Radio sendet aus dem Helenental. Marion Zib-Rolzhauser und ihr Vater Erich Zib pflegen die Tradition des Wienerlieds. Dabei sind beide aktive Musiker.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 13. Januar 2021 (03:32)
440_0008_8006608_bad02bad_marion_geschaeftsshooting_4392.jpg
Verlags- und Sendechefin Marion Zib-Rolzhauser vor Radio Wienerlied im Helenental.
Reisinger

Ein kleines Wegerl im Helenental führt unter anderem zur Krainerhütte. Hier befindet sich nicht nur eine Gaststätte samt Hotel, sondern auch der Musikverlag von Radio Wienerlied, betrieben von Marion Zib-Rolzhauser und ihrem Vater Erich Zib. Das ist kein Zufall, denn gerade hier im Süden von Wien war das Wienerlied jahrzehntelang nicht aus den Heurigenlokalen wegzudenken.

„Mein Vater spielt nun mittlerweile seit 52 Jahren Knopfharmonika, begonnen hat er mit Auftritten bei Gumpoldskirchner Heurigen“, erzählt Zib-Rolzhauser, die heute im Helenental lebt und deren Familie aus Wien-Favoriten stammt. Die Wienerlied-Interpreten lebten von der Mundpropaganda, so wie ihr Großvater, der ein Meister im Gstanzlsingen war. „Er hat diese Reime aus dem Ärmel schütteln können, einfach so, zu jeder Situation passend. Zu Corona wären ihm sicher einiges eingefallen“, ist sich Zib-Rolzhauser sicher.

Es gibt Wienerlieder für jede Lebenslage.“ Marion Zib-Rolzhauser, Radio Wienerlied

Doch diese Tradition ist im Süden Wiens verebbt, genauso wie das Wienerlied einen schweren Stand in der Musiklandschaft hat. Deshalb war es für die beiden Wienerlied-Musikinterpreten naheliegend, selbst die Initiative zu ergreifen, einen Musikverlag zu gründen und mit dem Radiosender auf www.radiowienerlied.at dazu beizutragen, eine Tradition zu bewahren und Wienerlied-Interpreten eine passende Bühne zu bieten.

„Wir haben Fans auf der ganzen Welt“, erzählt Zib-Rolzhauser mit Freude. Denn ein Wermutstropfen ist: „Einen Kontakt zum ORF herzustellen, ist uns bis heute nicht gelungen. Die Lieder würden nicht in das Sendeschema passen“, berichtet die Verlags-Chefin.

Sie vermutet, dass dem Wienerlied immer noch ein schlechtes Image anhaften würde, die Lieder wären zu düster oder melancholisch, was aber überhaupt nicht stimmt. „Es gibt Wienerlieder für jede Lebenslage. Und wenn man sich die Texte so mancher Wienerlieder anhört, dann glaubt man, diese sind passend zur aktuellen Situation geschrieben worden“, erläutert Zib-Rolzhauser.

Tochter und Vater musizieren selbst, Marion Zib-Rolzhauser spielt Knopfharmonika und Kontragitarre, „das ist die komische Gitarre mit den zwei Hälsen“, erläutert sie. Sehr gerne würde sie dies mit Vater Erich auch in Heurigenbetrieben tun.

„Früher war ein Buschenschank ohne passende Musik gar nicht denkbar. Wir haben damit begonnen, das Wienerlied wieder zu den Heurigen zu bringen, auch wenn das nicht so einfach und selbstverständlich ist, wie es klingt“, erzählt Zib-Rolzhauser.

Einer, der die Tradition des Wienerlieds in seinem Betrieb begeistert aufgenommen hat, ist der Heurigenbetrieb von Fritz Taufratzhofer in Mödling.

„Hier hatten wir vor Corona wirklich eine sehr gelungene Veranstaltungsreihe, nur hat uns die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht“, bedauert die Musikerin, die hofft, diese Musikreihe bald wieder aufnehmen zu können.