Neue Edelsberger-Zeiten in Baden. Kervin Vydelingum trotzt der Pandemie und erfüllte sich seinen Traum. Mit seinem Bruder Jaysen setzt er auf kreative Küche und aufregende Gerichte, viele davon vegan.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 02. Mai 2021 (04:23)
Die Brüder Vydelingum vor dem Restauranteingang.
Chiara Hammerer

Seit voriger Woche ist das Restaurant „Edelsberger – Kreative Küche“ in Baden weit im deutschsprachigen Raum bekannt. Grund dafür war der überraschende Besuch von TV-Starkoch Tim Mälzer und seiner Fernsehcrew, die im Zuge eines Drehs ganz in der Nähe auf das Takeaway-Angebot des neu übernommenen Badener Lokals aufmerksam gemacht wurden, die NÖN berichtete. Das Foto mit dem prominenten Gast ging um die Internet-Welt und Lokalchef Kervin Vydelingum freut sich auch Tage nach dem Besuch über das Lob von Mälzer über das Edelsberger-Essen.

„Tim Mälzer war wie ein alter Kumpel, er hat in die Küche geschaut und gefragt, was wir da so machen und woher die Zutaten kommen“, erinnert er sich. Das gute Feedback habe aufgebaut. „Das Lob hat uns die Bestätigung gegeben, dass unsere Linie nicht schlecht ist“, konstatiert Vydelingum.

Der aus Mauritius stammende Edelsberger-Chef, der mit 17 Jahren nach Wien kam, hat das Gasthaus im Vintage-Style im August des Vorjahres übernommen. „Ich wollte mich immer schon selbstständig machen“, erzählt Vydelingum, der zuvor viele Jahre lang im Service bei verschiedenen Lokalen gearbeitet hat. Geärgert habe ihn dabei nicht selten, dass den Leuten oftmals „die Liebe zum Essen fehlt“. Als Kellner musste er oft ausgleichen, wenn dem Koch etwas nicht so gut gelungen ist. Da spürte er den Wunsch, sich selbstständig zu machen, um seine eigene Linie zu fahren.

„Ich selber bin im Gastro-Umfeld aufgewachsen. In Mauritius hatten meine Großeltern eine Art Greißler-Imbiss, ich bin mit ihren Speisen aufgewachsen“, schildert er. Fasziniert sei er etwa von Omas Duftreis gewesen, dessen besonderes Aroma dadurch zustande kam, dass sie den Topf mit einer Art Mehlteig rundherum verschlossen hatte. „Es ist eine Kunst, gutes Essen zu machen“, weiß Kervin Vydelingum.

Jaysen und Kervin Vydelingum im kleinen Gastgarten des Restaurants Edelsberger. Sie laden ihre Gäste auf eine Reise durch die Küchentöpfe der Welt ein, vieles davon vegan.
Chiara Hammerer, Chiara Hammerer

Er könne sich keinen besseren Beruf vorstellen, als den Leuten ein glückliches Gefühl zu geben. „Die Menschen sind oft sehr gestresst, vieles geht zu schnell. Ich möchte ihnen die Zeit schenken, wo sie ein bisschen abschalten können und sich entspannen.“ Leidenschaft und Liebe seien Voraussetzungen, „ohne sie kann man es vergessen“, sagt Vydelingum. Dazu gehöre, die Gäste zu beschenken, wenn sie etwa zu lange auf ihr Essen gewartet haben.

Zuerst wollte er in Wien ein Lokal aufmachen, dazu kam es aber nicht. Dann war der Wunsch, in Salzburg etwas aufzubauen, aber auch das kam nicht zustande. Auf seiner Suche stieß er dann über willhaben.at auf das Restaurant Edelsberger in Baden, das zu verpachten war. „Ich habe die Bilder gesehen – und es war Liebe auf den ersten Blick!“, schwärmt Kervin Vydelingum. Auch der Preis habe gepasst. „Ich habe das Restaurant in schlafendem Zustand gesehen und wollte unbedingt trotz Corona meinen Traum erfüllen“, sagt er. Ein Fehler sei es rückblickend gewesen, nicht schon im November/Dezember des Vorjahres aufgemacht zu haben. Er hoffte auf das Öffnen der Gastro im Jänner, aber die Corona-Lage gab das nicht her. Nachdem die Gaststätten weiterhin im Lockdown waren, entschloss er sich, ab 15. Jänner auf Takeaway-Gerichte zu setzen.

Bio-Produkte aus der Region und Faire Trade

Gemeinsam mit seinem Bruder Jaysen, der nach 20 Jahren Tätigkeit als Koch in Belgien nun im Edelsberger in Baden kocht, setzt Kervin bei den Zutaten auf Regionalität, Bio-Qualität, Faire Trade sowie gerechte Tierhaltung. Dazu kommen Gewürze aus aller Welt. Ein Schwerpunkt liegt auf der veganen und vegetarischen Küche. Fast 60 Prozent der bestellten Speisen waren zuletzt vegan. Sein Bruder war anfangs skeptisch, hat aber nach drei Wochen seine Meinung geändert.

Auch bei der Verpackung wolle man neue Wege gehen und habe mittlerweile mit „Klarpac“ eine Firma gefunden, die umweltbewusste Verpackungen für die Essensmitnahme anfertigt. Damit sei „Restaurant-Essen im Streetfood-Style möglich“, freut sich Vydelingum. Das Resultat daraus spiegelt sich ab Mittwoch dieser Woche in der neuen Karte. Ansonsten freut sich das Edelsberger-Team bereits wieder auf das Ende des Lockdowns und die Lokalöffnungen, um die Menschen im direkten persönlichen Kontakt zu verwöhnen.