Peter von Bohr: Auf den Spuren eines Meisterfälschers

Der Friedhofsgucker auf den Spuren des berühmten Meisterfälschers im Kaisertum Österreich. Kaiser Franz I. besuchte ihn mehrmals.

Red. Baden Erstellt am 09. August 2021 | 04:12

Geschichten, Sagen, Mythen und Tatsachen vermischen sich um die Gestalt des „Peter von Bohr“ (1773-1846). Auch 175 Jahre nach dem Tod des Fälschers sind noch viele Fragen offen: Wie kam Peter Bohr schon in jungen Jahren zu seinem gigantischen Vermögen? Wie konnte er durch den Grauen Star fast erblindet, von der Gicht gepeinigt, Banknoten in einer noch nie da gewesenen Qualität herstellen? Gab es nicht nur eine Fälscherwerkstatt in seiner Wohnung in Wien, sondern wurden auch „Blüten“ im tiefen Keller seines Schlosses hergestellt? Wo sind die sterblichen Überreste?

2021 – Freitag, 23. Juli: In meiner Funktion als „Friedhofsgucker“ betrete ich das Wasserschloss zu Kottingbrunn. Hier residierte einst „Peter Ritter von Bohr“. Im Burghof werde ich von Helene Stinakovits, ihres Zeichens Gemeindearchivarin und Monika Schuster, zuständig für Tourismus, erwartet. Die Damen sind charmante, lebendige Geschichtsbücher, wenn es um das Märchenschloss oder die geheimnisvolle Figur des Peter Bohr geht. Ich habe einen ganzen Fragenkatalog mitgebracht. Die zwei Chronistinnen beginnen nun über den „Meisterfälscher Bohr“ zu berichten.

1773 - Die Wiege von „Peter Bohr“ stand in Luxemburg. Er wurde als Sohn von Katharina und dem Kunstlehrer Johann Bohr, im Sternzeichen des Krebses, am 30. Juni 1773 geboren.

1780 – „Der kleine Peter“ stolze sieben Jahre alt, kam zu seinem Onkel „Karl“. Der „Oheim“ war Gutsbesitzer und vermögend. „Onkel Karl“ erkannte die künstlerische Begabung des Neffen. Im Alter von 14 Jahren durfte Peter Bohr die Malschule in der „Abtei Orval“ besuchen. Mit 17 hielt Bohr Einzug in die Akademie der Künste in Paris.

1790 – kam Bohr unter die Räder der Französischen-Revolution: Er wurde zu einem sogenannten Künstlercorps einberufen, da wurde nicht nur gemalt, sondern auch für die „Gerechtigkeit“ gekämpft. 1793 versetzte man Bohr zum 6. Artillerieregiment. 1795 unterbrach er seine Soldatenlaufbahn. Über Umwege wollte „der Abenteurer“ nach Wien, dies blieb ihm aber verwehrt, so wählte er Linz als neuen Wohnort.

1796 – Linz: Peter Bohr knüpfte Verbindung zu dem Feldzeugmeister „Baron Beaulieu“, dieser führte den „Künstler und Offizier“ in die höchsten Kreise der Stadt ein. „Peter“ war nun der „1000sasser“ von Linz – Offizier in Diensten des „Feldzeugmeisters Beaulieu“ – Porträtmaler der Reichen – auch spekulierte er mit riskanten Wertpapieren.

Am 28. Oktober 1798 heiratete Peter Bohr Clara Poestion, die Tochter eines Zeichenlehrers. Um 1800 waren dann „Clara und Peter“ Besitzer eines „Putzwarengeschäftes“. Rasch wuchs der Wohlstand. Der Kaufmann Bohr kaufte und verkaufte nun auch ganze Lager von Armee-Beständen. Der Reichtum sprudelte von allen Seiten, aber auch Neid, Missgunst und Verleumdung kamen über die junge Familie. Die Vermutung, dass Bohr schon in Linz Gemälde, Wertpapiere oder Urkunden fälschte, hält sich hartnäckig. Fakt ist, Bohr hatte schon damals ein riesiges Vermögen angesammelt! 1814 übersiedelte Familie Bohr nach Wien – seine „geliebte Clara“ starb 1818.

1819 – Der „Ritter“ kauft „Schloss Kottingbrunn“ um 127.000 Gulden, das sind ca. 2.588.084 Euro und um 94.000 Gulden (1.915.589 Euro) ein Haus in Wien Leopoldstadt. Am 5. August 1821 heiratet Bohr zum zweiten Mal, Gräfin „Mathilde von Christalnigg“ war seine Auserwählte.

