Traiskirchner NEOS fordern Kinderarzt. Vakante Position in Traiskirchen ist offen. Gesundheitskassen-Sprecherin verweist auf Ausbildungssituation.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 24. Juni 2021 (05:52)
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Der Kinderärztemangel beginne schon in der Ausbildungsphase der Mediziner, weil zuwenig Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen würden.
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NEOS-Gemeinderat Attila János fordert mehr Anstrengungen für die Besetzung der vakanten Kinderkassenarzt-Stelle in Traiskirchen. „Die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen hat ein besorgniserregendes Level erreicht. So ist die Zahl der Kassenarztstellen im Bezirk in den letzten Jahren trotz des Zuzugs von Familien gesunken. Zudem ist eine angemessene medizinische Versorgung immer öfter von der eigenen Geldbörse abhängig, denn nicht jeder kann sich den Wahlarzt oder die Wahlärztin leisten“, sagt János, der darauf verweist, dass steigende Gesundheitskosten ein wesentlicher Faktor seien. Zudem würden viele Patientinnen und Patienten ihre Wahlarztrechnungen nicht mehr einreichen, weil sie ohnedies nur wenig rückerstattet bekämen.

Babler und ÖGK-Sprecherin Mann kontern

János zufolge müsse die Gemeinde Anreize schaffen, um interessierte Kinderärztinnen und Kinderärzte nach Traiskirchen zu holen. „Das können kostenfrei zur Verfügung gestellte Räumlichkeiten, Prämien oder sonstige Unterstützungsmaßnahmen sein. So haben es auch andere Gemeinden geschafft, vakante Stellen zu besetzen“, wie János betont.

Scharf kritisiert er auch das Land und die Österreichische Gesundheitskasse, die ihren Aufgaben einer angemessenen Ärzteversorgung nicht nachkommen würden.

Diese Kritik wollen weder Bürgermeister Andreas Babler, SPÖ, noch ÖGK-Sprecherin Barbara Mann auf sich sitzen lassen.

Mann erklärt: „Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) hat den Auftrag und die Intention, eine sehr gute medizinische Versorgung sicherzustellen und wir setzen zahlreiche Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen. Die ÖGK hat die Zahl der Planstellen im Fachbereich Kinder- und Jugendheilkunde in den letzten Jahren ausgeweitet. Mit österreichweit rund 300 Kassenplanstellen in diesem Fachbereich gibt es so viele Stellen wie noch nie zuvor. Wir sehen allerdings, dass die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber um frei werdende Kassenstellen abnimmt und wir manchmal Stellen mehrfach ausschreiben müssen, bis sich eine Medizinerin bzw. ein Mediziner für die Planstelle findet.“

Zu wenig Kinderärzte sind in Ausbildung

Die Hauptgründe für diese Nachbesetzungsschwierigkeiten würden nicht zuletzt in der universitären Ausbildung liegen. An den heimischen Universitäten würden immer weniger Kinderärztinnen und Kinderärzte ausgebildet. Ausbildungsplätze zur Fachärztin bzw. zum Facharzt für Kinderheilkunde seien oft nur sehr schwer zu bekommen. Was die Honorierungen betreffe, habe sich einiges geändert. „Durch überdurchschnittliche Tarifanhebungen und gezielte Strukturmaßnahmen gelang es uns, besonders die Kinderheilkunde finanziell außergewöhnlich aufzuwerten. Außerdem kamen neue Leistungen dazu, die die Honorierungssituation weiter verbesserten.“

Dass Kinderärzte schwer zu finden ist, weiß auch Stadtchef Andreas Babler, SPÖ. „Wir haben die Planstelle in Traiskirchen gesichert und wir sind bereit, jederzeit eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt aufzunehmen. Das wissen die Ärztekammer und die ÖGK.“ Schon einmal habe es so ausgesehen, als gehöre die Suche nach einem Kassen-Kinderarzt der Vergangenheit an. „Ich bin persönlich bis in die Bucklige Welt gefahren, um einen möglichen Kinderarzt nach Traiskirchen zu bringen. Leider ist dieser im letzten Moment abgesprungen.“ Abgesehen von der Kinderarztstelle seien alle Ärzte-Planstellen in Traiskirchen besetzt.