Bürger für Baustopp in Leobersdorf

Ein Hirtenberger startete Petition gegen die Verbauung an der B18. Bürgermeister streicht Nutzen für Gemeinde hervor.

David Steiner Erstellt am 22. September 2021 | 05:52

An der Landesstraße B18 zwischen Leobersdorf und Hirtenberg wird ein Betriebsgebiet am Fuße des Lindenbergs erweitert. Augenscheinlich handelt es sich um verwilderte Wiesen und Äcker. Im Flächenwidmungsplan der Marktgemeinde Leobersdorf sind diese Flächen bis zur Ortsgrenze seit Jahrzehnten gewidmetes „Bauland-Betriebsgebiet“. Was im Gemeinderat absehbar war, wurde mit dem Anrollen der Baumaschinen nun auch für Außenstehende Realität.

Auf einer bereits planierten Fläche angrenzend an ein Sportgeschäft wird die neue Österreich-Zentrale des Blumenhändlers „B&B Blumenmarkt“ errichtet, die 70 Arbeitsplätze in Leobersdorf schaffen wird, wie Bürgermeister Andreas Ramharter (LZL) informiert.

Doch in Teilen der Bevölkerung regt sich Widerstand. Der Musiker Helmut Strobl aus Hirtenberg startete letzte Woche eine Petition gegen die Bauvorhaben. Er fordert einen „sofortigen Stopp der Verbauung an der B18 zwischen Leobersdorf und Hirtenberg“. Sein Alternativvorschlag: Das Grünland bewahren und eine Gedenkstätte für das KZ-Außenlager Hirtenberg errichten. Bis Redaktionsschluss unterzeichneten 692 Personen seine Online-Petition auf der Plattform „mein #aufstehen“.

Im NÖN-Gespräch erzählt Strobl, ihm seien beim Spazieren bereits länger Anzeichen zu Vermessungsarbeiten aufgefallen. Als er eines Tages dann vor einem Bauzaun stand, sei Wut in ihm aufgestiegen. Er musste etwas tun. „Uns Hirtenbergern wird ein Lebens- und Erholungsraum zerstört“, erklärt Strobl. Der verwilderte Naturraum am Fuße des Lindenbergs werde genutzt zum Spazieren, Radfahren und sei landschaftlich sehr reizvoll, meint der Hirtenberger.

Ramharter: „Bin froh über neue Betriebe“

Er knüpft auch an die bundesweite Diskussion um Flächenverbrauch entgegen aller Nachhaltigkeitsziele an. „Menschen in ganz Österreich reden davon, dass wir Weltmeister bei der Bodenversiegelung sind und keiner macht was dagegen“, klagt Strobl. Als Realist rechne er seiner Petition nur geringe Aussrichten auf Erfolg aus. Doch es geht ihm ums Prinzip. „Die Leute sollen zum Nachdenken angeregt werden. Es ist genug. Es dürfen keine zusätzlichen Flächen mehr versiegelt werden“, betont der Hirtenberger. Mit der Facebook-Gruppe „Triestingtal gegen Beton“ will er künftig auf weitere, zu hinterfragende Bauvorhaben in der Umgebung aufmerksam machen.

Leobersdorfs Bürgermeister Andreas Ramharter (LZL) kann der Forderung nach einem Baustopp nichts abgewinnen: „Es handelt sich um ein ausgezeichnetes Betriebsgelände. Ich bin froh, dass sich erfolgreiche Betriebe dort ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen.“

Angesichts des Bevölkerungswachstums sei die Gemeinde gefordert, neue Arbeitsplätze und Wohnraum zu schaffen. Antworten auf die Frage, wie die Gemeinde das bewerkstelligen soll, vermisse Ramharter bei jenen, die neue Bauvorhaben kritisieren. Es gelte ausgewogen zu agieren und Prioritäten zu setzen.

Darüber hinaus gebe es rechtlich gar keinen Grund einzuschreiten. „Alles passiert im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben. Auch Grundeigentümer haben Rechte“, erklärt der Bürgermeister. Die Gemeinde sei auch an überregionale Naturschutz-Bestimmungen gebunden.