Pottendorf: Ein Stich – große Wirkung. Die Impfung von Ortschef Sabbata-Valteiner löste unterschiedliche Standpunkte aus.

Von Thomas Lenger. Erstellt am 28. Januar 2021 (04:55)
Samariterbund NÖ

Wie die NÖN berichtete, wurde der Pottendorfer Bürgermeister Thomas Sabbata-Valteiner, SPÖ, am 14. Jänner im Landespflege- und Betreuungszentrum in Pottendorf gegen Corona geimpft.

Sabbata-Valteiner begründete dies, dass der Direktor des Landespflegeheimes ihn gebeten habe, die Impfung ebenso wie der örtliche Pfarrer und der Kaplan anzunehmen. Nach dem Bekanntwerden der Impfung sorgte diese für heftig Reaktionen.

So ärgerte sich eine Pottendorferin, welche sich nur wenige Tage zuvor beim Bürgermeister über die Möglichkeit einer Impfung ihrer in Pottendorf Zweitwohnsitz gemeldeten Mutter erkundigte und damals vertröstet wurde. Laut Sabbata-Valteiner wurde die Frau von ihm darüber informiert, dass es seitens der Gemeinde (zu diesem Zeitpunkt) noch keine Anmeldeliste gab.

Außerdem hätte Sabbata-Valteiner betont, dass man sich in jener Gemeinde zur Impfung anmelden muss, in der man den Hauptwohnsitz hat.

Der Bürgermeister meint: „Für mich ist ganz klar, dass ich aus heutiger Sicht die Impfung ablehnen würde, aber nicht, weil ich an der Impfung zweifle, sondern weil es nun auch schon dementsprechende Listen gibt mit weiteren Personen, die sich auch impfen lassen möchten und die Impfung auch unbedingt benötigen.“

Er kündigte an, dass er mit den örtlich ansässigen Ärzten besprechen wird, wie die Impfungen in der Großgemeinde organisiert werden sollen.

Reaktionen auf Ortschef-Impfung

Kritik kommt von der Opposition. ÖVP-Gemeinderat Friedrich Völkl ist empört: „Als unser Herr Bürgermeister sein eigenes Profilbild auf Facebook geändert und dort stolz verkündet hat, dass er geimpft ist, da hat es mir dann die Sicherungen herausgehaut. Höflich formuliert ist es eine extrem mangelnde Sensibilität“, meint Völkl, der davon überzeugt ist, dass der Bürgermeister die Annahme der Impfung verweigern und statt dessen einen anderen, älteren Mitbürger vorschlagen hätte sollen. „Das ist feig und für mich Machtmissbrauch“, ist der VP-Politiker überzeugt. Dass der Pfarrer und der Kaplan auch geimpft wurden, empfindet er als „lächerlich“. „Beim Pfarrer finde ich es vielleicht noch argumentierbar, da dieser die Krankensalbungen spendet. Aber auch hier sehe ich es genau so verwerflich, dass sie sich impfen haben lassen, vor allem beim jungen Kaplan“, meint Völkl.

Entsetzt reagiert Pfarrer Josef Lippert auf diese Anschauungsweise. Er erklärt: „Ich bin ganz sicher kein Drängler gewesen, der sich eine Impfung erschlichen hat. Ich wurde vom Direktor des Pflegeheims angerufen und informiert, dass Impfungen übergeblieben sind und er hat mich gebeten, ob ich mich nicht impfen lassen wolle. Ich hatte den Eindruck, dass ich vom Pflegeheim als einer der ihren angesehen werde, da ich ja regelmäßig dort bin“, sagt der Pfarrer. Er habe gar nicht darüber nachgedacht und schon gar nichts Böses darin gesehen, die Impfung anzunehmen, betont er. Als die öffentliche Debatte über die Impfung losging, „ist es mir schlecht gegangen“, sagt Pfarrer Lippert. Direkte Kritik aus seiner Pfarre habe er kaum erfahren.

Schützenhilfe für Sabbata-Valteiner kam vom Pottensteiner Bürgermeister Daniel Pongratz (SPÖ) auf Facebook: „Wir Bürgermeister stehen an vorderster Front und leisten einen erheblichen Beitrag zur Bewältigung dieser Pandemie – während die Bundesregierung ankündigt und redet, sind wir es in den Gemeinden, die umsetzen.“ Er meint: „Thomas Sabbata-Valteiner hat richtig gehandelt, niemandem einen Impfstoff weggenommen und es ist sicher nicht notwendig, so in den Medien zerrissen zu werden.“

Auch der Obmann der Kleinregion Otto Strauss, SPÖ-Gemeinderat in Ebreichsdorf, stellt sich hinter Sabbata-Valteiner: „Alleine die Tatsache, dass Bürgermeister ständig mit Bürgern in persönlichem Kontakt stehen und permanent kompetente Entscheidungen treffen müssen, bedeutet das für mich, dass diese Personengruppe gleich zu Beginn zu impfen ist.“ Er wisse nach 30 Jahren in de Kommunalpolitik ganz genau, was Bürgermeister leisten.

Jetzt untersucht die Landesgesundheitsagentur den Vorfall.