Noch keine Pflegekrise im Bezirk Baden. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuung mehr Menschen pflegen müssen, besagt der NÖ Altersalmanach.

Von Sandra Sagmeister und Elfi Holzinger. Erstellt am 09. Juli 2019 (02:53)
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Symbolbild

In Niederösterreich wurde im März der Altersalmanach vorgestellt, der sich mit der Entwicklung des Pflegebedarfs beschäftigt. Auf dessen Grundlage baut das Land in Zukunft seine Maßnahmen im Pflegebereich. Kurz zusammengefasst hat sich der Almanach mit folgenden Fragen beschäftigt: Wie stark wird die Bevölkerung wachsen? Wie hoch ist der Anteil der alten Menschen? Und wie wird sich der Bedarf für stationäre, mobile und 24-Stunden-Betreuung entwickeln?

Folgende Prognose ergibt sich für den Bezirk: 147.114 Menschen leben derzeit im Bezirk Baden, bis 2035 sollen es 161.365 werden. Erwartet wird ein Anstieg des Anteils der Bevölkerung 60 Jahre und älter an der Gesamtbevölkerung in NÖ, der sich von 26,46% auf 33,07% (2035) steigern wird. Lebten 2018 in NÖ 90.807 Personen 80 Jahre und älter, so werden es 2035 141.053 Personen sein. Besonders im Bezirk Baden wird es eine hohe Wachstumsrate für die Gruppe 80 Jahre und älter geben: Baden plus 81,67%.

Susanne Stanzel, Leiterin des Pflege- und Betreuungszentrums Baden prognostiziert: „Es wird mehr Anmeldungen geben und die Wartezeit auf ein freies Bett wird steigen.“ Als sie 2008 als Direktorin im Pflge- und Betreuungszentrum Baden begann, waren die Anmeldungen für ein Pflegebett überschaubar: „Es gab sogar manchmal freie Betten über einen längeren Zeitraum“, erinnert sie sich. Durch den Wegfall des Pflegeregresses hat sich das im letzten Jahr stark geändert.

NOEN

Und was sieht sie für Gegenmaßnahmen? „Wir werden nur mehr die hohen Pflegestufen aufnehmen, das bedeutet aber, dass der mobile Pflegebereich ausgebaut werden muss. Denn auch die niedrigen Pflegestufen brauchen Unterstützung.“

Problematisch sei es in Baden derzeit noch nicht, „die Entwicklung war aber schon lange bekannt und Maßnahmen hätten meiner Meinung nach schon viel früher getroffen werden müssen.“ Sie bemerkt, dass versucht wird, mit Imagekampagnen „den Pflegeberuf attraktiver zu machen.“ In Baden komme es aber noch nicht zu Personalengpässen, die Auswahl sei allerdings nicht mehr so groß, wie vor zwei, drei Jahren.

Im Haus Sene Cura in Traiskirchen ortet Leiter Michael Pinz einen weiteren Bedarf an spezialisierten Pflegeplätzen für demenzkranke Menschen.

Er erklärt: „Demenzerkrankungen treten verstärkt ab einem bestimmten Alter auf. Wir hier im Sene Cura sind auf Demenzerkrankungen spezialisiert. Die Menschen werden immer älter, mit der Baby-Boomer-Generation treten geburtenstarke Jahrgänge ihre Pension an. Es braucht dringend einen Ausbau an spezialisierten Demenzpflegeplätzen.“

Auch Private steigen in mobile Pflege ein

Für Josef Pichler, ehrenamtlicher ehemaliger Langzeithilfswerkobmann aus dem Triestingtal, wird die 24-Stundenpflege immer wichtiger und er meint: „Mir fällt auf, dass es immer mehr private Pflegepersonen gibt“, das sei nicht schlecht, „so können Mindestpensionisten ein kleines Zubrot verdienen und die Beziehung Kunde-Pflegeperson, die von den professionellen Einrichtungen nicht mehr geleistet werden kann, kann auf diese Weise für manche Leute erhalten bleiben.“ Er sei der Meinung, „dass der Pflegebedarf aufgrund des Alterns und durch die Tatsache, dass junge Leute es immer schwerer haben, für ihr Auskommen zu sorgen, sicher spürbar ansteigen wird.“ Schade finde er, dass man es manchmal schwer schafft, Personen, die aufgrund ihrer körperlichen Verfassung eigentlich im Pflegeheim am besten aufgehoben wären, oft nicht dazu bewegen kann, einer solchen Unterbringung zuzustimmen. Denn auch die Hauskrankenpflege habe ihre Grenzen.