Gedenkstein hat Berechtigung

Über den Umgang mit Geschichte.

Erstellt am 15. Juli 2020 | 02:02
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Mit dem Aufstellen eines Gedenksteines vor der ehemaligen Villa Nicoladoni muss jetzt auch Baden zeigen, wie an die Geschichte von Gebäuden erinnert wird. Im Nicoladoni-Haus war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1955, als längst der Kalte Krieg die Beziehung zwischen Ost und West beherrschte, die Militärgerichtsbarkeit der sowjetischen Besatzer für ganz Österreich untergebracht.

Die Villa Nicoladoni war ein Haus, in dem Menschen verhört und gefoltert wurden, um „die Wahrheit“ herauszufinden. Dass die SPÖ hier genaues Hinsehen einfordert und sich nicht wünscht, dass Opfer gegeneinander aufgerechnet werden, ist zwar verständlich. Doch Opfer bleibt Opfer, egal unter welchem Regime es gefoltert oder ermordet wurde. Und deshalb ist ein Stein, der auf Vorgänge hinweist, die sich unter den Sowjets abgespielt haben, genauso legitim, wie die Stelen am Josefsplatz, die auf die jüdischen Opfer der Nazi-Herrschaft aufmerksam machen.