Badens Vizebürgermeister a.D. mit 78 verstorben. Julius Böheimer, Sozialdemokrat und Betriebsrat in der Semperit, erlag seinem langen Leiden. Ein Nachruf über Parteigrenzen hinweg von August Breininger.

Von Red. Baden. Erstellt am 09. Juni 2021 (12:47)
Auch über den grünen Markt spazierte Julius Böheimer gerne.
Andreas Fussi

In der Nacht vom 1. auf 2. Juni hat Vizebürgermeister a.D. Professor Julius Böheimer nach langem, oft schon bezwungen geglaubtem Leiden im 79. Lebensjahr seine Familie und seine geliebte Heimatstadt verlassen. Um ihn trauern seine Gattin Monika, Sohn Markus, Schwiegertochter Dagmar und viele Menschen, die ihm persönlich und über ideologische Grenzen hinweg nahestanden.

Sein vor seiner Geburt verstorbener Vater aus alteingesessener Badener Familie vom Wenzelspitz war als Gärtner im Julienhof beschäftigt, seine Mutter war gebürtige Kärntnerin aus Villach. Beide kamen aus einfachsten Verhältnissen und mit viel Unterstützung von Freunden wurde dem bildungshungrigen Sohn ein Motto auf die Lebensreise mitgegeben, das er nie vergessen und stets gelebt hat: Der Mensch zählt - vor Herkunft, Titel und Weltanschauung!

Mit eisernem Willen strebte er nach Bildung und Wissen für seine Berufslaufbahn und für seine vielfältigen öffentlichen Funktionen, die ihn über die Matura zum Ingenieur in der für den Raum Baden so bedeutenden „Semperit“ führte.

Am 23.12.1974 wurde er auch wegen seines steten Engagements für seine Mitmenschen und seine Heimatstadt von der SPÖ in den Badener Gemeinderat entsandt, wo er bis zum Stadtrat und Vizebürgermeister aufstieg. Auf seine Anregung verwirklichte der Gemeinderat etwa die Neuaufstellung aller Straßentafeln mit historischer Legende und den Ankauf der ehemaligen Oetker-Fabrik.

Zwei Bücher über die Stadt Baden verfasst

1996 erhielt er den Berufstitel "Professor", 1997 erschien seine  wertvolle Lokaltopographie "Strassen und Gassen in Baden bei Wien" und 2001 die "Vereine von Baden bei Wien". Den Auf- und Abstieg seiner Semperit beschrieb er als leitender Mitarbeiter und Personalvertreter in seinem Buch "Ohne jede Chance - der Fall Semperit" (2003).

Parallel dazu wirkte er für die Gemeinschaft über Jahrzehnte - auch als Obmann - für den Zivilschutzverein, den Tierschutzverein, die Urania, im ÖGB-Chor, im Kirchenchor St. Stephan  und vielen anderen Vereinen mit.

Seine besondere Leidenschaft aber galt dem weltweiten Reisen mit seiner Familie und auch in Gruppen zu den schönsten Zielen der Erde. Seine Reise endete nun an seinem liebsten Ziel, seiner Heimatstadt Baden.

Wenn wir uns in der Mühlgasse begegneten, sprachen wir oft vom Motto unserer Eltern, das sie uns über Parteigrenzen mitgegeben haben: Es zählt der Mensch! Julius wird uns fehlen.

Die feierliche Urnenbeisetzung findet voraussichtlich am Freitag,  18. Juni, am Helenenfriedhof statt.