Video belastete Auto-Rowdy. Kfz-Lenker drängelte auf dritter Autobahn-Spur und stoppte abrupt – Massenkarambolage. Eine Dashcam filmte die wilde Fahrt.

Von Brigitte Steinbock. Erstellt am 05. Mai 2021 (04:23)
Symbolbild
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„Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich Ihnen das glaube, was Sie da jetzt erzählen“, war die Reaktion des Richters auf die Ausführungen eines Angeklagten. Dem warf die Staatsanwaltschaft vor, dass er am 15. Juli ohne Grund auf der A 2 auf der dritten Spur stehen geblieben sei. Ergebnis: eine Massenkarambolage mit sechs Verletzten und sieben beschädigten Pkw, zwei davon ein Totalschaden. Außerdem wird dem Mann aus dem Bezirk Baden unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen, da er nach dem Unfall Fahrerflucht beging.

Bei der Polizei hatte der Mann noch angegeben, dass sein Auto plötzlich einen Motorschaden hatte. Vor Gericht erklärte er, dass er Schmerzen in Brust und Rücken gehabt habe und ihm sehr schlecht gewesen und er deshalb stehen geblieben sei.

Laut Staatsanwaltschaft kam es bei der Auffahrt Leobersdorf zu einer Drängelei zwischen dem Auto des Angeklagten und einem deutschen BMW. Dank einer Dashcam des bayrischen Lenkers konnte man den Fortgang der Situation genau auf einem Video im Gerichtssaal verfolgen. Der Film zeigt, wie der Angeklagte den Bayern am Überholen hindert, mehrfach halb die Spur wechselt und dann plötzlich stehen bleibt – auf der dritten Spur der Autobahn, die beiden anderen Fahrspuren waren von Lkw belegt. Danach sieht man den Angeklagten aussteigen und auf das Auto des Deutschen zukommen, bis ihm wohl auffällt, was passiert ist. Dann dreht er abrupt um, steigt wieder ins Auto und fährt weg.

Der Zeuge aus Deutschland vor Gericht: „Man sieht genau, als es krachte, ändert sich sein Blick und er dreht um.“ Bis dahin habe ihn der Mann mehrfach angehupt, habe heftig gestikuliert, sei viel zu nah aufgefahren und habe gefährlich und aggressiv gewirkt. „Ich hatte den Eindruck, dass er mir ins Auto fahren will.“

Wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung wurde der Mann zu drei Jahren Haft, davon ein Jahr unbedingt, verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Da der Angeklagte nicht erklären konnte, warum er mit starken Brustschmerzen nicht nur auf die A2 auffährt, sondern dann auch noch gleich auf die dritte Spur wechselt, wurde seiner Erklärung nur wenig Glauben geschenkt. Auch die nächste Version, dass er sich durch den BMW gefährdet fühlte und deshalb Herzschmerzen bekommen habe, wurde durch das Video widerlegt...