Buslenker will Schüler nicht mitnehmen

Erstellt am 09. Dezember 2014 | 08:05
Lesezeit: 3 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_6055043_bad50pk_LeoBus_3sps.jpg
Foto: NOEN, Kienzl
Andreas (14) wird seit einem Jahr oft die Mitfahrt im Schulbus nach Berndorf verweigert. Eltern Marion und Gerhard Siersch sind empört. ÖBB-Sprecher: „Zu viele Zwischenfälle.“
Werbung
Um es vorweg zu nehmen: Andreas Siersch zählt wohl zu den „schlimmen“ Kindern. Das sagen auch die Eltern des 14-jährigen Leobersdorfers. „Unser Bub ist ein Häferl“, so Marion und Gerhard Siersch.

Seit über einem Jahr besteht ein Disput mit den ÖBB: Ein Postbus-Lenker weigert sich, Andreas zu seiner Schule in Berndorf oder zu einer Betreuungsstätte in Pottenstein mitzunehmen. Bei den ÖBB verweist man darauf, dass es „zu mehreren Zwischenfällen“ mit dem Schüler gekommen sei und „Fahrer mit Bauchweh“ unterwegs sind.

„Wir sind immer nur vertröstet worden“

Die Geschichte rund um Andreas ist komplex. Auf der einen Seite steht die Familie, die ihren Sohn bis zu dreimal täglich (!) mit dem Auto zur Schule oder dem Betreuungsplatz ins Triestingtal bringen oder abholen muss, weil Andreas vom Lenker der Linie 556 die Mitfahrt verweigert wird. „Wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen“, sagen Andreas’ Eltern.

440_0008_6055043_bad50pk_LeoBus_3sps.jpg
Marion und Gerhard Siersch vor der Leobersdorfer Bushaltestelle. »Sohn wird zurückgelassen.« Foto: Kienzl
Foto: NOEN, Kienzl

Die Familie hat drei weitere Kinder, „da kann ich auch nicht gleich losstarten“, so Vater Gerhard. Anrufe bei der ÖBB-Hotline hätten kein Ergebnis gebracht. „Wir sind immer nur vertröstet worden“, so Familie Siersch.

Andreas besitzt das „Top-Ticket“. Es kostet 60 Euro jährlich und berechtigt zur Benützung der Öffis in NÖ, Wien und dem Burgenland. „Im Wochentakt kommt es zu Komplikationen“. Beim Gespräch mit der NÖN zückt Papa Gerhard eine akribisch geführte Liste. „Ich habe alles protokolliert“, sagt er. „Das ist ein Kampf gegen Windmühlen.“

„Unser Sohn besucht noch ein Jahr die Sonderschule in Berndorf, so kann es nicht weitergehen.“ Andreas ist bei den ÖBB kein Unbekannter. Das haben Recherchen ergeben.

Familie: „Wollen klare Aussage von den ÖBB“

„Schüler werden angepöbelt und kassieren auch Ohrfeigen von ihm. Sie sind eingeschüchtert“, sagt ein ÖBB-Sprecher. „Unsere Buslenker lassen diese Situationen und Vorfälle nicht kalt. Sie versuchen, auf den Schüler einzuwirken“, heißt es. „Bisher erfolglos“. Auch soll es zu Polizei-Einsätzen gekommen sein.

Das dementiert Gerhard Siersch nicht. „Ich habe den Bus blockiert, es hat mir gereicht. „Die ÖBB argumentieren damit, unser Sohn ist amtsbekannt. Das ist er aber nicht! Wir wollen einfach, dass Andreas mit dem Bus zur Schule fahren kann. Wir verstehen auch nicht, warum uns als Familie die ÖBB bisher keine konkreten Gründe genannt hat.“
Werbung