Schutzzone für Bahnhof in Baden beantragt. Lockdowns drosseln Anzahl der Straftaten. Bahnhofsgelände soll Schutzzone werden.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 07. April 2021 (05:55)
Bezirkspolizeikommandant Oberstleutnant Hannes Jantschy und Kriminaldienstleiter Chefinspektor Günther Skrianz.
Jandrinitsch, Jandrinitsch

Im Jahr 2020 wurden im Bezirk Baden 5.918 gerichtlich strafbare Handlungen angezeigt. Davon wurden 2.977 Fälle aufgeklärt, „ziemlich genau 50 Prozent“, sagt Bezirkspolizeikommandant Oberstleutnant Hannes Jantschy, „die Verbrechen sind rückläufig“.

Einzige Ausnahme: Der Bahnhof Baden bleibt ein Hotspot, vor allem was Delikte wie Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit, Raufereien und Verstöße gegen das Suchtmittelgesetz betrifft. Deshalb hat sich das Bezirkspolizeikommando gemeinsam mit dem Stadtpolizeikommando und der Stadtgemeinde darauf verständigt, den Bahnhof nach § 36 Sicherheitspolizeigesetz zur Schutzzone erklären zu lassen. „Bei einer Schutzzone kann man die Leute wegweisen“, erläutert Jantschy. „Alternative wäre eine verstärkte Videoüberwachung.“

Bezirkshauptfrau prüft Schutzzone

Die Schutzzone wurde noch vor den Osterfeiertagen bei der Bezirkshauptmannschaft Baden beantragt.

„Das Bezirkspolizeikommando ist zum Schluss gekommen, dass die Verordnung einer Schutzzone am Bahnhof Baden sinnvoll ist. Ich habe volles Vertrauen in die Expertise der Polizei. Die Schutzzone bildet die rechtliche Grundlage, damit die Polizei gegen Personen einschreiten kann.“, sagte Bürgermeister Stefan Szirucsek, ÖVP.

Was genau geprüft wird, erklärt Bezirkshauptfrau Verena Sonnleitner: „Die Schutzzone muss sich auf einen bestimmten Ort beziehen. So kann etwa ein Bahnhof als Schutzobjekt festgelegt werden und ein Bereich im Umkreis von höchstens 150 Metern darum in den Schutzbereich einbezogen werden. Bei diesem Ort muss es sich um einen solchen handeln, an dem überwiegend minderjährige Menschen in besonderem Ausmaß nach dem Strafgesetzbuch, dem Verbotsgesetz oder gerichtlich strafbaren Handlungen nach dem Suchtmittelgesetz bedroht sind, wobei es nicht erforderlich ist, dass die strafbaren Handlungen unmittelbar gegen Kinder oder Jugendliche gerichtet sind. Es kommt darauf an, dass die Gefahr, die aus solchen strafbaren Handlungen resultiert, überwiegend Kinder oder Jugendliche betrifft.“

Schon das Jahr 2019 war ein „relativ gutes Jahr“, was die Aufklärungquote von Verbrechen betrifft. Chefinspektor Günther Skrianz, Fachbereichsleiter für den Kriminaldienst ergänzt: „2019 wurden 6.545 Fälle angezeigt, davon wurden 3.355 aufgeklärt, das sind 51 Prozent. Im Jahr 2020 wurden um 9,6 Prozent weniger gerichtlich strafbare Handlungen angezeigt.“ Vor allem die „Klassiker“ unter den Straftaten seien weniger geworden. Jantschy berichtet: „Dabei handelt es sich vor allem um Einbruchsdiebstähle in Wohnungen und Einfamilienhäuser sowie Handtaschendiebstähle.“

Was jedoch nicht abreißt, ist die Entwendung von hochpreisigen Fahrrädern. „Meist handelt es sich um Top-Räder und E-Bikes, die aus Kellerabteilen von Wohnhausanlagen und öffentlichen Plätzen gestohlen werden“, weiß Jantschy. 236 Fahrräder wurden im Vorjahr gestohlen.

„Ein Mitgrund ist, dass die Räder nicht ordentlich gesichert verwahrt werden, da haben Täter ein leichtes Spiel.“

2020 weiterhin äußerst aktiv waren Täter, die versuchten, mit dem Polizei- oder Neffentrick in verschiedenen Varianten ihren Opfern Geld aus der Tasche zu locken – in vielen Fällen äußerst erfolgreich.

Psychologisch geschulte Trickbetrüger

Die Krux an der Sache: „Wer sich am Telefon mit diesen Betrügern auf ein Gespräch einlässt, hat schon verloren. Es wird so lange auf die Menschen eingeredet, bis diese überzeugt sind, dass ihre Wertsachen und ihr Barvermögen in Gefahr sind. Dann bringen sie dieses zu einem vereinbarten Treffpunkt, deponieren es dort wie mit den Tätern besprochen und sehen ihr Geld nie wieder. Oft sind diese Menschen aber selbst dann noch überzeugt, richtig gehandelt zu haben, wenn sie bei uns auf der Polizeiinspektion sitzen, weil es die Täter geschafft haben, im Gespräch einen so hohen Level an Vertrauen aufzubauen“, erläutert Skrianz.

Die Täter sind gerissen und reagieren auch auf aktuelle Straftaten. „Wie die Schließfächer der Raiffeisenbank in Mödling ausgeraubt wurden, machten Anrufe die Runde, dass das Geld in Schließfächern nicht mehr sicher ist. Und es gibt Menschen, die haben das geglaubt“, sagt Jantschy, was „gewaltige Schadenssummen bis 100.000 Euro nach sich gezogen hat“. Sehr aktiv sind Tätergruppen im Internet. Hier reiche die Bandbreite von „klassischem Betrug, über Pishing von Codes und Banknummern bis zum Lotterietrick ‚Sie haben gewonnen‘, von Liebesversprechen bis hin zur Kinderpornografie.

Reduziert hat sich die Zahl der Verkehrsunfälle.

2020 ereigneten sich 348 Verkehrsunfälle, sechs Menschen kamen dabei ums Leben.

Sowohl für Jantschy als auch Skrianz bleibt jedoch Prävention der wichtigste Schritt, um Delikten von vornherein vorzubeugen. Dabei setzt die Polizei schon bei den Schulkindern ab der Volksschule an.