Baden/Weissenbach: 70 Jahre Leben als Vertreter

Erstellt am 18. Februar 2022 | 05:05
Lesezeit: 3 Min
Die NÖN begleitete Wolfgang Stiawa (84) bei seinem letzten Geschäftsbesuch.
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Zu „Maria Lichtmess“, 2. Februar, hatte Wolfgang Stiawa, seines Zeichens Handelsvertreter der Firma „Premi“ in Wien, einen schweren Gang. Um 14 Uhr dieses Tages drückte er die Türklinke des Eisenfachgeschäfts „Schumits“ in der Grabengasse 20 in Baden. Stiawa wurde vom Filialleiter Johann Gansfus sehnlichst erwartet, in Zeiten von Corona war der Kleinwarenbestand schon sehr geschrumpft.

Der Premi-Vertreter hatte hunderte von Kleineisenwaren in seinem Repertoire, die die Firma Schumits für ihre Kunden dringend benötigte. Seit fast 30 Jahren ist Stiawa mit Schumits geschäftlich verbunden „er kam alle zwei bis drei Wochen bei uns vorbei und betreute die Premi-Regale, ich brauchte mich um nichts kümmern. Wenn Stiawa nicht mehr kommt, wird es sehr, sehr schwierig werden“, sagt Filialleiter Gansfus, der sich jetzt eine neue Firma suchen muss, „wo ich hunderte Eisenkleinteile bekomme“.

Ein lange Berufsleben ging zu Ende

Um ca. 15.30 Uhr klappte Wolfgang Stiawa mit seinen 84 Jahren sein Auftragsbuch für immer zu, es war sein letzter Geschäftsbesuch, nach 70 Arbeitsjahren ging er nun in Pension.

Wolfgang Stiawa, ein echter Triestingtaler mit böhmischen Wurzeln, wurde in Baden am 5. August 1938 geboren und ist sein ganzes Leben in Weissenbach ansässig.

Er begann seine kaufmännische Laufbahn 1952 bei der Eisenhandlung Laurenz Hofbauer in Berndorf, vom 1. Jänner 1960 bis Jänner 2022 war er als Handelsvertreter unterwegs. Stiawa ist wahrscheinlich der einzige Handelsreisende, der nie ein Handy besaß, bzw. benutzte – „zu viel Technik, es geht auch so“ meint er. Besonders stolz ist der umtriebige Vertreter, dass 85 Prozent seiner angebotenen Produkte „Made in Austria“ sind.

Der Erfinder, Sportler und Museumsdirektor

Aber nicht nur als Handelsreisender schuf sich Stiawa einen großen Bekanntheitsgrad, die Erfindung von PVC-Skistocktellern bzw. Griffen gehen auf sein Konto, 1968 erdachte er für das Meidlinger Unfallspital „Geh-Stoppeln fürs Gipsbein“. In den 60er Jahren war Stiawa auch im Rad- und Laufsport eine lokale Persönlichkeit.

Aber sein größter Coup war die Gründung des Regionalmuseums Triestingtal in Weissenbach, wo er seit 1987 als ehrenamtlicher Museumsdirektor tätig ist „und das will ich bis zu meinem hundertsten Geburtstag bleiben, denn wer rastet, der rostet und ich habe noch so viel zu tun“, meint der agile 84-Jährige lächelnd, der gerade aus einem alten Kellergewölbe herauskroch, wo er „historisches Edel-Gerümpel“ für die Nachwelt rettete.

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