Bezirk Baden: Die Trauer zur Sprache bringen

Erstellt am 21. Februar 2022 | 05:50
Lesezeit: 5 Min
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Trauerrednerin Diana Albu-Lisson im Badener Kurpark, in dem Ende Jänner noch Schnee lag.
Foto: Jandrinitsch
Diana Albu-Lisson ist Trauerrednerin. Sie erzählt, wie sie ihre Berufung lebt.
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Der Helenenfriedhof in Baden verbreitet ein eigenes Flair. Monumentale Grabmale vermitteln das Gefühl, wieder in der Kaiserzeit zu sein, davon zeugen die Namen von Grafen und Prinzessinnen, die in St. Helena ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Die Gräber der historischen Persönlichkeiten findet auch Trauerrednerin Diana Albu-Lisson sehr interessant. „Hier ist auch Franz Sacher, der Erfinder der Sachertorte beerdigt“, weiß Albu-Lisson, die aus dem Bezirk Neunkirchen stammt. „Als Trauerrednerin bin ich in den Bundesländern Niederösterreich, Wien, dem Burgenland und der Steiermark unterwegs. Hier in Baden werde ich oft auf der Straße angesprochen, ich freue mich, dass mich die Menschen wiedererkennen, auch wenn der letzte Ort unserer Begegnung eine Beerdigung gewesen ist.“

Den Wunsch, als Trauerrednerin zu arbeiten, hatte Albu-Lisson schon länger. Vor zehn Jahren tat sie den entscheidenden Schritt, sie kündigte ihre fixe Stellung im Bundesministerium für Landesverteidigung und begann, ihren neuen Beruf in die Realität umzusetzen.

„Ich habe von Anfang an selbstständig gearbeitet, ohne Agentur im Hintergrund. Ich bin auch Organistin in einer Pfarre und habe daher viel mit kirchlichen Zeremonien zu tun, das Reden vor vielen Menschen war mir aus beruflichen Gründen nicht fremd. Daher konnte ich an meine neue Aufgabe so herangehen, wie ich es für richtig gehalten habe. Ich bin einfach zu den Bestattungsunternehmen in meiner Nähe gegangen und habe gesagt, ich würde gerne Trauerreden halten. Und das habe ich dann auch getan.“

Warum Angehörige einen Trauerredner oder eine Trauerrednerin engagieren, hat mannigfaltige Gründe. „Es gibt Verstorbene, die aus der Kirche ausgetreten sind und schon zu Lebzeiten den Wunsch geäußert haben, von einer Rednerin/einem Redner beerdigt zu werden. Denn oft ist es ja nicht nur die Trauerrede, ich führe die gesamte Beerdigung durch. Dann gibt es Angehörige, die sich einen Redner wünschen. Manchmal gibt es auch den Wunsch, dass ich mit einem Priester kooperiere“, erläutert Albu-Lisson, die von manchen Menschen auch schon für „einen weiblichen Diakon“ gehalten wurde.

Das Geschlecht hat keinen Einfluss auf Tätigkeit

Dass sie eine Frau ist, habe fast nie jemanden gestört. „Ich habe es in diesen zehn Jahren nur einmal erlebt, dass Familien gesagt haben, wir wollen nur einen Mann. Es stand dann aber kein Redner zur Verfügung, also habe ich es gemacht. Seit dem bin ich für eine dieser Familien die Haus- und Hofrednerin geworden.“ Als Trauerrednerin sei ihr bewusst, dass sich die Angehörigen „in einer emotionalen Ausnahmesituation befinden. Es geht darum, auf jede Trauerfamilie individuell einzugehen, mit den Hinterbliebenen vertrauensvoll zu sprechen. Wie lange soll die Rede dauern, was an Schicksalsschlägen und Tragödien, die ein Mensch erlebt hat, ist für die Öffentlichkeit bestimmt, was nicht? Das alles kläre ich im Vorfeld ab.“

Dabei komme auch vieles, was die Hinterbliebenen bewege, zur Sprache. Albu-Lisson ist es wichtig, „dass sich die Menschen verstanden und gut aufgehoben fühlen.“

„Jede Rede muss würdevoll und pietätvoll sein“

10 bis 15 Beerdigungen führt sie in einer starken Woche durch. Die Pandemie habe ihre Arbeit nur unwesentlich beeinflusst. „Jede Rede muss würdevoll und pietätvoll sein, der Verstorbene steht immer im Mittelpunkt der Zeremonie.“ Besonders herausfordernd ist es, wenn ein junger Mensch stirbt.

Albu-Lisson hat im Jänner eine Sechsjährige verabschiedet, die auf den Gleisen unter einem Zug mit ihrem Vater sterben musste. Was ihr dabei hilft, in so einer Situation die Haltung zu bewahren? „Viele Bekannte haben mich schon im Vorfeld dieses Begräbnisses kontaktiert und mir für diese Beerdigung alles Gute gewünscht. Das hat mir viel Kraft gegeben“, erzählt Albu-Lisson. Kraft schöpft sie auch aus ihrem persönlichen Glauben.

Sie meint: „Ich bin der Überzeugung, dass das Mädchen jetzt bei Gott ist und dass ihm an nichts mangelt.“ Sie merkt an: „Schönheit, Prestige, tolle Urlaube, das steht für viele Menschen im Vordergrund. Doch die Konstanten im Leben schauen anders aus. Ein nettes Beisammensein mit Freunden gibt mir mehr als ein Shopping-Nachmittag.“

Was empfiehlt sie Angehörigen, die sich dazu entschieden haben eine Rednerin, einen Redner zu engagieren?

„Man muss sich vorher informieren, was kann der Redner, wo liegen die Vorzüge, wie spricht er oder sie, wie ist die Stimmlage. Darum habe ich auf meiner Homepage mehrere Hörproben und Videos. Die grundsätzliche Frage ist, erfüllt die Person das, was ich mir für meinen verstorbenen Angehörigen vorstelle?“, sagt Albu-Lisson. Trauerreden müssen Trauergäste aber nicht immer zum Weinen bringen. „Schmunzeln ist erlaubt“, sagt Albu-Lisson. „Manche Erinnerung zaubert einfach ein Lächeln auf die Lippen, und das ist bei einer Trauerfeier durchaus legitim.“

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