Birgit Indra: Von einer Küche zur anderen wandern. Die gelernte Schneiderin und Unternehmerin Birgit Indra tauscht Schere gegen Kochlöffel.

Von Sandra Sagmeister. Erstellt am 22. März 2020 (05:11)
Birgit Indra geht neue Wege – sie bleibt selbstständig, wechselt aber die Branche, von der Designerin hin zur Wanderköchin und kocht in den vier Wänden ihrer Kundschaft.   Foto: Sagmeister
Sagmeister

Birgit Indra (53) kehrt nach einem erfüllten, wie ereignisreichen beruflichen Weg in der Modebranche, zurück zu ihren Wurzeln und klettert wagemutig eine neue berufliche Leiter empor. Aber vorerst ein Blick zurück. Wo wurzelt nun das Fundament der dreifachen Mutter?

Wir sehen ein 12-jähriges Mädchen, das im elterlichen Heurigen-Restaurant, dem Vöslauer Weinhof, einer der ersten Nobelheurigen in der Region, kochen lernte. Mit 14 Jahren übernahm sie sogar für einen Tag das Küchenzepter, als die angestellte Köchin Löffel und Schürze hinschmiss und die Küche fluchtartig verließ. Draußen im Lokal saßen geschätzte 200 hungrige Gäste, die auf ihr Essen warteten. Indra nahm beherzt den stehen und liegen gelassenen Kochlöffel in die Hand und am Ende waren alle satt und zufrieden.

„Das erste Jahr in der Modeschule war fürchterlich, ich war todunglücklich und habe nur geheult.“Wanderköchin Birgit Indra

Indra lernte von der Pieke auf die traditionelle österreichische Küche. Jedes Wochenende, jede Ferienzeit und jede freie Zeit verbrachte sie im elterlichen Betrieb: „Das habe ich damals furchtbar gefunden“, sagt Indra heute. Doch heute zehrt sie viel vom Damals, von einem unglaublichen Wissensschatz: „So ist das in einem Familienbetrieb, da helfen die Kinder mit“, versteht Indra heute.

Das Kochen hat sie damals schon fasziniert, und diese Faszination ist bis heute geblieben. Trotzdem hat sie eine Ausbildung an der Modeschule Hetzendorf absolvierte, aber nicht aus Trotz, nein es war der Wunsch ihrer Mutter und Großmutter, die wollten „dass ich was g’scheits lern.“ Eigentlich wollte sie Architektin werden, „das war mein Urtraum.“

„Das erste Jahr in der Modeschule war fürchterlich, ich war todunglücklich und habe nur geheult“, aber sie hat sich gefügt, hat versucht ihr junges Leben zu meistern, wie sie das bis heute noch tut. Zu Hilfe kam ihr, „dass ich schon früh begonnen habe, die positiven Seiten des Lebens zu sehen“, die Dinge anzunehmen und das Beste daraus zu machen.

Sie machte sich selbstständig, hatte ihren eigenen Maßsalon in Bad Vöslau, gründete ihr eigenes Label, ging dann nach Wien, arbeitete für Traditionsmarken wie Goessl oder Luxusmarken wie Armani.

Zeit zum Kochen hat sich die Alleinerzieherin aber immer genommen: „Ich bin jeden Tag eineinhalb Stunden früher aufgestanden, habe für meine drei Kinder Frühstück gemacht, Jause eingepackt und ein Mittagessen vorgekocht und es war immer eine Freude für mich.“

Sie hat auch große Feste geschmissen und für alle gekocht, „bei mir gab es nicht einfach nur Brötchen, ich war immer gerne Gastgeberin, habe oft siebengängige Menüs gekocht. Essen war immer wichtig für mich.“ Doch vor vier Jahren beschloss sie, aus dem Karriererad auszusteigen. Der ewige Stress und Druck hinterließ seine Spuren, physisch wie psychisch kam sie an ihre Grenzen, eine schwere Lungenentzündung brachte sie nicht nur ins Spital, sondern auch an den Rand ihrer Kräfte.

2016 zog sie die Notbremse und hat begonnen, sich körperlich und seelisch zu erholen, bevor sie sich ihrem beruflichen Herzenswunsch widmen konnte: dem Kochen.

„So eine neue Selbständigkeit anzugehen, braucht seine Zeit.“ Doch nun ist es offiziell: Visitkarten sind gedruckt, Facebook- und Internet-Auftritt sind online und ihre ersten Kunden hat sie bereits „eingekocht“.

Indra kocht Menüs für Krebspatienten

Sie ist nun offiziell eine „Privat- and Home-Cookerin“. Birgit Indra ist als Wanderköchin mit Herz bei ihren Wurzeln angekommen und „ich bekoche jetzt die Menschen.“

Sie kommt also zu ihren Kunden nach Hause, kocht in ihren Küchen, kocht für kleine und große Feste von zwei bis 80 Personen, sie kocht auch gemeinsam mit ihren Kunden, sie kocht für Geschäftsessen zu Hause oder im Büro.

Ein Renner sind ihr frischer Kaiserschmarren und auch bei ihrem Scheiterhaufen geraten alle Genießer verzückt ins Schwärmen, „das sind Nachspeisen, die man kaum noch wo bekommt und die herrlich schmecken, aber nur, wenn sie frisch sind.“

Indra hat aber noch eine Nische entdeckt, wo sie mit ihren Kochkünsten wahre Wunder bewirken kann: „Ich koche für Krebspatienten.“

In behutsamen Gesprächen findet Indra heraus, auf was jene Menschen Gusto haben und dann kocht sie mit ganz besonders viel Liebe und diese Liebe geht durch den Magen und tut einfach gut!

www.wanderkoechin.at, Tel. 0699/140 445 12