Polit-Aufreger: Protest gegen Kartbahn-Pläne. ÖVP und SPÖ vereint gegen Liste Zukunft, diese winkt ab. Der Projektwerber will die Außen-Bahn parallel zur Kart-Halle in Kottingbrunn betreiben und E-Karts nutzen.

Von Christian Dusek. Erstellt am 27. November 2018 (04:25)
ÖVP-Gemeinderäte Thomas Imber, Anton Rauscher, Hans Zöhling, SPÖ-Gemeinderäte Gerhard Tschakert und Dieter Kornfeld vereint.
Dusek

Es herrscht seltene Einigkeit zwischen den Oppositionsparteien ÖVP und SPÖ – der Grund: Die Firma Marv GmbH plant zusätzlich zu der bestehenden Hallen-Kartbahn in Kottingbrunn den Betrieb einer teilweise auch im Außenbereich gelegenen Rennstrecke in der Marktgemeinde. Standort soll der Bereich hinter dem Autobahn-Rastplatz zwischen Matzendorf und Leobersdorf auf einer Fläche von 30.547 Quadratmetern sein. Der Platz wäre rund 500 Meter vom Heilsamen Brunnen gelegen, zum Ortsteil Wittmannsdorf misst die Distanz rund einen Kilometer.

Ein Grund für ÖVP-Obmann Hans Zöhling, gemeinsam mit der SPÖ auf die Barrikaden zu steigen: „Zuerst reden wir von Schutz vor Lärmbelastung, und dann stellt die Liste Zukunft eine Kartbahn direkt vor den Abschnitt der Autobahn, an dem eine Lärmschutzwand errichtet werden soll?“ Gemeinderat Gerhard Tschakert (SPÖ) ergänzt: „Die Marktgemeinde wird vollkommen unglaubwürdig mit all den Energiesparmaßnahmen, die in den vergangenen Jahren gesetzt worden sind“.

„Zuerst reden wir von Schutz vor Lärmbelastung, und dann stellt die Liste Zukunft eine Kartbahn direkt vor den Abschnitt der Autobahn, an dem eine Lärmschutzwand errichtet werden soll?"

Ein Dorn im Auge ist beiden auch die Nähe zum Heilsamen Brunnen: „Hier ist geplant, in Zukunft vermehrt Hochzeiten und ähnliche Feierlichkeiten abzuhalten. Und die finden für gewöhnlich am Wochenende statt, wenn die meisten Nutzer auf der Rennstrecke ihre Runden drehen“, poltert Zöhling. Es sei kein Nutzen für die Bevölkerung ersichtlich – deshalb streben die beiden Oppositionsparteien eine Volksbefragung zu dem Thema an.

Warum wenden sich die Beiden erst jetzt an die Öffentlichkeit? „Bisher wurden sämtliche Beratungen und Abstimmungen von der Partei Liste Zukunft in nicht öffentliche Sitzung verlagert, wohl um eine öffentliche Debatte zu verhindern. Seit 7. November liegen die Unterlagen und Pläne erstmals öffentlich auf der Gemeinde zur Einsicht auf. Aus diesem Grund können und werden wir jetzt erst die Bevölkerung informieren“.

Projekt-Enscheidung liegt beim Land NÖ

Der Marv GmbH-Geschäftsführer hat bereits mehrere Gutachten erstellen lassen, um die Unbedenklichkeit des Projekts bescheinigen zu können. „Entweder gehen der Opposition im Gemeinderat die Themen aus oder sie hat sich nicht ausreichend informiert. Hätte sie dies getan, so hätte leicht festgestellt werden können, dass hier mit Elektrocars gefahren werden soll. Daher geht die künstlich aufgebauschte Lärmdebatte ins Leere! Dazu kommt noch, dass einer der nunmehrigen Gegner des Projekts selbst das Areal erwerben wollte, die Aktion daher etwas durchsichtig ist“ so der Geschäftsführer der Projektwerberin.

Bürgermeister Andreas Ramharter (Liste Zukunft) kann die Aufruhr der Opposition ebenfalls nicht nachvollziehen: „Es handelt sich hier nicht um ein Projekt der Liste Zukunft, sondern um das Engagement eines Unternehmers. Wir setzen uns damit seriös auseinander – wenn eine Firma etwas in Leobersdorf machen möchte, ist es meine Pflicht, mich damit auch auseinanderzusetzen“.

Der Ball liege jetzt ohnehin beim Land: Die Umwidmung der Fläche kann nicht auf Gemeindeebene erfolgen, die entsprechenden Gutachten werden derzeit bei der Landesregierung geprüft. „ÖVP und SPÖ lassen lieber einen Projektwerber über die Klinge springen, um daraus politisches Kleingeld zu machen, anstatt sich mit dem Thema vernünftig auseinanderzusetzen“. Bis 19. Dezember liegen die Pläne auf der Gemeinde auf.

Umfrage beendet

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