Bezirk Baden: In Gärten wächst Gemeinwohl

Immer mehr Gemeinden besinnen sich auf ökologische Gestaltung ihrer Grünflächen.

Erstellt am 07. Oktober 2020 | 05:40
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Foto: NOEN

Die Stadt Baden arbeitet seit etwa einem Jahrzehnt nach den Kriterien der „Natur im Garten“-Bewegung. Zu den wichtigsten zählt der Verzicht auf Torf, chemisch-synthetische Mineraldünger und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Anfangs waren es einzelne Projekte, seit 2018 zählt Baden gesamt zu den „Natur im Garten“-Gemeinden.

Neben dem Verzicht auf die genannten Mittel bedeutet das, dass die Planung und Entwicklung der Grünflächen ökologischen Maßstäben folgt. Das umfasst nicht nur Parkanlagen, sondern auch Beete im innerstädtischen Bereich. Es ist eine bewusste Entscheidung der Stadt, die längerfristig auch dem Allgemeinwohl dient. Die ökologische Grünraumpflege ist keine „gmahte Wiesn“, wie der Landschaftsarchitekt und Stadtgartendirektor-Stellvertreter Andreas Kastinger betont. Statt Chemikalien werde Unkraut auf mechanischem Weg mit Bürsten, mit thermischen Mitteln wie Heißwasser und Flämmgeräten oder mit „Natur im Garten“-zertifizierten Mitteln bekämpft.

Diese Methoden würden mehr Personal- und Geräteeinsatz erfordern, seien aber unerlässlich, um Boden und Grundwasser nicht länger mit giftigen Substanzen zu belasten, erklärt Kastinger. Der Aufwand kann teilweise an anderer Stelle kompensiert werden. Etwa mit dem Umstieg von Wechselblumenbeeten auf dauerhaftere Beete, in denen Stauden oder Gräser wachsen. „Diese sind optisch ansprechend und haben keinen permanenten Pflegebedarf“, erklärt der Stadtgartendirektor-Stellvertreter. Dauerhafte Beete würden zudem länger blühen und könnten dadurch auch von Insekten besser genutzt werden.

„Insgesamt ist mein Bestreben zu zeigen, dass man mit ökologischen, naturnahen Mitteln hohe Gestaltungsqualität erreicht kann. Wir müssen dazulernen und auch unsere Seh- und Betrachtungsgewohnheiten umstellen. Den hohen Energieaufwand von klassischen Beeten werden wir auf lange Zeit nicht decken können“, erklärt Kastinger. Wie bei der Ökologisierung anderer Lebensbereiche gehe es bei der naturnahen Grünraumgestaltung in Städten letztlich ums Allgemeinwohl. Die Voraussetzung für längerfristigen Erfolg sei strategische Planung, die konkrete Zielen folgt, und Kosten und Nutzen in Verhältnis setzt, betont Kastinger.

Ökologische Initiative wächst im Bezirk Baden

Wie in vielen Gemeinden im Bezirk Baden ist „Natur im Garten“ auch den Hernsteinern schon ein Begriff. „In der Gemeinde beteiligen sich viele Familien und Haushalte an der Aktion. Auch die Verschönerungsvereine im gesamten Gemeindegebiet pflegen die öffentlichen Flächen nach den ‚Natur im Garten’-Grundsätzen“ berichtet Bürgermeisterin Michaela Schneidhofer (ÖVP). Eine Bereicherung für die Marktgemeinde Hernstein seien auch die Informationsangebote der von „Natur im Garten“.

Ebreichsdorf ist seit kurzem „Natur im Garten“-Gemeinde, worüber sich auch Bürgermeister Wolfgang Kocevar (SPÖ) sehr freut. „Als Natur im Garten Gemeinde bekennen wir uns zur ökologischen Bewirtschaftung unserer Grünräume“, erklärt der Stadtchef. Ebenso freut sich die seit kurzem im Amt befindliche Umweltstadträtin Maria Theresia Melchior (Grünen) über diesen Schritt. „Wir haben viele Projekte in den kommenden Monaten vor und planen auch zahlreiche Aktionen“, berichtet die Stadträtin.

Umweltgemeinderätin Birgit Jung (Grünen) erklärt die geplanten Maßnahmen und Aktionen: „Als ersten Schritt haben wir in allen vier Ortsteilen Grünflächen besichtigt, welche sich als Blumenwiesen eignen. Diese werden jetzt mit Schildern gekennzeichnet und somit können wir einen sehr guten Beitrag zum Insektenschutz leisten und gleichzeitig den Bauhof entlasten.“ Weiters ist die Verleihung der Natur im Garten Plankette sowie zahlreiche Natur im Garten Veranstaltungen geplant.

Covid-19-Krise sorgt für Verzögerungen

„Auf Grunde der Covid-Krise können wir geplante Informationsveranstaltungen erst im kommenden Jahr durchführen“, erzählt die Umweltgemeinderätin. Bereits begonnen wurde jedoch mit der Schulung der Bauhofmitarbeit für die Günraumpflege.

„Wir bemühen uns gerade ‚Natur im Garten‘-Gemeinde zu werden“, berichtet Pottensteins Bürgermeister Daniel Pongratz (SPÖ). In zwei Wochen habe die Gemeinde den ersten Begehungs- und Beratungstermin. „Mir ist Nachhaltigkeit, Insektenschutz und pestizidfreie Unkrautbekämpfung wichtig. Im eigenen Garten und somit natürlich auch auf allen öffentlichen Flächen, wie Friedhof, Rabatte und Parks“, betont Pongratz. „Natur im Garten“ unterstütze mit deren Expertise.

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