Manuel Rubey: „Badener Publikum ist gebildet und treu“

Im exklusiven Interview mit der NÖN spricht der vielseitige Künstler Manuel Rubey über seine Beziehung zu Baden und Niederösterreich, die Faszination von historischen Ortskernen, was er an unserer Region und ihren Bewohnern besonders schätzt, warum er durch und durch ein Showboy ist und wo er am Liebsten den Urlaub verbringt.

Nadja Tröstl Erstellt am 06. August 2021 | 17:36
New Image
Der vielseitige Künstler Manuel Rubey.
Foto: Wolf Silveri

Der Künstler Manuel Rubey hat viele Gesichter. Er ist Schauspieler, Kabarettist, Schriftsteller, Musiker und Moderator in Personalunion und begeistert mit seiner facettenreichen Präsenz das Publikum – wie auch vor Kurzem mit Martina Ebm im „Schwimmender Salon“ Thermalbad Vöslau sowie bei STADT:KULTUR im Kurpark mit seinem Soloprogramm „Goldfisch“. Im Interview mit der NÖN eröffnet er berufliche und private Einblicke in seine Welt.

New Image
Manuel Rubey war erst vor kurzem mit Martina Ebm und Ian Fisher beim Festival „Schwimmender Salon“ im Thermalbad Vöslau im Einsatz.
Nadja Tröstl

NÖN: Welchen Bezug haben Sie zu Niederösterreich und zu Baden im Speziellen? Sie haben ja Ihren Zivildienst in Baden absolviert und immer wieder Engagements in unserer Region.

Manuel Rubey: Zu Niederösterreich habe ich viele Bezüge. Ich bin in Wiener Neudorf, Mödling, aufgewachsen und habe in Baden beim Psychosozialen Zentrum meinen Zivildienst absolviert. Danach habe ich überlegt in dem Bereich zu bleiben. Studiert habe ich Philosophie, aber ich „verwende“ die vielen spannenden Eindrücke und Einblicke in die menschliche Psyche bis heute für meinen Beruf.

Sie sind in diesem Sommer in Baden und Bad Vöslau aufgetreten, lesen am 12. September im Cinema Paradiso aus ihrem Erstlingswerk „Einmal noch schlafen, dann ist morgen“. Was verbinden Sie persönlich mit Baden und Bad Vöslau?

Es sind zwei wunderschöne Städte mit alten und historischen Ortskernen, was ich besonders mag. Bad Vöslau ist mir in den letzten Jahren durchs Thermalbad und den „Schwimmender Salon“ besonders ans Herz gewachsen.

Gibt es Aktivitäten, die Sie in Ihrer Jugend hier unternommen haben?

Tatsächlich kann man in Baden sehr gut ausspannen und einen der Heurigen in der Gegend besuchen.

Sie haben in Baden nach Jahren schon ein Stammpublikum. Gibt es etwas Charakteristisches an den jeweiligen Veranstaltungsorten und am Badener Publikum, das für Sie als Künstler anders ist?

Das Publikum in der Region ist sehr gebildet und sehr treu. Sie wollen schon mit Besonderem versorgt werden, geben einem die Mühe aber immer zigfach zurück.

Zu Manuel Rubeys Selbstbild als Künstler mit vielen Gesichtern. Wie und wo sehen Sie sich in diesem Beruf?

Ich bin ein Schauspieler, der die Komödie liebt. Und ich schätze gute Geschichten und Pointen. Nur über das Menschsein kann man gute Geschichten erfahren. Denn das ist der Aspekt, der unsere Spezies von anderen unterscheidet: Wir sind dazu fähig, Geschichten zu erzählen und das ist das Einzige, was uns zivilisiert macht. Und die besten Geschichten schreibt nicht das Leben. Die besten Geschichten sind hart erarbeitet. In einem Wort: Ich bin ein Showboy. Und ich bekenne mich auch dazu, dass die Komödie die Königsklasse ist.

Ist gute Unterhaltung schwerer zu bieten, als man denkt?

