Hundertwasser-Weltpremiere in Baden

Einblicke in der Galerie Breyer von Fotograf Gerd Ludwig in private Persönlichkeit und Lebensweise des Ausnahme-Künstlers.

Erstellt am 03. Oktober 2021 | 09:28
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Eröffneten die Vernissage der Hundertwasser-Weltpremiere in Baden (v. li): Galerist Christopher Lane, Fotograf Gerd Ludwig, Sabine Nedved von der Hundertwasser-Stiftung und Gemeinderat Leopold Habres.
Foto: Nadja Tröstl

Der Fotograf Gerd Ludwig zeigt in Baden weltweit erstmals seine in Neuseeland entstandenen Fotos des Künstlers Friedensreich Hundertwasser in der Galerie Breyer. Zu sehen sind „ungeschminkte“, authentische Einblicke in die private, außergewöhnliche Persönlichkeit und Lebensweise des Ausnahme-Künstlers.

Friedensreich Hundertwasser wie Gott ihn schuf in der Badewanne inmitten des neuseeländischen Urwaldes, beim Nacktbaden mit seiner Muse, in seinem Farmhäuschen auf dem riesigen Grundstück auf Neuseeland, arbeitend, unter einem gedämpften Lampenschirm mit seinen Farben laborierend, vor den mit Regentropfen bemalten, bunten Fenstern sowie auf dem Mast seines Schiffes „Regentag“. Das sind nur einige Motive, die den Maler auf eine einzigartig nahe und natürliche Weise zeigen. Gedankenverloren. Fokussiert. Porträtiert mit den verschiedensten Kopfbedeckungen aus seinem privaten Mützen-Fundus.

Ein weiteres Highlight des Fotofestivals

Die überdimensionalen Fotografien sind noch den ganzen Oktober in der Galerie Breyer zu sehen und dort auch erhältlich. Ein weiteres Highlight der größten Open-Air Fotoausstellung „Festival La Gacilly-Baden Photo 2021“ von Festivaldirektor Lois Lammerhuber. Gerd Ludwig flog aus Los Angeles ein, um die Vernissage persönlich zu eröffnen und einige der Geschichten hinter der Bilder zu erzählen.

Die Vorgeschichte

 1978 erhielt der damals junge, ehrgeizige Fotograf von der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ den Auftrag, im Team mit dem Journalisten Peter Sager „Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser“, wie er sich mit seinen Pseudonymen nannte, auf seinem Grundstück im Norden Neuseelands, in der „Bay of Islands“, für eine Reportage fotografisch zu begleiten. Was in einer besonderen Kooperation zwischen Künstler und Fotograf resultierte, einer hautnahen Begleitung, die einzigartig blieb. Denn der Umweltaktionist, der bürgerlich Friedrich Stowasser hieß, ließ nie wieder einen Fotografen so nah an sich heran. Schon am ersten Tag forderte er seine Gäste auf, so wie er nackt in einem Bach zu baden. Als Ludwig der Aufforderung folge leistete, war das Eis gebrochen.

So gab es etwa auch einen Deal zwischen den beiden Männern, der das berühmte Badewannen-Foto überhaupt zustande kommen ließ. Der Künstler erlaubte Ludwig, das Bild, das später um die Welt gehen sollte, nur unter einer Voraussetzung zu machen: Er müsse nach dem Shooting in demselben Badewasser baden! Gesagt, getan. „Wie Joseph Beuys war Hundertwasser ein Stück weit „entrückt“, etwas abgehoben. Er war von der grünen Idee beseelt, oft schweigsam, manchmal ironisch und hatte einen trockenen Humor“, erinnert sich Gerd Ludwig zurück. Am markantesten in Erinnerung geblieben ist ihm eine für die 1970er Jahre unglaubwürdige Prophezeiung des Malers, die damals noch ein utopisches Zukunftsszenario war und nun Realität geworden ist: Eines Tages würden Kriege um sauberes Wasser geführt werden.

Die Bilder werden von Baden weiter nach Neuseeland reisen, wo sie voraussichtlich Anfang 2022 in einem neu eröffneten Hundertwasser-Museum zu sehen sein werden.