Mann (41) betrog Republik um über eine Million Euro. Ein Gastronom aus dem Bezirk Baden saß heute in Wiener Neustadt wegen schweren Betrugs vor Gericht. Er soll durch Vortäuschung falscher Liefermengen für Obst und Gemüse und Vorlage überhöhter Rechnungen von 2015 bis 2019 fälschlich über 1,1 Millionen Euro EU-Fördergelder bezogen haben. Er wurde zu zweieinhalb Jahren Haft (nicht rechtskräftig) verurteilt und muss das Geld zurückzahlen.

Von Red. Baden. Erstellt am 11. Mai 2021 (17:02)
Der angeklagte Gastronom hat neben der Firma, die die Schulbuffets betreibt, auch noch zwei GmbHs geführt - eine für Catering und eine für ein Restaurant.
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„Umfallen, aufstehen, weiter machen“ umschrieb der 41-jährige Unternehmer seine Zukunft nach seinem Prozess am Landesgericht Wiener Neustadt. Laut Staatsanwaltschaft soll der Mann 20 Schulbuffets in Wien und dem südlichen Niederösterreich betrieben haben. Durch Vortäuschung falscher Liefermengen für Obst und Gemüse und Vorlage überhöhter Rechnungen von 2015 bis 2019 soll er fälschlich über 1,175.000 Euro EU-Fördergelder bezogen haben. Er wurde wegen schwerem Betrug angezeigt.

Der Angeklagte hatte sich vom ersten Tag an schuldig bekannt, so sein Anwalt Norbert Wess: „Der Schadensbetrag ist enorm, das hat ihn selbst erschreckt!“ 

"Aus der Not heraus"

Der 41-Jährige gab an, mit den falschen Liefermengen an Schulobst und –gemüse begonnen zu haben, weil ich „immer schon Anfang des Schuljahres Obst liefern musste, bezahlt wurde von der AMA dafür aber erst im Februar.“ Auch hätten sich die Förderhöhen jedes Jahr vor Schulbeginn geändert, „man konnte mit nichts rechnen“. Die Richterin: „Es war also ein undankbares Geschäft, das Sie zum dankbaren Geschäft gemacht haben?" Der Unternehmer: „Ja, aber aus der Not heraus!“ Er habe sich zuerst nur die Vorfinanzierung der Schulobst- und -gemüselieferungen ersparen wollen. Später habe er mit den überhöhten Rechnungen seine drei Firmen am Laufen gehalten, Löhne und Lieferanten bezahlt.

Der Mann hat neben der Firma, die die Buffets betreibt, auch noch zwei GmbHs, eine für Catering und eine um „meinen Lebenstraum, ein eigenes Lokal“ zu betreiben. Das Restaurant hat er kurz vor Pandemie-Beginn 2019 aufgesperrt und dann gleich wieder schließen müssen. Jetzt hoffe er, das Lokal zu verkaufen, um so seine Bankschulden los zu werden und auch einen Teil des Schadens gutzumachen. ‚Und dann bleibt mir eh nur „hackeln, hackeln, hackeln, um den Rest zu zahlen.“ Er wurde zu zweieinhalb Jahren unbedingte Haft verurteilt und muss die 1,175.000 Euro der Republik Österreich zurückzahlen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.