Aus für Baden als Kulturhauptstadt. Für 2024 hat sich Baden bemüht, Kulturhauptstadt Europas zu werden. Jetzt kam der Rückzug. Die NÖN fragt nach den Gründen.

Von Sandra Sagmeister. Erstellt am 08. Januar 2019 (04:27)
NOEN
„Ein Jahr Kulturhauptstadt zu sein, muss man finanziell auch schaffen“, so Hornyik zum Rückzug Badens.

Es hätte gut zusammen gepasst: Das Bemühen Badens, mit 10 anderen Kurorten zum UNESCO Weltkulturerbe – Great Spas of Europa – ernannt zu werden und 2024 europäische Kulturhauptstadt zu sein. Fragt man jedoch bei VP-Kulturstadtrat Hans Hornyik nach, so wären beide Projekte zusammen eine Nummer zu groß gewesen für Baden.

Geschätzte 60 Millionen koste ein Kulturhauptstadtjahr, in dem ein Jahr Kulturprogramm geboten werden müsse. „Das muss man als Stadt einmal schaffen.“ Als sich dann herauskristallisierte, dass St. Pölten mit dem Land Niederösterreich einen starken Partner hinter sich hat, hat sich Baden aus dem Rennen genommen: „Es war aussichtslos für uns. Man bekommt zwar sehr viel Geld, aber man muss auch sehr viel Geld auftreiben. Wir konzentrieren uns seit 2014 auf das Weltkulturerbe und arbeiten weiter in diese Richtung, da sehe ich mehr Chancen und mehr Nachhaltigkeit“, so Hornyik. Kulturhauptstadt sei man für ein Jahr, Weltkulturerbe für immer. Diesen Jänner werde Badens Antrag vom tschechischen Botschafter an die EU übergeben.

„Es war aussichtslos für uns. Man bekommt zwar sehr viel Geld, aber man muss auch sehr viel Geld auftreiben"

Enttäuscht ist Projektleiter Otto Brusatti, der, wie es Hornyik sagt, „viel Hirnschmalz und Energie als Leiter des Projektes Kulturhauptstadt investiert hat.“ Baden hatte tolle Ideen, „wir waren halb dabei, haben an besseren Konzepten gearbeitet, als alle Bewerberorte zusammengenommen. Baden hat die besten Kulturvoraussetzungen seit 2.000 Jahren und begann einen kreativen Pool aufzubauen“, fasst Brusatti zusammen.

NÖN
Otto Brusatti ist enttäuscht über Badens Rückzug im Rahmen der Kulturhauptstadt-Bewerbung.

Baden war führend tätig in den Vorbereitungsworkshops des Bundeskanzleramtes, Bürgermeister und Kulturamt standen voll dahinter. Brusatti übt Kritik an einem konstruktiven Zusammenwirken: „Es war unmöglich, die infrage kommenden Badener Institutionen zu einem kreativen Gespräch zusammenzubringen. Ich lud ein. Ich bat, bettelte. Nix! Totales Ignorieren. Von allen Museumsbereichen, Theatern, Casino sowie die Wirtschaft“, so Brusatti. Auch Badens Tourismus habe nicht einmal reagiert.

VP-Bürgermeister Stefan Sziruscek will alle Energie und Ressourcen Badens auf die Bewerbung zum UNESCO Weltkulturerbe bündeln: „Die Würfel sind gefallen, es geht in eine andere Richtung, aber es war nicht alles umsonst, die Kontakte, die während des Prozesses zur Kulturhauptstadt geknüpft wurden, sind wertvoll und werden weiter genutzt.“