Aufrechnung darf nicht sein

Stefan Jedlicka über Mahnmale für Opfer von Nazis und Russen in Baden.

Stefan Jedlicka
Stefan Jedlicka Erstellt am 22. November 2016 | 05:00
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Wer war schlimmer? Russen oder Nazis? Wer hat mehr Badener auf dem Gewissen? Fagen, die im Gemeinderatssitzungssaal zu schweben schienen, als am Dienstag das Mahnmal für die Opfer des nationalsozialistischen Regimes in Baden beschlossen wurde. Denn Bürgerlisten-Gemeinderat Wolfgang Pristou hätte dieses auch gerne jenen gewidmet, die von der Roten Armee in den Jahren der Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg gefoltert, ermordet oder verschleppt wurden.

Und es ist genau diese (möglicherweise unbeabsichtigte) Aufrechnung zweier Verbrecherregime gegeneinander, die nicht stattfinden darf. Weil sie den Opfern gegenüber respektlos wäre. Weil man nicht aufrechnen kann, was auf beiden Seiten an Gräueltaten geschehen ist.

Dass es einer Aufarbeitung der Russen-Zeit in Baden bedarf, ist unbestreitbar, da hat Pristou völlig recht. Und zwar ebenso höchst überfällig wie im Fall der Nationalsozialisten, deren Versuch eines organisierten Völkermordes aber durch eine Gleichstellung mit anderen Untaten in Qualität und Quantität verharmlost würde.