Badener Künstler: „Kann wieder arbeiten“. Jürgen Ramacher und Martin Kolber spielen am kommenden Freitag wieder im Klanglabor des Kunstvereins.

Von Sandra Sagmeister. Erstellt am 20. Mai 2021 (04:58)
Martin Kolber (links) und Jürgen Ramacher bei der Arbeit im kurzfristigen Klanglabor des Kunstvereins. Sagmeister
Sandra, Sandra

Die letzten acht Jahre ist es sehr still um den Badener Künstler und Musiker Jürgen Ramacher geworden. Er war wie vom Erdboden verschluckt, und so ungefähr hat er sich auch gefühlt. Eine sehr seltene und vor allem schmerzhafte Krankheit hat ihn von all seinen künstlerischen Tätigkeiten ferngehalten und ihn regelrecht zu Boden gerungen. Jürgen Ramacher (57) ist international wie national bekannt für seine großen Bronzeskulpturen (zwei davon stehen vor der Römertherme), seine vergoldeten Objekte, wie beispielsweise ein Motorrad, ein Boot, uvm. Seit 27 Jahren arbeitet er mit seinem Kärntner Künstlerfreund Christian Einfalt zusammen. Langsam taucht Jürgen Ramacher aber wieder auf und ins Leben zurück und gibt gleich einmal ein gehöriges Lebenszeichen von sich, welches wahrlich nicht zu überhören ist:

Mit Martin Kolber hat er sich in den neuen Laborraum des Kunstvereins „eingemietet“ und den Raum in ein Klanglabor umfunktioniert. Die beiden Künstler setzen sich gemeinsam mit der Klangwelt auseinander, verändern sie, verzerren sie elektronisch und beschallen den kleinen Platz vor dem Kunstverein.

„Die Musik hat mich am Leben erhalten!“ Jürgen Ramacher

Jürgen Ramacher hat aus seinem Fundus ausgefallene Vintage-Musikinstrumente hervorgeholt, wie eine Autoharp oder eine Viola-uke aus den 1920ern. In den letzten Jahren hat er sich mehr in die Musik vertieft, weltweit alte wie seltene Musikinstrumenten aufgestöbert, früher war sein Wohnzimmer mit Skulpturen vollgeräumt, jetzt mit alten Musikboxen und Instrumenten: „Die Musik hat mich in den Jahren meiner Krankheit am Leben erhalten“, sagt Ramacher. Die auf analogen Instrumenten entstehenden Klänge transferieren Ramacher und Kolber in elektronische Klangwelten, geben einen Rhythmus darüber und fertig ist das Sound-Experiment: „Synthesizersägewellen bilden eine Collage mit Wind-blown-Instruments, Tonbandechos duplizieren Inhalte und abstrahieren menschliche Grundparamater zur Eichung des Klanglabors“, so steht es komplex und für den Außenstehenden etwas unverständlich in einem Begleittext zu den Klangexperimenten von Ramacher & Kolber.  

Endlich wieder ohne Schmerzen arbeiten

Ergänzend zum Sound hängen zwei neue Bilder von Ramacher im Klanglabor und wer will, kann im Phantasiebeschleuniger Platz nehmen und sich von Synthesizersägewellen beschallen lassen. „Wir wollen in dem was wir spielen erkennen, was wir sind und in dem, was wir sind, erkennen was wir spielen.“

Hat sich Ramachers Kunst im Laufe seiner Krankheit verändert? Auf den ersten Blick nicht, aber „ich bin langsamer geworden, was früher ein paar Tage dauerte, wird nun zu einem Jahresprojekt und ich brauche Leute, die mir helfen.“ Aber er könne wieder längere Zeit schmerzfrei malen ohne, dass seine Hände zittern. Doch dann kommen wieder die Schmerzen und er muss einen Gang zurückschalten, „das ist aber schon normal für mich, man gewöhnt sich an alles, eine Zeit lang kann ich arbeiten, dann ist wieder Pause.“     

Hören kann man Ramacher und Kolber am kommenden Freitag, 21. Mai, ab 18.30 Uhr vor dem Kunstverein.