Pottendorfer Held Rassinger geehrt

Erstellt am 20. April 2015 | 07:48
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Thomas Rassinger bei seinem Einsatz.  Foto: Caitlin Ryan/MSF
Foto: NOEN, Caitlin Ryan (MSF)
Der Pottendorfer Thomas Rassinger wurde für seinen Einsatz in den Ebola-Gebieten Afrikas für „Ärzte ohne Grenzen“ zur „Persönlichkeit des Jahres“ erkoren.
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Medizinlogistiker Thomas Rassinger wurde von der Redaktion des ORF NÖ im Funkhaus in St. Pölten zur „Niederösterreichischen Persönlichkeit des Jahres 2014“ gekürt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet den Ausbruch der Krankheit Ebola als den schlimmsten Gesundheitsnotfall der modernen Welt“. In Guinea, Sierra Leone und Liberia wurden laut aktuellen Zahlen mehr als 10.000 Ebola-Opfer registriert. Nach Angaben der WHO sind etwa 25.000 Menschen an Ebola erkrankt.

„Angst ist wichtig, darf aber nicht lähmen“

Thomas Rassinger erzählte über den Grund, welcher ihn bewegte, nach Liberia zu gehen Folgendes: „Ich arbeite seit 2008 für Ärzte ohne Grenzen und war im Sommer 2014 gerade in Österreich, als der Ausbruch in West Afrika beängstigende Ausmaße annahm. Ich wusste, dass ich die notwendigen Fähigkeiten und Erfahrungen habe, um etwas vor Ort tun zu können und deswegen musste ich gehen. Nichts zu tun und tatenlos zuzusehen wäre für mich unmöglich gewesen.“

Die Fragen, wie er auf den Einsatz gestoßen sei und welche Eindrücke er von der vorherrschenden Situation hatte beantwortete der Pottendorfer folgendermaßen: „Ich habe im Büro von Ärzte ohne Grenzen in Österreich ein wenig ausgeholfen und war deswegen schon recht früh gut informiert. Im August beziehungsweise September war die Situation in Monrovia katastrophal mehrere Tausend Menschen in einer Stadt hatten sich angesteckt und wir gingen davon aus, dass sich diese Zahl alle paar Wochen verdoppeln würde.“

„Regel, dass man niemanden berühren darf“

Die Sterblichkeitsrate lag bei mehr als 50% der Infizierten. „Die Möglichkeit mich anzustecken war sicher vorhanden, aber wir hatten sehr strenge Sicherheitsvorschriften, um das Risiko zu minimieren. Es gab die Regel, dass man niemanden berühren darf und man versucht möglichst viel Abstand zu anderen Menschen zu halten. Aber natürlich hat man Angst, denn die ist wichtig, aber sie darf nicht lähmen und dazu führen, dass man sich irrational verhält und die Situation ignoriert oder verschlimmert“, erzählte Rassinger über seine Art mit einer möglichen Ansteckung umzugehen.

Auf die Frage wie seine Familie mit diesem Einsatz umging antwortete Rassinger wie folgt: „Sie hatte Angst um mich. Es ist ziemlich sicher weit schlimmer für meine Familie gewesen als für mich. Der Grund dafür war ganz einfach, weil sie tatenlos zuschauen mussten, während ich aktiv etwas tun konnte. Außerdem konnte ich meine eigene Sicherheit zum größten Teilen selbst kontrollieren. Meine Familie vertraute mir, dass ich weis was ich tue und akzeptiert meine Entscheidung. Das war extrem wichtig für mich und unterstützte mich psychologisch außerordentlich.

„Plane nicht, noch einmal hinzugehen“

Das „schönste“ Erlebnis war für Rassinger, mit einer so großen Zahl an Leuten aus aller Welt zu arbeiten, die alle in dieses Gebiet kamen, um gegen den Ausbruch anzukämpfen.

Ob er über eine erneute Reise in das Krisengebiet nachdenkt? „Ich war sechs Wochen vor Ort und plane derzeit nicht, noch einmal hinzugehen, da ich momentan im „Ärzte ohne Grenzen“-Büro in New York arbeite. Meine Aufgabe besteht derzeit darin andere Leute auf Einsätze zu schicken, außerdem glaube ich in dieser Rolle momentan einen größeren Beitrag, leisten zu können.
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