„menschen.leben“ kämpft um Existenz. Badener Verein kann nicht mehr zahlen. 289 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 28. Dezember 2018 (04:27)
Screenshot: Fussi
Logo des Vereins.

Schock für 289 Dienstnehmer: Ihr Arbeitgeber, der gemeinnützige Verein „menschen.leben“, mit Sitz in Baden, Theresiengasse 4, musste vier Tage vor Weihnachten den Antrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens stellen. Aktiva von rund 400.000 Euro stehen nach Angaben von Gläubigerschützern Passiva von bis zu 1,8 Millionen Euro gegenüber.

Der Verein wurde 2006 gegründet und beschäftigt sich mit der Unterstützung von Asylwerbern, Migranten, Jugendlichen und Kindern in den Bereichen Asyl- Flüchtlingsbetreuung & psychologische Betreuung, Bildung & Integration, Jugendarbeit und Kindergärten. Laut AKV wurden 83 Bestandsobjekte angemietet, die zum Teil jedoch bereits gekündigt wurden.

Zur Insolvenzursache hieß es von Creditreform, dass vorzeitig geschlossene Projekte aufgrund einzuhaltender Kündigungsfristen nach wie vor laufende Kosten verursachen. Im Zuge der „Flüchtlingskrise“ habe der Verein expandiert. Laut Pressesprecher Christian Lenhardt habe der Verein zwar die sinkenden Flüchtlingszahlen finanziell einkalkuliert, unbegleitete Minderjährige seien jedoch vom Land Niederösterreich seit Ende August in andere Quartiere verlegt worden, was für den Verein zu einem unvorhersehbaren Einnahmensverlust geführt habe. Ende November habe man daher fast alle Einrichtungen geschlossen, darunter das „Haus der Frauen“ in der Johannesgasse in Baden.

Der Badener Rechtsanwalt Bernhard Schatz (Kanzlei bpv Hügel) wurde zum Masseverwalter bestellt. Er sagte am Freitag, dass derzeit die Fortführungsmöglichkeiten geprüft werden. Ziel sei, alle Einrichtungen, wie etwa die Jugendarbeit in Baden, weiterführen zu können. Details konnte er noch nicht sagen.

Aus dem Büro des für den Asylbereich zuständigen Landesrates Gottfried Waldhäusl hieß es zur Frage, weshalb die von „menschen-leben“ betreuten Jugendliche in andere Quartiere verlegt wurden: „Derzeit geben wir zu diesem Thema keine Stellungnahme ab.“