Baden: Bei „Auszucker“ drei Freunde schwer verletzt. Ein 19-jähriger musste sich heute vor Gericht wegen mehrfacher absichtlicher Körperverletzung, Nötigung, Sachbeschädigung und Diebstahl verantworten. Der Beschuldigte hatte mitten in Baden in der Nacht auf den 21. Mai mit seinem Messer sechs Personen attackiert. Die Opfer waren 16 bis 63 Jahre alt.

Von Brigitte Steinbock. Erstellt am 30. September 2020 (16:36)
Der 19-jährige vor Prozessbeginn am Landesgericht Wiener Neustadt mit seinem Verteidiger Wolfgang Blaschitz.
Steinbock

„Ein unglaublicher Akt der Aggression und Gewalt brach über die Leute herein“, so die Meinung einer Opfervertreterin zu den Vorkommnissen von 20. auf 21. Mai im Kurpark Baden. 

Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte mit einem Ringmesser mit 4,8 Zentimetern Klingenlänge einem Freund, seiner Ex-Freundin und einem unbeteiligten Passanten Schläge versetzt haben, wodurch diese jeweils erhebliche Schnittwunden erlitten.

Zudem soll er einen weiteren Freund zu Boden geworfen und auf diesen eingetreten haben, sodass dieser eine Gehirnerschütterung und Prellungen erlitt. Außerdem soll er in Rage mit Fahrrädern um sich geschmissen und dabei ein Auto beschädigt haben und schlussendlich werden dem jungen Mann noch zwei Diebstähle in der Casino-Garage vorgeworfen.

Richterin: „Der Tatort sah aus wie ein Schlachtfeld.“

Der junge Mann erzählte vor Gericht, dass er sich am 20. Mai gegen 18 Uhr mit seiner Freundin und seinem besten Freund in den Kurpark begeben habe, wo sie Bekannte trafen. Es sei Bier und Wein getrunken worden und er habe zwei „Benzos“ (Benzodiazepin-Tabletten) genommen. Alles sei ok gewesen aber „als dann der Jägermeister geholt wurde, war es aus.“

„Ich erinnere mich an den Streit mit einem, wir haben uns geschlagen“, dann wisse er nichts mehr bis 3.30 Uhr, wo er bei der Polizei einvernommen wurde. Dort habe er seine blutigen Schuhe gesehen. Die Richterin: „Der Tatort sah aus wie ein Schlachtfeld.“

Laut Zeugen hat der 19-jährige dem Streitgegner in die Brust gestochen, hat dann seine Freundin weggezerrt und der beste Freund sei ihnen gefolgt. Die beiden wollten weglaufen, der Angeklagte holte sie aber ein und schlug den Freund zusammen. Seiner Freundin stach er mit dem Messer mehrmals in den Rücken. Unbeteiligte Personen, die vorbei kamen, konnten die Situation beruhigen, aber bei einem nochmaligen Zusammentreffen kam es zum nächsten Zusammenstoß. Der Angeklagte habe geschrien, gestoßen und mit Fahrrädern um sich geworfen, wollte auf einen Mann hin stechen und verletzte dessen Bruder schwer an der Hand, als der dazwischen ging.

Prozess auf 12. November vertagt

Laut Staatsanwaltschaft wurde ein psychiatrisches Gutachten eingeholt, das den Angeklagten als zurechnungsfähig zum Tatzeitpunkt erklärt. Der Mann selbst kann sich den „Auszucker“ nicht so recht erklären, musste vor Gericht allerdings zugeben, dass er schon früher Probleme wegen Aggressionen hatte.

Zwei Opfer konnten am Mittwoch nicht aussagen: Eines ist an einem „Cocktail“ aus Alkohol und Benzodiazepin Anfang September verstorben, das andere landete deshalb am selben Tag im Spital und ist derzeit auf Therapie. Der Prozess wurde auf 12. November vertagt.