„Theater soll erhaben sein und verzaubern“. Nach der Endausscheidung des 9. Int. Heinrich Strecker- Gesangswettbewerbes gibt es am 23. September eine Finalisten-Gala.

Von Sandra Sagmeister. Erstellt am 16. September 2017 (03:05)
Aus 150 Anmeldungen aus der ganzen Welt wurden heuer 65 Kandidaten aus 20 verschiedenen Nationen zum Wettbewerb zugelassen. Am Samstag, 23. September stehen die sechs Finalisten auf der Bühne Baden und bestreiten ein Galakonzert.
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Herbert Fischerauer ist Mitbegründer und „Chefentwickler“ des Heinrich-Strecker-Wettbewerbes, den er vor 16 Jahre gründete.
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Anlässlich des 20. Todestages von Heinrich Strecker, wurde 2001 der 1. Intern. Heinrich-Strecker-Wettbewerb gegründet. 16 Jahre später hat sich der Bewerb zu einer international gefragten Kaderschmiede für aufgehende Sängerstars entwickelt und kann als Cross-over-Competition bezeichnet werden, so sich Oper, Operette und das Wienerlied treffen.

65 Kandidaten aus 20 Nationen finden sich von 20.-23. September im Stadttheater ein, um ihr gesangliches und darstellerisches Können in den Sparten Oper, Operette, Musical und Wienerlied unter Beweis zu stellen. Den Juryvorsitz haben Kammersängerin Sona Ghazarian und der künstlerische Leiter der Bühne Baden, Michael Lakner. Mitbegründer Herbert Fischerauer lenkt und leitet bis heute die Geschicke des Wettbewerbes. Im Gespräch mit der NÖN blickt er zurück und voraus:

NÖN: Beim nächsten Wettbewerb wird das erste runde Jubiläum gefeiert, hätten Sie sich das gedacht? Wie hat alles begonnen?

Herbert Fischerauer: Mein Ziel war es, einen Wettbewerb ins Leben zu rufen, der sich von anderen Gesangswettbewerben unterscheidet und die Kompositionen von Heinrich Strecker nicht in Vergessenheit geraten lässt. Mit der einmaligen Verbindung der Genres Operette und Wienerlied hatte dies seinen Anfang und hat sich in Folge weiterentwickelt. Alles Neue braut seine Zeit und ohne die Unterstützung dem Land Niederösterreich, der Stadt Baden und vor allem der Bühne Baden mit seinem neuen künstlerischen Leiter Professor Michael Lakner wäre vieles nicht möglich gewesen.

Woher kommt der Erfolg?

Fischerauer: Als der Wettbewerb sich international einen Namen hatte, wurde er, auf Anregung von Robert Herzl, an die Bühne Baden geholt und um die Starten Oper und Musical erweitert. Diese Erneuerung hat uns dann auch zur zusätzlichen Namensgebung ‚Cross Over Competition‘ veranlasst. Die Operette und das Wienerlied bleibt weiterhin fixer Bestandteil der vorzubereitenden Lieder und dann kann jeder Kandidat sein Fach frei wählen. Entweder Oper oder Musical. Die damalige Entscheidung hat dazu geführt, dass wir in diesem Jahr Kandidaten aus 20 Nation erwarten.

Oft wird und wurde die Operette tot gesagt, warum bewerben sich dann doch so viele junge Sängerinnen und Sänger für diesen Wettbewerb?

Fischerauer: Die Entscheidung bei einem Wettbewerb mitzumachen hat viele Gründe. Zum einem liegt es an der Zusammensetzung der Jury. Man erspart sich viele Vorsingen an Theatern und Opernhäuser, wenn die maßgeblichen Leute in einer Jury sitzen. Dabei haben wir immer Glück gehabt, großartige Theatermacher in der Jury zu haben. Zum anderen, um auf Ihre Frage zu kommen ist die Operette musikalisch so lebendig, dass sowohl für Opern- als auch für Musicalsänger sich immer ein passendes Stück zur Interpretation findet.

Ist der Nachwuchs somit gesichert? Hält die Jugend die alte Operette am Leben?

Fischerauer: Die Entscheidung, ob man Operette singen und gestalten möchte, bleibt letztendlich jedem selbst überlassen. Wobei auch hier das Gesetz nach Angebot und Nachfrage gilt. Zur Zeit wird die Operette auf den Spielplänen der deutschsprachigen Theater, die Bühne Baden stellt hier eine absolute Ausnahme, eher stiefmütterlich behandelt. Man muss sich heute eher auf die Oper oder das Musical spezialisieren und die Operette mitmachen. So ein Wettbewerb kann aber die jungen Künstler dazu anhalten sich ein neues Operettenrepertoire zu erwerben.

Das gleiche gilt auch für das Wienerlied, eine kleine Nische, die doch fasziniert?

Fischerauer: Der Namensgeber des Wettbewerbes Heinrich Strecker ist ja mit Melodien wie „Drunt in der Lobau“ oder Ja, ja der Wein ist gut“ populär geworden. Noch heute kommen jährlich hunderte Interessierte in die Villa Strecker, um den Originalschauplatz der Kompositionen kennenzulernen. Die Wienermusik bzw. die Volksmusik im Allgemeinen gehört zu den ureigensten österreichischen Kulturgüter. Mit einem klaren Vortrag und einer ausdrucksstarken Interpretation kann das Wienerlied zum Kunstlied erhoben werden. Das beste Beispiel dafür ist unser Jurymitglied Kammersänger Heinz Zednik.

Was ist das Wichtigste, was der Heinrich-Strecker-Wettbewerb an Kulturarbeit leistet?

Fischerauer: Mit der Einmaligkeit des Wettbewerbes werden zukünftige Opernsänger oder auch Musicaldarsteller vielleicht zum ersten Mal mit dem Wienerlied konfrontiert. Und so manche Wettbewerbssieger wie zum Beispiel Daniela Fally oder Michael Havlicek haben es in ihr Konzertrepertoire aufgenommen. Darüber hinaus wird Sängerinnen und Sänger aus vielen Nationen ein Repertoire nähergebracht, dass Sie im Vorfeld vielleicht noch nicht so beachtet oder gekannt haben. Manchmal kann der Blick über seinen eigenen Tellerrand hinaus durchaus befruchtend sein.

Was sehen Sie, wenn Sie in die Zukunft blicken bzw. was möchten Sie gerne sehen?

Fischerauer: Ich wünsche mir ein vielfältiges, weltoffenes, verzauberndes und ein über alle Grenzen und Religionen erhabenes Theater. Ich wünsche mir auch ein Theater, das Menschen zum Nachdenken anregt, aber auch ihre Sorgen schwinden lässt. Das ist die Zielsetzung eines jeden Bühnenkünstlers: Das Publikum zu begeistern – gestern, heute und auch morgen noch…