Wirtsleute trotzen der Coronakrise. Alexandra Köck & Heinrich Guzvan eröffnen das vor 100 Jahren gegründete Gasthaus Hietz neu. Drei-Hauben-Lokal „Rosenbauch‘s“ behält Abholdienst nach Öffnung bei.

Von Thomas Lenger. Erstellt am 13. Mai 2020 (05:19)
Alexandra Köck und Heinrich Guzvan mit Helmut Hietz vor dem traditionsreichen Mitterndorfer Gasthaus, in dem bald wieder frischer Wind wehen wird.
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Wenn am Freitag die Gastronomie nach dem „Shutdown“ wieder aufsperrt, eröffnet im Herzen von Mitterndorf ein Traditionsbetrieb wieder neu. Das 1919 gegründete Gasthaus Hietz sperrt nach mehreren Jahren Unterbrechung mit neuen Pächtern auf.

Alexandra Köck (40) und ihr Partner Heinrich Guzvan (38) eröffnen das vor 100 Jahren gegründete Wirtshaus neu. Die beiden Wiener suchten bereits seit einigen Jahren ein Pachtlokal und wollten eigentlich Anfang April aufsperren. Doch dann kamen die Maßnahmen der Bundesregierung und die Schließung der Gastronomie.

„Wir hatten schon seit Langem den Traum, ein eigenes Lokal zu führen. Als wir hierher kamen und uns den Betrieb anschauten, wussten wir sofort, dass dies der richtige Platz ist“, sagt Heinrich Guzvan, der in der Küche am Herd stehen wird.

Auch der 93-jährige ehemalige Wirt Helmut Hietz freut sich über die jungen Pächter: „Es ist schön, dass wieder Leben ins Haus kommt“, sagt der Verpächter, der einst die erste Diskothek Niederösterreichs in dem Wirtshaus beherbergte.

Die jungen Gastronomen wollen vor allem auf regionale, österreichische Küche setzen. „Auf der Speisekarte finden sich natürlich alle traditionellen Gerichte wieder sowie saisonale Schmankerln auf unserer Wochenkarte“, erläuter Küchenchef Guzvan.

Natürlich seien die neuen Richtlinien in der Corona-Krise eine gewisse Herausforderung. „Wir werden überall Desinfektionsmittel aufstellen, einen Mundschutz tragen und die Tische entsprechend aufstellen“, sagt Alexandra Köck. „Wenn es möglich ist, werde ich aber ein Plexiglasvisier tragen, damit man sieht, wenn ich lächle“, schmunzelt die junge Gastronomin. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen freuen sich die beiden Unternehmer auf ihre Eröffnung und gehen positiv in die Zukunft. Auch der Mitterndorfer Bürgermeister Thomas Jechne (SPÖ) ist hochzufrieden: „Wir freuen uns, dass dieser Traditionsbetrieb wieder mit Leben erfüllt wird und wir heißen die neuen Gastronomen herzlich willkommen“.

Auch die Rosenbauchs freuen sich über Öffnung

Ebenfalls wiedereröffnen wird am 15. Mai das einzige 3-Hauben-Lokal im Bezirk – und zwar das „Rosenbauch`s“ der Gebrüder Karl und Franz Rosenbauch in Ebreichsdorf. „Wir haben während der letzten Woche täglich Mittagsmenüs zum Abholen um zehn Euro angeboten und kleine traditionelle Schmankerl sowie abends Tapas vom Josper Grill“, sagt Service-Chef Karl Rosenbauch. Diesen Weg wollen die Rosenbauchs auch nach der Wiedereröffnung weiter gehen. „Wir haben so große Nachfrage, dass wir auch künftig das Menü zum Abholen anbieten werden“, sagt 3-Hauben Koch Franz Rosenbauch. Im Lokal selbst werde aber künftig etwas weniger Platz für die Gäste zur Verfügung stehen.

Auch Karl und Franz Rosenbauch sind schon voll Tatendrang und freuen sich sichtlich über die Wiedereröffnung ihres Betriebes.
Thomas Lenger

Viele Hochzeiten und Feiern wurden storniert und können nicht stattfinden, was für einen massiven Umsatzrückgang sorge. Daher will man sich künftig breiter aufstellen und auch teilweise neue Wege gehen. „Wir haben uns in den letzten Wochen viele Gedanken über unsere Zukunft und die Zukunft der Gastronomie gemacht. Ich glaube, dass ein großer Umdenkprozess in der gesamten Gastro-Szene stattfindet und die Frage ist, ob es wirklich der richtige Weg ist, dass alles immer größer, schneller und härter wird oder ob wir uns nicht auf das wesentliche besinnen sollten“, sagt ein nachdenklicher Karl Rosenbauch über die Zukunft der Gastronomie.

Sowohl die Mitterndorfer Newcomer, als auch die Spitzengastronomen aus Ebreichsdorf sind jedenfalls froh, dass sie endlich wieder aufsperren dürfen. Trotz der neuen Rahmenbedingungen sind die Gastronomen positiv gestimmt, wollen das Beste aus der Situation machen und freuen sich, endlich wieder für ihre Gäste da zu sein.

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