Bangen um Rösterei. Traditionsreiche Kaffeerösterei aus Oeynhausen muss nach gescheitertem Großauftrag durch Sanierungsverfahren. Weiter Betrieb.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 07. Juni 2017 (05:01)
Fussi
„Danke für Ihren Besuch“. Der Betrieb läuft aktuell weiter.

Die Helmut Sachers Kaffee GmbH ist insolvent, soll aber ohne Eigenverwaltung saniert und weitergeführt werden. Die Gläubiger sollen innerhalb von zwei Jahren 20 Prozent ihrer Forderungen erhalten.

Masseverwalter Michael Lentsch, Rechtsanwalt in Wr. Neustadt, zeigte sich am Freitag zuversichtlich. Der Betrieb wird weitergeführt, nachdem eine kurzfristige Finanzierung „auf Schiene“ gebracht worden sei.

Am Dienstag (nach Redaktionsschluss) war eine Versammlung mit den rund 30 Dienstnehmern anberaumt. Laut Lentsch werden die meisten ihren Arbeitsplatz behalten. Unklar ist, ob bei der Tagsatzung am 25. Juli die Gläubiger dem Sanierungsplanvorschlag zustimmen. Er wolle diesbezüglich keinerlei Prognosen wagen. Falls der Plan abgelehnt werde, werde er sich bemühen, das Unternehmen als Einheit zu verwerten.

Großauftrag scheiterte

Grund für die Insolvenzanmeldung war ein gescheiterter Großauftrag. Vom dafür extra eingestellten Personal, etwa vier Mitarbeiter, müsse man sich trennen, da dieser neue Unternehmensbereich bereits geschlossen wurde. Lentsch legt aber Wert darauf, dass das Hauptgeschäft mit der Rösterei und dem Geschenkshop vorerst normal weiterlaufe.

Das Unternehmen wurde 1929 von Helmut Sachers in Wien als Kaffeerösterei gegründet und 1970 von dessen gleichnamigen Sohn gekauft, der 1972 einige Firmen erwirbt und seitdem auch mit Kaffee handelt.

Neben USA und Kanada wird Deutschland wichtigster Exportmarkt. 1988 übersiedelte das Unternehmen nach Oeynhausen, wo 1991 die Produktionsstätte um eine weitere Lagerhalle und eine zweite Büro-Etage erweitert wurde. Der Exportanteil betrug damals 20 Prozent. In Österreich bediente Helmut Sachers Kaffee Anfang der 90er Jahre rund 4.000 Kunden. Aus zwei Sack Rohkaffee pro Woche wurden laut Firmenhomepage rund 450 Tonnen im Jahr.

2013 zog sich Helmut Sachers aus dem Unternehmen zurück und verkaufte es. Inzwischen gehört der Betrieb der Sawe Holding aus Innsbruck. Geschäftsführer ist der Tiroler Gastronom Hannes Schlögl.