Baden: Mehr Tiere fanden im Krisenjahr ein neues Heim. Tier-Vergaben in Coronakrise gestiegen. Bereitschaft für Spenden nach erstem Rückgang nun wieder im üblichen Niveau.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:45)
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„Am Beginn der Pandemie voriges Jahr wurde erwartet, dass vermehrt wegen finanzieller Not Tiere abgeben werden, aber zu unserer Überraschung, war dies nicht so“, erklärt Badens Tierheim-Leiterin Gabriele Artner. Im Gegenteil, im 1. Lockdown März bis April 2020 „rannten sie uns sprichwörtlich die Türe eine, um einem Schützling von uns einen neuen Platz zu geben“, sagt Artner. Insgesamt habe sich durch die Pandemie nichts geändert bei der Abgabe.

Doch etwas habe man verstärkt bemerkt: „Es möchten mehr Menschen einem Tier ein neues Zuhause bieten“ – ob aus Einsamkeit oder mehr Zeit wegen Homeoffice, so genau können man es nicht sagen. Man hinterfrage die Vergabe sehr genau – „aber bis jetzt haben wir nur positive Erfahrungen in der Vergabe gemacht, es sind fast keine Tiere wieder zurückgekommen“, sagt Artner.

Tiervergaben nur nach klaren Corona-Vorgaben

Im 1. Lockdown gab es besondere Auflagen und das Tierheim wurde für sieben Wochen komplett geschlossen – zur Sicherheit für die Mitarbeiter, damit die Versorgung der Tiere gewährleistet sei und auch für die Besucher. Danach erhielt man durch die Landesregierung Richtlinien im Verhalten. Da man in einem ähnlichen Bereich wie Dienstleistungsbereiche falle, müsse man sich etwa an die Maskenpflicht (ab nun FFP2 Maske) halten, nicht zu viele Besucher im Tierheim zulassen (10 m pro Person) und Abstand wahren.

Trotz Corona wird weiter gespendet: Obfrau Gabi Artner und Stellvertreterin Angela Stöckl-Wolkerstorfer bei einer Futterübergabe der ÖVP.
Pohl

„Damit wir das einhalten können, haben wir uns entschlossen, nur mehr Terminvergabe zu machen und es darf auch keine allgemeine Besichtigung im Tierheim durchgeführt werden“, erklärt Artner. Auch Spenden müssen vor der Türe abgelegt werden. „Wir stoßen da leider manchmal auf sehr großes Unverständnis und werden sehr oft hinterfragt, aber wir halten uns da an strikte Regeln, da es hier auch wieder um die Sicherheit unserer Mitarbeiter geht und natürlich um unser Tierheim und unsere Schützlinge, denn keinem ist geholfen, wenn Mitarbeiter in Quarantäne zu Hause bleiben müssen und die Versorgung der Tiere nicht gewährleistet ist“, betont Artner.

Bei der Spendenbereitschaft habe man zu Beginn einen gesteigerten Rückgang gemerkt, gegen dem Ende des Jahres habe es sich fast wieder normalisiert und Weihnachten kamen wie jedes Jahr „überwältigende Sach- und auch Geldspenden“ herein. Tierschutz sei eben im Kopf der Bevölkerung doch sehr tief verankert. Auch Spendenaufrufe über Facebook für besonderes Futter oder OP-Unterstützungen würden zu Spenden führen. Das Tierheim Baden musste anders als andere Tierheime bislang niemanden in Kurzarbeit schicken.

„Da wir einen Vertrag mit dem Land NÖ haben, hat sich Landesrat Waldhäusl entschieden, von den zwei Subventionsraten, die wir zweimal jährlich erhalten, einen Teil früher als geplant auszuzahlen, damit die Tierheime die laufenden Kosten bezahlen konnten. Dies hat uns allen enorm geholfen und wir sind sehr dankbar dafür“, schildert Artner. Es sei verständlich, dass sich die Menschen in der Zeit der Pandemie, wo der Kontakt eingeschränkt ist, nach jemanden sehnen und wenn es nur ein Tier ist. Es werde daher in langen Gesprächen versucht, die Gesamtsituation des Tieres und der Interessenten zu erfassen und auch beraten, ob es ratsam sei, ein Tier jetzt zu nehmen. „Wir scheuen uns aber auch nicht, einem Interessenten ein Tier zu verwehren, wenn es in unseren Augen nicht passt“, erklärt sie.

Es habe auch mehrmals die Situation gegeben, dass die Interessenten nicht die volle Schutzgebühr bezahlen konnten, wegen Kurzarbeit oder Arbeitsverlust. Wenn der Platz passe, versuche man entgegenzukommen und sich auf Ratenzahlung zu einigen. Hier sei laut Artner oft Feingefühl gefragt. „Ich würde mir wünschen, dass die Menschen wirklich gut überlegen, ob sie jetzt einem Tier ein neues Zuhause bieten können, finanziell und auch zeitmäßig.“ Das Interesse an den Tieren sollte schon ernsthaft sein und nicht aus „Langeweile“, mein Artner.

Das Badener Tierheim platzt aktuell übrigens nicht aus allen Nähten, sagt Artner. „Wir können im Moment Hunde aufnehmen, es ist etwas Platz vorhanden“, versichert sie.

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