Vöslau will neuer Schlumberger-Sitz sein. Mehrheit des Gemeinderates wirbt für neue Betriebsstätte am Standort Bad Vöslau. Grünen sehen Umwidmung skeptisch: „Grünlandvernichtung“.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 15. Dezember 2016 (05:00)
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Auf dieser Fläche soll der neue Produktionsstandort der Firma Schlumberger geschaffen werden. Die Konzernverantwortlichen werden in der Petition von den unterzeichnenden Gemeinderäten ersucht, „die Investition in eine neue Betriebsstätte positiv für den Standort Bad Vöslau zu entscheiden“.

Die Firma Schlumberger GmbH plant zusätzlich zu ihrem Vöslauer Kellerei-Standort am Goldeck die Verlegung aus Wien und die Errichtung einer neuen Firmenzentrale. Wie Bürgermeister Christoph Prinz mitteilte, sei die Stadtgemeinde „durch die Tradition und die gute Zusammenarbeit von Schlumberger mit Bad Vöslau nun in der engeren Wahl für den neuen Standort“.

Petition an Schlumberger überreicht

Schon bei den ersten Ausbauplänen vor zwei Jahren schlug Prinz die Ansiedlung östlich der Bahntrasse an der Autobahnzubringer-Straße vor, entsprechend dem beschlossenen Betriebsgebiet-Masterplan.

Der Ansiedlungswunsch von Schlumberger wäre in Nachbarschaft zur Vöslauer Mineralwasser AG und dem Druckzentrum Agens-Ketterl/AV-Astoria/Grasl. Prinz: „Die Liste Flammer ist sich dieser historischen Chance bewusst und hat deshalb eine Petition formuliert. Es geht darum, der Firma Schlumberger AG das hohe Maß an Bereitschaft und den politischen Willen unserer Kurstadt zur Standortentscheidung für Bad Vöslau zu zeigen.“

Die Petition wurde von fast allen Mandataren von Liste Flammer, FPÖ, ÖVP und SPÖ unterzeichnet und am 6. Dezember durch Vizebürgermeister Sevcik und Finanzstadtrat Mehlstaub (Liste Flammer) an Schlumberger überreicht.

„Wir müssen klare Zeichen setzen, um Schlumberger, passend zu den besonderen Prädikaten – Wein, Wald und Wasser – als Aushängeschild und mit neuen, umweltfreundlichen Arbeitsplätzen für Bad Vöslau zu gewinnen“, ist Prinz überzeugt.

Scharfe Kritik von Grünen Stadträtin 

Scharfe Kritik an der Umwidmung von 10 Hektar Grünland auf Betriebsgebiet kommt von den Grünen. Stadträtin Eva Mückstein: „Das entspricht 200 Grundstücken für Haus und Garten mit einer Grundfläche von 500 m .“ Sie spricht von „Grünlandvernichtung“ und hebt hervor, dass es sich um einen Landschaftsteil handle, der wegen seiner Feuchtwiesen und seltenen Tier- und Pflanzenarten als besonders schützenswert ausgewiesen wurde. 50.000 Euro Kommunalsteuereinnahmen durch 80 neue Arbeitsplätze stünden in keiner Relation.

Mückstein fände es besser, wenn Schlumberger das bereits gewidmete Betriebsgebiet von Mitbewerber Leobersdorf als Firmensitz wählen würde. Sie kritisiert, dass die Umwidmung ohne Bedingungen für Schlumberger erfolgen solle. Mückstein: „Aus Grüner Sicht wäre das die Gelegenheit gewesen, den Traditionsbetrieb am Goldeck abzusiedeln oder wenigsten Erleichterungen bezüglich des Schwerverkehrs mitten im Ortszentrum vertraglich zu sichern.“

Denn eine Überprüfung der Kellerei habe in Spitzenzeiten bis zu 34 Schwerverkehr-Fahrten pro Tag ergeben, statt der behaupteten 12.

Eine Entscheidung, ohne die Bürger zu fragen und für deren Interessen zu kämpfen, sei für Mückstein „verantwortungslos und ein Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht eines Bürgermeisters“.

Stadtchef Prinz stellt dazu klar: „Als Bürgermeister setze ich mich selbstverständlich für die Menschen in meiner Stadt bestmöglich ein, und dazu gehören neben guter Lebensqualität und Naturschutz auch Arbeitsplätze und Kommunalsteuer“. Er betont, dass die überwiegende Mehrheit des Gemeinderats zu den Bemühungen stehe, dass Schlumberger das Betriebsgebiet östlich der Bahn als neuen Firmenstandort wählen soll.