Bestätigt: „Vorgaben irreführend“. Heinrich Hartl und sein Vorstand wurden wiederbestellt. Dabei wurde die Gelegenheit ergriffen, um so manche Umweltschutz-Verbotsmaßnahme zu hinterfragen.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 02. Februar 2019 (05:14)
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Der gewählte neue Bauernbundvorstand mit Franz Mitter, Heinrich Hartl, Josef, Auer, Martin Graf und Gerhard Graf jun.
Sonja Pohl

Der bereits im Jahr 2009 mit der Wahl von Heinrich Hartl als Bauernbund-Obmann begonnene Generationenwechsel setzte sich auch 2019 fort.

Der Bauernbund-Vorstand wurde bei der Wahl bestätigt. Neu im Leitungsgremium ist Bernhard Graf, doch viele Neuzugänge gibt es auch im Team.

Jung und frisch sind aber auch die Themen der Oberwaltersdorfer Bauernbündler, die die hohe Qualität ihrer Produkte und eine ehrliche Herkunftskennzeichnung ins Schaufenster stelle.

„Erdäpfel werden bald aus Ägypten importiert“

„Gesunde Lebensmittel sind uns wichtig – es ergibt aber wenig Sinn, Pflanzenschutzmittel zu verteufeln, für die es keine Alternativen gibt. Und von Schädlingen befallene Rohstoffe tonnenweise zu entsorgen, um sie aus dem Ausland zu importieren, wo sie mit exakt demselben Pflanzenschutz produziert wurden, ist auch kontraproduktiv“, nennt Winzer und Landwirt Heinrich Hartl die Kartoffelproblematik als Beispiel.

Bedingt durch den Drahtwurmbefall, der sich durch das Verbot des alternativlosen Pflanzenschutzmittels ausbreiten konnte, mussten Erdäpfel für 2,6 Millionen Menschen vernichtet werden. „Ab März wird es in unseren Lebensmittelregalen damit keine heimischen Erdäpfel mehr geben. An ihrer Stelle werden Kartoffel aus Ägypten zum Verkauf angeboten, wo der entsprechende Pflanzenschutz erlaubt ist“, ärgert sich Hartl.

„Null Gefahr für Bienen. Rüben blühen gar nicht“

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Rübenzucker. „Um die Bienen zu schützen, wurde das Insektizid Neonikotinoide verboten. Die Zuckerrüben erlitten dadurch einen Schädlingsbefall, worunter das Wachstum so dramatisch litt, dass sie für die Weiterverwertung unbrauchbar wurden. Nun wurden Zuckerrüben aus der Slowakei, wo Neonikotinoide erlaubt sind, zugekauft und in Österreich zu Zucker verarbeitet. Nicht nur, dass nun vielfach in der Herkunftsbezeichnung getrickst und der aus diesen Rüben gewonnen Zucker als österreichisches Produkt angepriesen wird, sind auch die Vorgaben und Voraussetzungen mehr als irreführend“, so Hartl.

Schließlich würden Rüben gar nicht blühen und seien damit auch für Bienen keine Gefahr, Mit Täuschungen wie diesen seien Konsumenten laut Hartl aber auch in der Schweinemast, der Getreide- und Milchproduktion sowie bei der Hühner-Käfighaltung konfrontiert. „Zum einen wird die Lebensmittelproduktion damit schwierig, zum anderen sind die entsprechenden Kennzeichnungen oft verfälscht“, ist er davon überzeugt, dass die sozialen Standards und Umweltauflagen in Österreich weit höher seien, als in jenen Ländern, aus denen die entsprechenden Rohstoffe nun importiert werden. „Gibt es sinnvolle Alternativen, sind unsere Bauern zweifelsohne vorbildlich in der Anwendung“, weiß Hartl in seiner Eigenschaft als Bauernbund-Teilbezirksobmann und Winzer, wovon er spricht.

„So bekämpfte die ‚Verwirrmethode‘ mit dem Einsatz von Pheromonen den Traubenwickler im Weinbau besser, als dies Insektizide hätten können“. Das Bewusstsein zu schärfen, sei daher wichtig. Man brauche aber auch ein Bekenntnis zur Wertschöpfung sowie eine ehrliche Preispolitik.