Leobersdorfer Ortspläne in Diskussion

Erstellt am 09. Dezember 2021 | 04:50
Lesezeit: 3 Min
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Bürgermeister Andreas Ramharter (LZL)
Foto: Steiner
Wie die Fraktionen die aktuelle Lage und Entwicklung der Gemeinde beurteilen.
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Die Zahlen vier und 15 repräsentieren zwei Entwicklungen, an denen kein Raumplaner mehr vorbeikommt. Vier Fußballfelder, oder 2,9 Hektar, wurden in NÖ von 2010 bis 2020 pro Tag durchschnittlich in Anspruch genommen. Und: Rund 15 Prozent beträgt das Bevölkerungswachstum, mit dem das Land NÖ bis 2040 im Bezirk Baden rechnet. Aktuell wohnen rund 147.000 Menschen im Bezirk.

Vor diesem Hintergrund arbeitet Leobersdorf an einem neuen örtlichen Entwicklungskonzept für die Zukunft - mit teils sehr unterschiedlichen Vorstellungen, wie diese aussehen soll. „Leobersdorf entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten vom verschlafenen Straßendorf zu einer attraktiven Gemeinde, die einerseits ihren traditionellen Charakter wahrt, andererseits Platz für innovative Betriebe schafft“, meint Bürgermeister Andreas Ramharter (LZL). In diesem Rahmen wolle die LZL die Entwicklung Leobersdorfs weiterführen. Wichtige Eckpunkte seien lebenswerter Wohnraum, attraktive Naherholungsgebiete, der Arbeits- und Wirtschaftsstandort und der Wohlfühlfaktor.

Die Siedlungsentwicklung solle in Zukunft schwerpunktmäßig im Ortskern und im Umfeld der Bahnhöfe stattfinden. In Teilen der Gemeinde würden Ein- und Mehrfamilienhäuser weiterhin die Siedlungsstruktur prägen, erklärt Ramharter.

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Gemeinderat Gerhard Tschakert (SPÖ)
Foto: Steiner

Die SPÖ ortet gesamt gesehen zu viel Bautätigkeit in der Marktgemeinde. Aktuelle Wohnbauprojekte etwa würden die Infrastruktur zunehmend belasten. „Das verträgt Leobersdorf nicht mehr“, meint SPÖ-Obmann Gerhard Tschakert. „Bevor die Reserven für Wohn- und Betriebsbau nicht aufgebraucht sind, lehnen wir neue Baulandwidmungen in den nächsten zehn Jahren ab“, erklärt die SPÖ. Ausnahme sei „dokumentierter Bedarf“.

Die stärkste Oppositionspartei ÖVP sucht ihre Linie in einer differenzierten Betrachtung, sieht „manches positiv, manches kritisch“.

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Gemeinderat Peter Bosezky (ÖVP)
Foto: Klaus Wellenhofer

Für ÖVP-Obmann Peter Bosezky ist klar: „Wir werden Kompromisse eingehen müssen.“ Ohne Bautätigkeit sei beispielsweise kein leistbares Wohnen realisierbar. In den nächsten zehn Jahren sollten für Betriebs- und Wohnbau in erster Linie jene Flächen genutzt werden, die bereits gewidmet sind, meint Bosezky.

Kritisch sehen ÖVP und SPÖ, dass die LZL andenkt, im Umfeld der Bahnhöfe neben gewidmeten, unverbauten Flächen langfristig auch die Siedlungsgrenzen zu erweitern. Vor allem die Pläne für das Wachstum südlich des Bahnhofs Wittmannsdorf werden noch für Diskussionsstoff sorgen.

Gemeinderat Herbert Bader (GHL) teilte auf NÖN-Anfrage mit, er wolle das örtliche Entwicklungskonzept vor der Gemeinderatssitzung am 7. Dezember (nach Redaktionsschluss) medial nicht kommentieren.

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