positive Angelegenheit. Ich bin stolz auf unsere Bürger.“ Es sei eine Premiere, dass Seibersdorf einen Minister stelle. Er gratuliere Kneissl zum Aufstieg. Schon bisher habe er mit Interesse ihre Analysen im Fernsehen verfolgt.

In einer Reportage für Radio NÖ erfuhr man 2014, dass sie in ihrem Zuhause in Seibersdorf ihren Gästen arabischen Kaffee mit Kardamom, den sie aus Damaskus mitgebracht hat, serviere. Und dass auf ihrem Mini-Bauernhof Hunde, Katzen, Hühner, ein Pony und ein Pferd leben. „Bevor sich die Nahost-Expertin den großen Fragen des Gazakonflikts oder der internationalen Energiepolitik widmet, mistet sie den Stall aus, versorgt die Tiere und erntet das Gemüse. Eine fixe Adresse und damit ein Privatleben zu haben, war ihr nach acht Jahren im diplomatischen Dienst der Republik Österreich wichtig“.