Anrainer gegen neues Bauland in Tattendorf

Erstellt am 03. Februar 2022 | 04:02
Lesezeit: 4 Min
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Eva-Maria Schulz (l.) und Brigitte Andreasch (r.) äußern Bedenken hinsichtlich der geplanten Bauplätze vor allem wegen Hochwasserschutz und zu erwartender Verkehrsbelastung.
Foto: Thomas Lenger
Nachbarn stört Lage des Siedlungsgebietes und fürchten um den Ortscharakter.
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Zwischen dem Großheurigengelände und der Augasse wurde im Dezember des Vorjahres ein Grundstück angekauft und in Bauland-Wohngebiet umgewidmet. Dieses umfasst 30 Bauparzellen, die jeweils 461 Quadratmeter groß sind.

„Dieses Grünland war bereits einmal Bauland und konnte im Dezember 2021 von der Gemeinde angekauft werden“, erklärt Bürgermeister Alfreid Reinisch, UHL. Diese Grundstücke sollen an junge Tattendorfer Bürger weitergegeben werden. Es besteht die Möglichkeit, die Grundstücke im Rahmen eines Baurechtsvertrages mit dem Land Niederösterreich zu erwerben. So können junge Tattendorf die 461 Quadratmeter großen Grundstücke, die maximal zu 35 Prozent bebaut werden dürfen, um einen Preis von 130 Euro pro Quadratmeter, statt der am freien Markt üblichen 370 Euro, erwerben. Der Kauf ist aber mit zahlreichen Auflagen verbunden.

Vizebürgermeister Franz Knötzl, ÖVP, führt weiter aus: „Es ist besonders wichtig, dass wir für die Vergabe, die von der Gemeinde durchgeführt wird, Kriterien schaffen, dass diese Grundstücke wirklich für junge Tattendorf und nicht für Grundstücksspekulanten verwendet werden.“ Hinter dem Projekt steht der gesamte Gemeinderat. Sowohl UHL als auch die ÖVP und die SPÖ haben alle Beschlüsse einstimmig gefasst. Zwar sollen die Grundstücke langsam im Laufe der nächsten 10 Jahre verkauft und bebaut werden, jedoch werden jetzt aufgrund der großen Nachfrage einige Grundstücke zum Verkauf angeboten.

Anrainerinnen äußern Bedenken wegen Projekt

Besorgt hingegen sind vor allem Anrainer rund um die geplante Siedlung.

„Für uns gibt es drei Punkte, die uns große Sorgen bereiten“, erklärt Anrainerin Eva-Maria Schulz. Das Erste ist der Hochwasserschutz, da wir vor einigen Jahren bereits erleben mussten, wie unsere Keller überflutet wurden und die freie Fläche, die jetzt bebaut werden soll, damals als Ausgleichsfläche gedient hat. Wir befürchten, dass der Hochwasserschutz den veränderten Klimabedingungen nicht standhalten wird. Zum Zweiten ist es der Verkehr und die Zu- und Abfahrt zu den 30 Häusern. Das bedeutet für uns 60 Autos mehr, die über die schmale Augasse oder die Feldgasse zu der Siedlung zufahren. Auch wenn im Süden eine neue Straße beim Großheurigen gebaut wird, sehen wir den Verkehr während der Bauphase aber auch anschließend als großes Problem.“

Anrainerin Brigitte Andreasch erläutert: „Das Dritte ist der Großheurige. Wir machen uns schon große Sorgen darum, dass dieses Tattendorfer Aushängeschild in Gefahr ist, den bisherigen Charakter zu verlieren. Überhaupt sehen wir es sehr kritisch, dass man das Projekt ausgerechnet hier verwirklichen will, wo es sicher auch andere Möglichkeiten in Tattendorf gäbe.“

Bürgermeister Reinisch will die Bedenken entkräften: „Wir haben seit 2008 einen neuen Hochwasserschutz, daher besteht hier keine Gefahr. Das Land würde sonst das Projekt auch nie genehmigen. Bezüglich der Zufahrt wird für die Siedlung eine eigene Zufahrt über das Großheurigengelände geplant. Hier haben wir ein Verkehrskonzept entwickelt und das auch den Anrainern präsentiert“.

Gemeinde will das Gebiet sanft entwickeln

Als Großheurigenwinzer sieht Reinisch auch den Großheurigen nicht in Gefahr. Andere Möglichkeiten das Projekt zu realisieren gäbe es nicht. „Wir sind aber auch davon überzeugt, dass der Platz dort sehr geeignet ist, da steht der gesamte Gemeinderat dahinter“, betont Reinisch. Nachsätze von Bürgermeister und Vizebürgermeister: „Die Entwicklung von Tattendorf ist sicher eine sehr sensible Aufgabe, dennoch müssen wir uns vorsichtig, aber doch weiter entwickeln“, meint Reinisch. „Wir machen das mit großer Vorsicht und Behutsamkeit“, betont auch Vizebürgermeister Franz Knötzl.

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