Wirbel um „Pfarrpfründe“

Tausch der so genannten „Pfarrpfründe“sorgt für Verstimmung zwischen Pfarrgemeinderat und Erzdiözese. Diese entgegnet: „Grundstück gehörte nie der Pfarre“.

Erstellt am 12. März 2019 | 04:16
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7511004_bad10ed_pfarr.jpg
Die Pfarrgemeinderatsmitglieder fühlen sich übergangen. Im Bild: Heide Maria Pongratz,Dagmar Kolm, ChristophPongratz,Christina Mitter und BirgitJagiello.
Foto: Thomas Lenger

Aufregung herrscht derzeit im Pfarrgemeinderat in Oberwaltersdorf. Nur zufällig erfuhr dieser vom Verkauf der „Pfarrpfründe“. Diese werden von der Erzdiözese Wien verwaltet und wurden nun gegen ein anderes Grundstück in Trumau getauscht und dafür zusätzlich ein Betrag von 1,9 Mil lionen Euro lukriert. Der Pfarrgemeinderat wusste von diesem Verkauf nichts.

Pfarre schrieb Brief an Kardinal Schönborn

Der Pfarrgemeinderat wandte sich daher in einem sehr emotionalen Schreiben direkt an Kardinal Schönborn. Die Mitglieder fühlten sich zum einen übergangen, zum anderen äußerten sie ihre Besorgnis darüber, dass es schwer der Bevölkerung zu erklären sei, wie man auf der einen Seite um Spenden für den dringend sanierungsbedürftigen Kirchturm und eine Reparatur im Pfarrhaus bitten solle, wenn bekannt würde, dass der Grundstückstausch in Oberwaltersdorf einen derartigen finanziellen Vorteil brächte.

Anzeige

Weiters ging der Pfarrgemeinderat davon aus, dass die „Pfarrpfründe“, die einst zur Erhaltung der Seelsorge gespendet wurden, ein Teil der Pfarre sind, die aber nichts von dem Erlös bekam. Auch dass Pfarrer Andreas Hornig, dessen Unterschrift für die Abwicklung notwendig war, zu dieser Unterschrift „im Gehorsam gezwungen“ worden sei, kritisierte der Pfarrgemeinderat in seinem Schreiben.

„Das Hauptproblem ist, dass der Pfarrgemeinderat – leider ohne sich vorher kundig zu machen – behauptet, es gehe hier um Gründe, die der Pfarre gehören."

Der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller, sieht eine Verkettung von Missverständnissen, vor allem die Annahme, die Pfarrpfründe befänden sich im Eigentum der Pfarre.

Er erklärt: „Das Hauptproblem ist, dass der Pfarrgemeinderat – leider ohne sich vorher kundig zu machen – behauptet, es gehe hier um Gründe, die der Pfarre gehören. Das ist schlicht falsch. Der Grund, der hier verkauft wurde, gehörte nie der Pfarre. Er war Teil einer von der Pfarre getrennten Vermögensmasse, den Pfarrpfründen.“

Pfarrpfründe verfügen über eigenen Status

Die Pfarrpfründe würden laut Prüller über eine eigene Rechtspersönlichkeit verfügen, sie seien, wie eine Stiftung, eigentümerlos, aber zweckgewidmet. Die Pfründe würden von der Erzdiözese Wien entsprechend dieser Widmung verwaltet, ihre Erträge würden aber nicht der Erzdiözese Wien zufließen. Der beim Grundstückstausch erzielte Erlös von 1,9 Millionen Euro „ist und bleibt ebenso wie der eingetauschte Grund Teil dieser Vermögensmasse ‚Pfarrpfründe Oberwaltersdorf‘“, erklärt Prüller.

Und: „Es wäre rechtswidrig weil widmungsfremd, davon einen Teil der Pfarre oder auch der Erzdiözese zu geben. Hätte das Grundstück der Pfarre gehört, wäre selbstverständlich der Vermögensverwaltungsrat der Pfarre eingebunden gewesen.“

Durch die Transaktion wurde laut Prüller das Pfründevermögen Oberwaltersdorf nicht geschmälert, sondern vermehrt. Die Pfarrpfründe bleiben weiterhin dem Zweck gewidmet, „den Lebensunterhalt des Pfarrers zu bestreiten“, betont Prüller.

Der Pfarrgemeinderat erfuhr die Details über die Pfarrpfründe (siehe Infobox) erst Ende letzter Woche aus einem Antwortschreiben der Erzdiözese. Die mangelnde Kommunikation über die Pfarrpfründe bedauert der stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Christoph Pongratz, trotzdem.