Bohr am Höhepunkt seiner Karriere

1819 bis 1826: Bohr lebte in seinem Märchenschloss Kottingbrunn wie ein Fürst – Kaiser Franz I sowie Fürst Metternich trafen sich hier mehrmals. Aristokraten, Wirtschaftsmagnaten, Künstlerschaft und Hochstapler buhlten um Einladungen bei dem „Glücksritter aus Luxemburg“.

Überall im Reich sprach man über die Erfolge von Bohr. So war er Mitbegründer der Donau Dampfschifffahrts-Gesellschaft, Erfinder einer Guillochier Maschine (sollte Banknoten fälschungssicher machen!), Mitbegründer der „Ersten Österr. Sparkasse“. Bohr hatte Patente über Kreissägen, Kopier-Apparate und Druckmaschinen. Ein Superprojekt von ihm war der Bau des Donau-Dampfschiffes „Kaiser Franz“. Viele seiner Machenschaften brachten tausende von Gulden ein, aber bei manchen Geschäften verlor Bohr auch so richtig viel „Kohle“.

1827 – Das Ende begann mit dem Konkurs des Fürsten Rosenberg. Allein 180.000 Gulden (3.668.149 Euro) verlor Bohr beim Bankrott des Fürsten! Ob er schon zu dieser Zeit tief im Keller seines Schlosses eine Fälscherwerkstatt betrieb, konnte noch nicht ganz geklärt werden. Aber Fakt ist, dass er 1838 begann „500-Gulden Scheine“ zu fälschen. Mit den „Blüten“ und mit nicht ganz echten Wertpapieren versuchte er seinen Konkurs noch abzuwenden. Es half nichts, am Freitag, dem 13. Dezember 1839, musste Bohr Insolvenz anmelden. Das Schloss wurde verkauft, seine zahlreichen Verbindungen zerbröselten – die sogenannte feine Gesellschaft nahm nun feinen Abstand.

Um 1840 zog Bohr mit seiner Gemahlin nach Wien. Er konnte bescheiden leben, wollte aber seiner „hochgeborenen“ Gattin weiters ein Leben in Luxus bieten. Noch mehr „Gulden“ mussten her, wenn nicht echte dann eben falsche! Bis ca. 1845 funktionierte nun sein Fälscher-Dasein, es wurden Zehn- und Hundert-Guldenscheine hergestellt.

Der Meisterfälscher wird aufgedeckt & verhaftet

1845 – 24. August: Aufregung in der Nationalbank, bei einer Revision wurden falsche 10- und 100-Guldenscheine entdeckt. Die Fälschungen waren derartig gut, dass sie nur von einem Experten angefertigt werden konnten. Kriminalkommissar „Max von Felsenthal“ wurde alarmiert, dieser hatte unter anderem auch Peter Bohr unter Verdacht. Nach einer Hausdurchsuchung des nun bescheidenen Heimes in Wien Meidling, war es Gewissheit: „Peter Ritter von Bohr“ war der „Meisterfälscher“! Das Ehepaar Bohr wurde verhaftet, ihr Adelsprädikat aberkannt.

1846 – Montag, 23. März: Peter und Mathilde Bohr werden zum Tod durch den „Strang“ verurteilt – am 15. Oktober 1846 ist das Todesurteil aber in eine Kerkerstrafe umgewandelt worden.

1847 – Freitag, 15. Oktober: Fast erblindet, von der Gicht gebeutelt, sein Körper durch die Krankheit vergiftet, stirbt der 74-jährige, einstige „Ritter des Glücks“ verlassen und einsam, in der „Strafanstalt Leopoldstadt“.

Der verstorbene „Sträfling“ wird nun irgendwann im Oktober 1847 vom Gefängnis Leopoldstadt nach Kottingbrunn überführt. Am dortigen Friedhof wird Bohr, vermutlich in aller Stille, in seiner stattlichen Gruft beerdigt. Die Grabstätte war der letzte Luxus, der ihm blieb. Aber auch die Gruft ist wie seine Gebeine im Nebel der Vergangenheit verschwunden. Nur seine abenteuerlichen Geschichten strahlen vom Schloss Kottingbrunn, hell in alle Himmelsrichtungen des Kontinentes.

2021 – Achtung an alle Liebhaber von Falschgeld! Im Schlosshof Kottingbrunn gibt es den „Bohr“-Falschgeldautomat – „Null Euro Blüten“ können hier ausgedruckt werden – natürlich in bester Qualität, wie man es vom „Meisterfälscher Peter Ritter von Bohr“ gewohnt war.