Baden trauert um Hans Krebitz. Altbürgermeister August Breininger würdigt den Badener Kulturschaffenden.

Von Red. Baden. Erstellt am 30. April 2021 (05:12)
Hans Krebitz, letzter lebender Co-Architekt des Großen Festspielhauses Salzburg verstarb mit 85 Jahren.
Hilfsgemeinschaft, Hilfsgemeinschaft

Seit 1997 wohnte er in seinem selbsterbauten Haus in der Badener Germergasse mit Gattin Katharina, einigen seiner drei Kinder und all seinen vielen künstlerischen Ambitionen: dem Zeichnen, Malen und Bücherschreiben und der Architektur. Die damalige Kulturamtsleiterin Christine Kranl brachte ihn ins Bürgermeisteramt mit dem Angebot, dass Architekt Krebitz unentgeltlich für Ausstellungen und Kulturarbeiten beratend zur Verfügung stünde.

Ohne zu wissen, welche Kapazität sich hinter seiner bescheidenen Persönlichkeit verbarg, nahm ich die Hilfestellungen dankbar an. Als 2020 zu seinem 85. Geburtstag sein Porträt in den Tageszeitungen erschien, rief ich ihn 23 Jahre nach unserem Kontakt einfach an, um mich nach seinem Befinden zu erkundigen. Er leide unter etlichen Polytraumatas und vor allem unter akuter Makuladegenreration, was fast zur Erblindung führte und ihn an seiner täglichen Zeichen-und Maltätigkeit stark behinderte.

Trotzdem berichtet die Witwe von stundenlangem Zeichnen in greller Sonne bis zur Brandblasenbildung. Nun ist er im 86. Lebenjahr still im Kreis seiner Familie nach einem Herzinfarkt heimgegangen.

1935 in St.Veit/Kärnten geboren, wurde er mit 23 Jahren als Akademiestudent von Clemens Holzmeister ins Planungsteam des Großen Salzburger Festspielhauses berufen und war als Bühnenbildner der ersten Jedermann-Aufführungen nach dem Krieg mit dabei. „Die ganze Stadt war Bühne“, erinnerte er sich. Auch an seine Kooperation mit Herbert von Karajan und an die Konzeptionen der Simultanbühnen mit steilen Zuschauertribünen nach antikem Vorbild. Karajan wählte sein Akustik-Modell mit Holz und nicht die anderen internationalen Vorschläge.

Aus der Vielzahl der weltweiten Werke von Hans Krebitz seien hier nur einige genannt: Das Kurzentrum Bad Deutsch Altenburg 1970, das Bühnenbild für „Aida“ mit Domingo in Luxor 1987, die Pläne für die neue Oper Kairo (wegen des Sadat-Attentats nicht verwirklicht), acht Krankenhäuser im Iran, 3.000 Aquarelle und Bilder, mehrere Bücher wie „Ein Architekt sieht die Welt“ und viele andere.

Am 30. April werden wir Abschied nehmen am Badener Stadtpfarrfriedhof von diesem bescheidenen und zu Lebzeiten viel zu wenig gewürdigten Wahlbadener Mitbürger.

Seine Asche soll später in seiner Heimat Kärnten bestattet werden. Die Kulturgeschichte Badens sollte ihn aber nicht vergessen.