Unsicherheit bei Krediten steigt auch im Bezirk Baden

Erstellt am 16. August 2022 | 20:00
Lesezeit: 4 Min
Verschärfte Kreditvergabe macht sich bei Immobilienfirmen bemerkbar. Größere Hürden nun für Jungfamilien.
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Gar kein gutes Haar an den neuen Kreditregeln lässt Leobersdorfs Bürgermeister Andreas Ramharter (Liste Zukunft). Wörtlich spricht er von einem „totalen Schwachsinn“. Das Gesetz würde den Eigentumserwerb von jungen Menschen „dramatisch erschweren“, meint Ramharter, der auch Geschäftsführer der Prisma Liegenschafts GmbH ist. Auf der Gemeinde hätte er bislang noch keine negativen Auswirkungen bemerkt und Firmen seien von den neuen Regeln nicht betroffen. Ramharter kann den Beweggrund zur Gesetzesentscheidung nicht nachvollziehen. „Die Banken haben sich ihre Kreditvergaben früher schon überlegt“, ist er sicher. Die neue Regelung sei für ihn eine „Überregulierung, die keinen Mehrwert bietet.“

„Es ist kaum vorstellbar, dass derzeit junge Leute bauen können.“

Hannes Götz, ÖVP Vizebürgermeister aus Klausen-Leopoldsdorf, sagt, Baugründe seien kaum zu bekommen und wenn, zu teuer. „Es ist kaum vorstellbar, dass derzeit junge Leute bauen können.“ Auch in Heiligenkreuz sind laut ÖVP-Bürgermeister Franz Winter Baugründe rar, zurückgegeben werde nichts. Wie sich die neue Kreditregelung auswirkt, könne er nicht beurteilen, man müsse die Entwicklung beobachten.

Infolge der gestiegenen Quadratmeterpreise 2020/2021 und des aktuellen Zinsanstieges sei die Finanzierung eines Eigenheimes für viele Kunden sehr schwierig geworden, weiß Immobilienmaklerin Ulrike List, Geschäftsführende Eigentümerin von Friends Immobilien. Österreich liege im Europavergleich mit an der Spitze der Kaufpreise. Die Unsicherheit rund um die neue Regelung sei „bereits bei Kundenanfragen und im laufenden Kaufprozess auch in Baden zu spüren“, sagt List. Es bedarf oft zusätzlicher Finanzberatung, da sich die Voraussetzungen extrem verändert haben“, sagt List.

Traum vom Eigenheim dauert nun länger

„Ich hoffe, dass diese neue Bankenregelung bald gelockert wird, da sonst die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird. Damit erwirken die Institutionen auch für sich selbst wenig Gutes“, sagt Clemens Riha von der Immobilienkanzlei Gebrüder Riha.

Auch der Badener Architekt Marcus Meszaros-Bartak ist als Bauträger für Wohnimmobilien mit der Thematik stark befasst. „Die mit 1. August in Kraft getretenen Verschärfungen wurden von vielen Banken bereits seit geraumer Zeit angewendet. Mit Ausnahmegenehmigungen konnten aber lockerere Kredite vergeben werden“, weiß er. Grundsätzlich diene die Verschärfung dem Schutz der Kreditnehmer vor einem Kreditausfall. Dabei sei eine einheitliche Regelung zu begrüßen.

„Unsere Kunden sind hauptsächlich junge Familien, die aus ihren ersten Wohnungen in der Stadt heraus ins Grüne und in ihr eigenes Haus mit Garten ziehen. Die Preissteigerungen der letzten Jahre machen den Erwerb von Wohnimmobilien immer schwieriger“, betont Meszaros-Bartak. Daher werde der Ankauf oft mit einem Wohnbaukredit finanziert. „Das war auch aufgrund der niedrigen Zinsen der letzten Jahre sehr beliebt. Die Verschärfungen bei der Kreditvergabe erhöhen nun die Zugangsschwelle für Kreditnehmer. Viele junge Familien verfügen nicht über Eigenmittel und sind auf die Hilfe ihrer Eltern und Großeltern angewiesen“, sagt Meszaros-Bartak.

Viele Familien würden auf ihren Traum vom Eigenheim länger warten, oder gar verzichten müssen. Daher müsse man für junge Familien die Ankaufskosten reduzieren. Hier werden oft Konzepte der Nebenkostenbefreiung diskutiert, die bis zu 10 Prozent des Kaufpreises ausmachen. In weiterer Folge werden aber auch die Wohnräume für junge Familien kleiner werden müssen, damit sie finanzierbar bleiben, meint er. „Wir verfolgen in unserem Architekturbüro das Konzept des Tiny Hauses. Kompakte Häuser mit geteilter Infrastruktur ermöglichen eine Senkung des Baupreises“, konstatiert Meszaros-Bartak.

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