Experiment „Paris-Baden“: Familien zeigen Weg vor. 20 Familien im Selbstversuch nahe am Klimaziel. Empfehlungen an Politik übergeben.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 30. Juni 2021 (05:30)
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Teilnehmerin und Ärztin Heidrun Chen referierte zum Thema Ernährung. Sie plädierte für „Foodsharing“ und äußerte den Wunsch nach CO2-Kennzeichnung.
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2015 wurde von der Weltpolitik in Paris das Klimaschutzabkommen beschlossen. Der Treibhausgas-Ausstoß soll bis Mitte dieses Jahrhunderts auf Null reduziert werden. Nur so ist es möglich, die Temperaturerhöhung der Erde auf 1,5 Grad zu begrenzen.

20 Familien in Baden haben ausprobiert, ob dieses Ziel jetzt schon gelingen kann. Mit Unterstützung des Klima- und Energiereferates konnten sie unterschiedliche Angebote testen, um herauszufinden, wo ihr Hebel in der CO2-Einsparung liegt. Die Teilnehmer fuhren mit dem Lastenrad, probierten das bea-Carsharing, konnten ein E-Auto nutzen, haben einen Energieberater des Landes NÖ ins Haus geholt, kochten auch vegan, kauften regionale und biologische Lebensmittel ein, veränderten ihre Urlaubsplanung.

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Leiter Gerfried Koch mit seinem Team vom Klima- und Energiereferat (Sabrina Peer, Elvisa Cenanovic und Alexandra Zederbauer).
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Um die Treibhausgasemissionen der Haushalte zu messen, wurde die App www.eingutertag.org verwendet, welche die Emissionen in Punkte umwandelt. Insgesamt 100 Punkte pro Tag darf jeder Mensch verbrauchen, um die Klimaziele von Paris erreichen zu können. 100 Punkte entsprechen einem CO2-Budget von 6,8 kg pro Tag. Berücksichtigt wurden dabei alle Lebensbereiche – von der Mobilität bis hin zur Ernährung. Derzeit verantwortet ein Bürger/eine Bürgerin in Österreich im Schnitt rund 450 Punkte. Im April wurde bei allen teilnehmenden Haushalten eine Ist-Analyse erstellt. Die Klimagas-Emissionen der 64 Personen lagen zu Beginn im Schnitt bei 247 Punkten und damit bereits unter der Hälfte des Österreichischen Durchschnitts. Im Rahmen der vierwöchigen Praxistestphase konnten die Teilnehmer diese Werte nochmals um 38 Prozent reduzieren. Mit 153 Punkten kommen die Haushalte dem Klimaziel schon sehr nahe. Mit minus 75 Punkten war die Einsparung im Bereich der Mobilität am höchsten, gefolgt von minus 10 Punkten im Haushalt.

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Ella, Hemma und Laura übergaben Vizebürgermeisterin Helga Krismer einen Katalog an Empfehlungen für die Politiker von Gemeinde, Land, Bund und EU. Die Maßnahmen würde es benötigen, um das Klimaziel erreichen zu können.
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Bei der Abschlussveranstaltung am Mittwoch im Gastgarten von Herwig Gasser – Süsses vom Feinsten, wurde im Dialog mit der Gemeindepolitik aufgezeigt, wo individueller Klimaschutz an Grenzen stößt und wo es politische Rahmenbedingungen braucht, um das Klimaziel erreichen zu können. Dabei konnten die Teilnehmer von ihren Erfahrungen berichten und Bürgermeister Stefan Szirucsek, ÖVP, und Vizebürgermeisterin Helga Krismer, Grüne, Empfehlungen für zukünftige Projekte mitgeben. Eines zeigt sich: Für Einzelpersonen wird es nicht möglich sein, das Klima zu retten. Es benötigt einen gemeinsamen gesellschaftlichen Umdenkprozess.

Szirucsek und Krismer betonten: „Wir bedanken uns bei den Familien, dass ihr sehr anschaulich aufgezeigt habt, was das Klimaziel von Paris im Alltag eines Haushalts bedeutet. Es hilft uns, dass ihr aufgezeigt habt, was individuell möglich ist und wo der Einzelne an Grenzen stößt“.

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