Badener Unternehmer wehren sich, Redebedarf gegeben

Die Geschäftsbetreiber der Innenstadt erleben das neue Parkraumkonzept als grob geschäftsschädigend. Besonders die Situation der Mitarbeiter.

NÖN Redaktion Erstellt am 22. September 2021 | 06:02
Unternehmer wehren sich
Die Unternehmer Peter Haas, Erich Hanai, Ulrike List, Herwig Gasser, Nadine Pernjak und Paul Heissenberger stimmen sich regelmäßig ab.
Foto: Jandrinitsch

Abgekanzelt, nicht ernst genommen, ausgebremst – so fühlen sich an die 40 Badener Wirtschaftstreibende der Innenstadt von der Stadtregierung behandelt, die sich regelmäßig treffen und vernetzen.

Denn das Zonenmodell sei eine extreme Ungleichbehandlung jener Kunden, die in der Innenstadt einkaufen und mache die Mitarbeiter der Unternehmen quasi zu „Menschen zweiter Klasse“, wie es Herwig Gasser nennt. Der Konditor verzeichnet jetzt schon einen Umsatzrückgang von 30 Prozent. „Wenn ich als Kunde für die Zeit, in der ich einen Kaffee trinken gehen will, zwei Euro bezahlen muss und für den Kaffee 2,40 Euro, dann steht das in keiner Relation zueinander“, sagt Gasser.

Dass seine Mitarbeiter öffentlich anreisen sollen und nicht mit dem Auto, empfindet er fast als Hohn. „Die Beschäftigten, die um 6 Uhr in der Backstube stehen müssen, also auch die Lehrlinge, müssten dann statt um 5 Uhr bereits um 3.30 Uhr aufstehen, um rechtzeitig hier zu sein. Das ist nicht zumutbar.“

„Wenn das so weiter geht, muss ich mein Angebot reduzieren.“  Herwig Gasser

So ein Konzept nach Lockdowns auf den Tisch zu legen, in Zeiten, wo Firmen Fachpersonal schwer bis gar nicht finden, hält Gasser für einen Affront. „Wenn das so weiter geht, muss ich mein Angebot reduzieren.“ Doch wenn die Unternehmer ihr Angebot reduzieren, dann schade das auch der Infrastruktur der Stadt. „Ich darf erinnern, dass es die Unternehmer mit ihren Mitarbeitern sind, die die Kasse der Stadt mit Kommunalsteuer füllen“, betont Gasser.

Auch Ulrike List vom gleichnamigen Immobilienbüro „kann nicht zu Fuß zu einem Kundentermin nach Oberwaltersdorf gehen. Viele meiner Kunden sind verunsichert, sie wollen wissen, wo man parken kann und durchschauen das Zonensystem nicht“.

Viele ihrer Mitarbeiter arbeiten daher bereits am Bürostandort in Gumpoldskirchen, hier gebe es genügend Parkplätze. Die Unternehmer sind sich alle einig: „Bei einem durchschnittlichen Verdienst von 1.500 Euro kann man von den Mitarbeitern nicht verlangen, 130 Euro netto für das Parken zu zahlen.“

Gastronomin Nadine Pernjak hält das Zonensystem für „zutiefst unsozial. Es wird nicht darauf Rücksicht genommen, in welcher finanziellen Lage sich der jeweilige Anrainer befindet, die jetzt einen Jahresbetrag für das Parken zahlen soll. Und ich als Unternehmerin muss ich zweimal zahlen: Als Privatperson für das Jahresticket, am Grünen Markt rund 20 Euro pro Tag, weil ich in einer anderen Zone arbeite als ich lebe.“

Frisör Peter Haas löst für seine Kunden den Parkschein nach, auch „wenn ich das streng genommen nicht dürfte. Aber Farbe oder Strähnchen dauern nu mal länger als eineinhalb Stunden“. Gasser sagt: „Uns ist klar, dass es ein Parkkonzept für die Stadt braucht. Aber ein empathisch auf die Kunden ausgerichtetes, in Abstimmung mit der Badener Bevölkerung ausgearbeitetes.“ Die Unternehmer fordern eine sofortige Aussetzung des Zonenkonzepts.

„Wir wollen, dass man mit Unternehmervertretern einer jeden Sparte redet, dass die Stadt unsere Vorschläge anhört. Nur wenn man gemeinsam redet, kann das zu einem guten Ergebnis führen.“

Bürgermeister Stefan Szirucsek, ÖVP, verteidigt das Parkraumkonzept und erklärt: „Nach den ersten drei Wochen ist sichtbar wieder mehr Parkraum verfügbar. Die laufende Evaluierung war stets fixer Bestandteil des Parkraumkonzeptes. Die Überprüfung der Rückmeldungen sind genauso Teil der Evaluierung wie wiederholte Zählungen im Parkraum. In Bereichen, in denen Verdrängungsverkehr auftritt, werden Maßnahmen mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet und so rasch wie möglich umgesetzt.“

Die Rückmeldungen betreffend Einpendlerinnen und Einpendlern wurden laut Stadtchef über die ursprüngliche Deadline hinaus bis in den August hinein gesammelt und zur weiteren Bearbeitung an die Mobilitätsberatung von NÖ Regional übermittelt. Die Beantwortung habe diese Woche begonnen.

Szirucsek merkt an: „Es gibt auch schon vorbildliche Initiativen für Mobilitätsangebote auf der ‚letzten Meile‘, wie beispielsweise die Sparkasse Baden.“ Auf das Angebot des öffentlichen Verkehrs werde offenbar wesentlich weniger zugegriffen als es möglich und erwünscht ist. Der Bürgermeister ist überzeugt davon: „Was für pendelnde Badenerinnen und Badener seit langem Alltag ist, ist auch für Einpendlerinnen und Einpendler nach Baden zumutbar.“

Die Unternehmer wiederum finden: „Im Umland gibt es einmal nicht das Mobilitätsangebot wie in Wien, es ist schon schwierig, von Oeynhausen nach Baden zu kommen.“

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