Unterhaltung ist ganz viel Arbeit, noch mehr als alles andere. Es rührt mich, wenn die Menschen viel organisieren, etwa einen Babysitter, die Fahrt zur Veranstaltung, den Kauf der Tickets, um mich zu sehen. Ich möchte alles dafür geben, dass mein Publikum einen guten Abend hat.

Sie haben mit „Einmal noch schlafen, dann ist morgen“ vor einem Jahr ihr erstes Buch veröffentlicht. Ein philosophisch, kreativer, außergewöhnlicher Einblick in ihre Welt. Wie ist die Idee zum Buch entstanden?

Vor vielen Jahren wurde der Gedanke dazu gesät als ich von diversen Verlagen Anfragen bekam. Das Schreiben ist mir seitdem immer wichtiger geworden. Ich notiere und archiviere gerne, schreibe viel mit der Hand und arbeite meist Sonntags Abends meine Woche ab. Ich bin nämlich vergesslich und so gehen wichtige Inhalte nicht verloren. Auch bin ich altmodisch und kaufe noch immer gerne Vinylplatten. Die aller wichtigsten Sachen sind jedoch im Kopf gespeichert. Somit ist in 20 Jahren ein beachtliches Archiv an Notizen, Dokumenten und Zitaten entstanden, das bis dato absichtslos und nur für mich da war. Mit dem Buch gebe ich den Lesern einen Teil dieses, meines, Schatzes weiter.

Wie offen sind Sie für neue Herausforderungen? Bleiben Sie lieber bei dem Ihnen Vertrauten oder wagen Sie auch Sprünge ins kalte Wasser?

Ich mag es, mich hin und wieder auf unsicheres Terrain zu begeben und Neues zu machen. Die Komfortzone zu verlassen. Das Schöne an meinem Beruf ist, man kann alles geben, aber man weiß nie was kommt.

Apropos neue Terrains. Begeben Sie sich gerne auf Reisen?

Beruflich reise ich gerne und oft. Alles ist gut organisiert und es macht Sinn, da ich das Ziel kenne und reise, um zu arbeiten. Ich fahre gerne mit dem Zug, bin früher stundenlang mit den Ringbahnen gefahren und habe Texte gelernt, weil ich wahnsinnig gut denken kann, wenn sich um mich herum etwas bewegt.

Haben Sie privat ein bevorzugtes Reiseziel? Wo werden Sie ihren Sommerurlaub verbringen?

Mein Lieblingsland ist Italien. Da haben Essen und Kochen einen hohen Stellenwert sowie beste Qualität. Der durchschnittliche Italiener gibt etwa 50 bis 60 Prozent seines Gehalts für Essen aus, der Österreicher und Deutsche etwa zehn Prozent. Wir urlauben oft in einem kleinen Ort auf Sizilien. Auch wenn die Region verhältnismäßig arm ist, ist die Küche genial und zeigt, dass man mit wenig Geld kreative, großartige Gerichte zubereiten kann. Überall ist Lebensfreude und man spürt in ganz Italien: Du bist, was Du isst.

Welche Bedeutung und welchen Sinn hat der Beruf des Künstlers für Sie persönlich?

Ganz pathetisch zitiere ich dazu Schumann „Licht senden in die Tiefen der menschlichen Seele – des Künstlers Beruf.“ Wir Künstler sind dazu da, in gesellschaftlichen Dingen vorzugreifen, da wir sehr oft spüren und sehen, wo etwas hingehen könnte. Wir richten sozusagen den Scheinwerfer bewusst auf das, was sonst nicht gesehen werden würde und im Dunklen verborgen bliebe.

Gibt es Projekte, die Sie im Raum Baden für die nahe Zukunft planen?

Ich werde nächstes Jahr wieder im "Schwimmender Salon" dabei sein und im Herbst mit meinem Soloprogramm auch noch vorbei schauen. Im September 2021 steht bald meine Lesung mit musikalischer Untermalung im Cinema Paradiso in Baden auf dem Programm.

Danke für das Gespräch!

Das Interview führte Nadja Tröstl.