Mutter kämpft um Sofia

Erstellt am 17. Juni 2013 | 00:00
Lesezeit: 3 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_5491076_bad25ed_triesmutter_3spalt_bittebilddes.jpg
Foto: NOEN, DIETMAR HOLZINGER
Sorgerecht / Weil ihre sechsjährige Tochter dem Vater in Italien zugesprochen wurde, setzt Doris Povse aus St. Veit alle Hebel in Bewegung: „Ein Albtraum!“
Werbung
Von Elfi Holzinger

ST. VEIT / Niemand würde hinter der idyllischen Reihenhausanlage in St. Veit ein Drama vermuten. Fährt man in die kleine Seitengasse, um zur Familie von Doris Povse zu gelangen, sieht man friedlich spielende Kinder im Hof. Eines dieser Kinder ist die kleine 6 1/2jährige Sofia. Sie soll bis 7. Juli, 19 Uhr, ihrem italienischen Vater übergeben werden, andernfalls von einem Gerichtsvollzieher und der Polizei abgeholt werden.

Alles begann so schön und endete in einem hässlichen Rechtsstreit um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Sofia. Ihre Mutter zog aus beruflichen Gründen nach Italien und lernte dort ihren späteren Lebensgefährten und Sofias Vater kennen. Bald soll er sich nach Angaben der Mutter als gewalttätig entpuppt haben, auch der damals 14 Monate alten Sofia gegenüber. Es habe auch Todesdrohungen gegeben, behauptet Povse. Sie erstattete Anzeige in Italien und nahm Sofia 2008 zu ihren Eltern in die Steiermark mit. Das letzte Mal nahm der Vater sein beaufsichtigtes Besuchsrecht 2009 wahr. „Seitdem hat er keinerlei Interesse an Sofia gezeigt“, sagt die Triestingtalerin. Stattdessen leitete er in Italien ein Sorgerechtsverfahren ein. Sofia wurde ihm von einem italienischen Gericht zugesprochen. Nach geltendem EU-Recht muss jetzt das österreichische Gericht als „ausführendes Organ“ für die Übergabe sorgen. Es könnte allerdings die Modalitäten bestimmen, etwa dem Vater auftragen, das Kind einmal kennen zu lernen, bevor er es mitnimmt. „Das habe ich beantragt“, erklärt die Mutter. Doch das Landesgericht Wr. Neustadt lehnte ab.

Seitdem durchleben die Mutter und ihr jetziger Lebensgefährte Raimund Schöffl „einen wahren Albtraum. Wir versuchen alles, um unsere kleine Tochter nicht an den gewaltbereiten Vater auszuliefern.“ Unterschriften werden gesammelt, Politiker werden kontaktiert, ein kleines Vermögen für Anwaltskosten ausgegeben: „Nichts und niemand konnte oder wollte helfen.“ Am Mittwoch wird die Kindesentziehung von 2008 in Italien verhandelt: Der Mutter drohen eineinhalb Jahre Haft und 300.000 Euro „Schmerzensgeld“, zahlbar an den Kindesvater.

Der Lebensgefährte der Mutter, Raimund Schöffl, kämpft mit ihr um den kleinen Blondschopf: „Sofia spricht weder die Sprache, noch kennt sie dort irgend jemanden. Sie soll aus ihrem wohlbehüteten Heim herausgerissen werden und wir haben nur die Wahl, sie ins Verderben zu schicken, oder hier alles aufzugeben und mit ihr mitzukommen. Wir sind verzweifelt.“

Die einzige Möglichkeit sieht Doris Povse noch beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wo sie Beschwerde eingelegt hat.

Im Tal ist die Unterstützung groß. Viele haben schon für Sofias Verbleib in St. Veit unterschrieben. Die Liste liegt u.a. in Berndorf bei der Sparkasse, in der Fetzenkammer, bei Kral, Triumph und der Apotheke, in St. Veit bei Traude Krampert, Volksbank und Billa auf.

Werbung