noch so viel erreicht“. 10-jährige Badener Sebastian W. beim Sandspielen am Strand.

Erstellt am 10. Juli 2012 (13:00)
Sebastian beim Stadtlauf in Baden.PHILIPP HARTBERGER
NOEN

BADEN / Fassungslosigkeit und Trauer herrschen in Baden nach dem tragischen Tod des 10-jährigen Sebastian W. im Urlaub auf der norddeutschen Insel Amrum. Das Kind war beim Spielen am Strand in einer selbst gegrabenen Sandhöhle verschüttet worden und erstickte.

Sebastian war ein Bub voller Lebensfreude, voller Energie, seine Eltern, Schwester, alle die ihn kannten, liebten ihn oder waren von seiner herzlichen, offenen Art begeistert. Er war ein sehr guter Schüler, besuchte die Volksschule am Pfarrplatz, nächstes Jahr sollte er ins Gymnasium Frauengasse wechseln. Vergangenen Sommer spielte er noch in der Sommerarena in Baden im Stück „Boccaccio“ mit. Basti war im Tennisclub Pfaffstätten aktiv, lernte Saxofon und engagierte sich bei den Pfadfindern.

Nach drei Tagen  traurige Gewissheit

Am 1. Juli, dem zweiten Tag des heurigen Sommerurlaubs auf der norddeutschen Insel Amrum, endete das Leben des 10-Jährigen jäh. Im Obduktionsbericht steht trocken: „Tod durch Ersticken, Fremdverschulden kann ausgeschlossen werden.“

Sebastians Familie wollte ihren Urlaub auf der Nordfriesischen Insel verbringen. „Kleine Insel mit großer Freiheit“, so wird für dieses etwa 20 Quadratkilometer große Eiland geworben. Die Familie mietete sich ein Ferienhaus am Strand von Wittdün. In unmittelbarer Nähe, etwa 300 Meter ihres Domizils befindet sich das „Piratenschiff“, ein beliebter Spielplatz für Kinder.

Es war am Sonntag, als Sebastian um 17 Uhr noch einmal zum Piratenschiff gehen wollte. Um diese Zeit ist Ebbe und man müsste Hunderte Meter gehen, um das Meer zu erreichen. Kurz: keine Gefahr für einen 10-Jährigen, am Sandstrand zu spielen. Verabredet wurde, dass die Eltern ihren Sebastian um 18 Uhr abholen würden.

Doch als sie ankamen, war weit und breit nichts von ihrem Sohn zu sehen. Der an den Spielplatz angrenzende Posten der Strandwacht war auch nicht mehr besetzt. Nach vergeblichen Rufen verständigten die Eltern die Polizei. Eine groß angelegte Suchaktion begann. Hundertschaften der Polizei, Feuerwehr, freiwillige Einheimische, Hubschrauber mit Wärmebildkameras, Suchhunde, der Seenotdienst, alle waren an dieser Aktion beteiligt, tagelang. Die Polizei ersuchte Urlauber um Fotos, auf denen das blonde Kind möglicherweise irgendwo zu sehen sein könnte. Und wirklich: ein Bild zeigte schließlich den vermissten Buben, wie er beim Piratenschiff eine Grube gräbt.

Nun begann die Polizei genau an dieser Stelle zu graben – und in eineinhalb Meter Tiefe stieß man auf Sebastian - tot, erstickt im Sand. Ob auch eine Schaufel gefunden wurde, darüber hüllt sich die Kriminalpolizei noch in Schweigen, es sind noch Ermittlungen im Gange, so die Auskunft eines Beamten der Polizeiinspektion Nebel, die die NÖN am Samstag erhielt.

Einige Fragen sind noch offen: wie ein 10-Jähriger ein so tiefes Loch alleine schaufeln konnte und warum der Sand so schnell zur tödlichen Falle werden konnte. Manche Fachleute meinen, es wäre unmöglich, manche Inselbewohner sind gegenteiliger Meinung. Angeblich wäre es dann gefährlich, wenn das Loch bis zum Grundwasser gegraben wird. Und das befindet sich schon in etwa zwei Metern Tiefe. Wie die „Lübecker Nachrichten“ berichten, hatte sich schon einmal, es war 1970, ein ähnlicher Unfall mit einem Kind ereignet.

Doch all diese Vermutungen und Unklarheiten sind für die Eltern und Sebastians Schwester sekundär. Tatsache ist, dass sie all die Sachen ihres Buben wieder einpacken mussten und ohne ihn nach Hause fuhren, sein Zimmer bleibt leer. Die Familie – die Mutter ist Psychotherapeutin in Baden, der Vater Informatiker – wird nach wie vor psychologisch betreut.

Entsetzen und Trauer auf  der Insel und in Baden

Auf der nordfriesischen Insel ist man über das Unglück entsetzt. Viele Urlauber regen sich auch darüber auf, dass Eltern ihre Kinder schon wieder an der Stelle spielen lassen, wo Sebastians Leichnam am Mittwoch gefunden wurde.

Noch mehr Entsetzen herrscht in Baden, der Heimatstadt des Buben. Die Leute fühlen mit dem Leid der Eltern mit und respektieren die tiefe Trauer der Familie, die jeglichen Kontakt zur Presse ablehnt. Auch Schule und Vereine, in denen Sebastian aktiv war, halten sich auf Wunsch der Eltern bedeckt.

Bestatung auf See

Sebastian soll nun auf Wunsch der Familie auf See bestattet werden. Dies hänge mit der Familiensituation zusammen, da auch dem Großvater des Kleinen mit einer Seebestattung die letze Ehre erwiesen und dies als "angenehm" empfunden worden ist.

In der Evangelischen Kirche Baden wird am Montag, dem 16. Juli (17.00 Uhr), eine Trauerfeier für Sebastian gehalten. Henke, der als Urlaubsvertretung den Gottesdienst für den kleinen Buben halten wird, betonte, dass es die "schwerste Trauerfeier seines Lebens" werden wird. "Ich bin seit 40 Jahren Pastor und habe über 1.000 Menschen beerdigt, so ein Schicksal ist aber auch für mich einzigartig."