Baden: Wärme soll aus Kanal kommen. Badener Pilotprojekt spricht für Anwendung neuer Technologie, um Sporthalle zu heizen.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 25. November 2020 (05:55)
So sieht es aus, wenn in einem Kanalrohr ein Plattensystem zur Wärmerückgewinnung installiert ist.
Rabmer Gruppe

Die Stadt muss Energie sparen, das ist das erklärte Ziel von Vizebürgermeisterin Helga Krismer, Grüne. Anhaltspunkte, wo angesetzt werden kann, liefert der über 200 Seiten starke Energiebericht der Stadt.

Grünen-Gemeinderat Hans Haugeneder hat den Bericht studiert und die entsprechenden Schlüsse daraus gezogen.

Für jedes Objekt in Baden, dass im Stadtbesitz oder im Besitz der gemeindeeigenen Immobiliengesellschaft ist, gibt es eine niederösterreichweite Vergleichsmöglichkeit zu einem Objekt des gleichen Typs. Wärmeverbrauch fordert Energie, und gerade hier hapere es in Baden. Krismer erklärt: „Die Häuser sind zum Teil überheizt, in vielen Kindergärten und Schulen und Schulen hat es über 22 Grad.“

Baden sei mit seinen 30 km² Fläche „die am dichtesten verbaute Stadt im Bezirk, als Heizmittel dominiert immer noch Erdgas. „Da müssen wir weg“, sagt Krismer.

Eine Million Euro für Projekt

Um den Weg zu beschleunigen, soll ein Pilotprojekt umgesetzt werden, das für die Energieversorgung der Sport- und Veranstaltungshalle richtungsweisend ist. Gelingen soll das unterirdisch, in dem man die Abwässer, die Richtung Kläranlage fließen, nutzt – und zwar zur Wärmerückgewinnung. Eine Million Euro sind für das Forschungsprojekt budgetiert. Die Abwässer haben eine durchschnittliche Temperatur von 16 Grad, durch ein spezielles System, das nach dem Prinzip einer Wärmepumpe funktioniert, soll dem Abwasser die Wärme entzogen werden. Dafür braucht es auch im Kanalsystem selbst keinen baulichen Aufwand, es müssen einfach nur Wärmetauscherplatten in das Rohr des Hauptwasserkanals verlegt werden. Um die so gewonnene Energie in die Sporthalle zu transportieren, soll dazu die bereits bestehende Rohrbrücke verwendet werden, über die auch die Abwasserentsorgung des Krankenhauses funktioniert.

„Es ist kein Problem, hier eine zweite Leitung dazu zu bauen. Das spart Geld“, sagt Haugeneder. Mit diesem System könnten 80 Prozent der benötigten Energie der Veranstaltungshalle aufgebracht werden. Das mache pro Jahr 70.000 Euro an Energiekosten weniger.

Das System kann im Sommer auch zum Kühlen verwendet werden. Großes Vorbild ist Basel, die Stadt in der Schweiz nutzt derartige Systeme seit 22 Jahren zum Heizen ihrer gemeindeeigenen Gebäude.

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  • Ist es gerechtfertigt, in neue Projekte, die helfen Energie zu sparen, wie etwa das Kanalprojekt bei der Sport- und Veranstaltungshalle Baden, hohe Geldsummen zu investieren?