Trafikkunde als Retter in der Not. 21-jähriger Kunde entwaffnete Täter. Zwei Männer flüchteten aus Trafik ohne Beute. Alarmfahndung negativ, Hinweise erbeten.

Von Elfi Holzinger. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:55)
Die Trafik in Pottenstein wurde früh morgens überfallen, es entstand ein erheblicher Sachschaden. Holzinger.Presse
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Den Schock wird Trafikantin Gerlinde Herzog so schnell wohl nicht vergessen, als sie am Freitag um 6.30 Uhr in ihrer Trafik von zwei jungen Männern überfallen wurde.

„Sie kamen ganz normal herein, als wollten sie etwas kaufen. Sie bestellten ein Päckchen Marlboro und Marlboro light. Plötzlich zieht einer eine Pistole und sagt: ‚Hände hoch, das ist ein Überfall’ auf mein perplexes Schauen hin meinte der eine: ‚Das ist kein Spaß‘“. Sie drängten Herzog in einen Nebenraum und verlangten nach dem Tresor. „Auf meine Erklärung, dass ich gar keinen Tresor habe und den Raum verlassen wollte, reagierten sie unwirsch. Sie stießen mich nach hinten und hielten mir den Mund zu, als sie hörten, dass plötzlich die Geschäftstür aufging. Sie sperrten mich in die Toilette und meinten: ‚Du leise sein und dableiben‘“.

Trafikantin Gerlinde Herzog konnte nach dem ersten Schock bereits wieder zaghaft lächeln.
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Plötzlich hörte man eine Kundschaft, die rief: „Die Polizei steht schon draußen“. Die zwei Täter reagierten panisch und wollten den Raum verlassen, haben aber nicht mit der Tapferkeit ihres Kunden gerechnet. „Ich hörte nur ein Klirren und Poltern und plötzlich meine Kundschaft, die meinte: ‚Du kannst schon rauskommen, sie sind weg‘. Mein Kunde blutete und das Geschäft war verwüstet, aber ich war heilfroh, dass alles vorbei und die Täter weg waren. Ich bin meiner Kundschaft sehr dankbar, wer weiß wie die zwei Täter reagiert hätten, wenn sie gemerkt hätten, dass gar kein Geld da war“, erzählt die geschockte Trafikantin.

Im Tumult vergaßen sie eine Haube, eine Kappe, vom T-Shirt eines der Männer war ein Fetzen abgerissen und die Pistole, die sich als Spielzeug herausstellte.

Kunde stellte sich den Trafikräubern in Weg

Als Retter in der Not entpuppte sich Kastriot Ramadani (21), der sich ahnungslos Zigaretten kaufen wollte und die zwei Täter ein paar Minuten vor ihm das Geschäft betreten sah. Er wunderte sich, dass niemand im Geschäft war, weder die zwei Männer noch die Trafikantin. Auf einmal sah er, dass die Täter die Trafikantin in die Toilette sperrten und rief: „Die Polizei steht schon draußen“.

Ein Täter ließ sich ablenken und kam auf den jungen Retter zu. Dann ging alles blitzschnell, der junge Mann konnte sich gegen die zwei wehren, wurde aber leicht verletzt. Verletzt wurden aber auch die zwei Räuber, die sich zu Fuß aus dem Staub machten. Während des ganzen Tumultes kam noch ein weiterer Kunde, der das Ganze filmen wollte, um es der Polizei zeigen zu können. Ihm wurde das Handy aus der Hand geschlagen. Neben dem Schock entstand ein erheblicher Schaden im Geschäft, den man noch nicht beziffern kann, erbeutet wurde nichts. Zurzeit gibt es von den zwei Tätern noch keine Spur, die Polizei bittet um sachdienliche Hinweise an die Polizeiinspektion Berndorf, 0591333304.

Kastriot Ramadani erwies sich als Held, er konnte die Täter vertreiben.
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„Ich bin schockiert über die Dreistigkeit der beiden jungen Männer“, sagt der Pottensteiner Bürgermeister Daniel Pongratz, SPÖ, zum Überfall. „Dennoch freue ich mich, dass wir auch junge Menschen haben, die Zivilcourage zeigen. Ich kenne Herrn Ramadini und bin unglaublich stolz, welchen Mut er aufgebracht hat, um die beiden Täter zu vertreiben und Frau Herzog zur Hilfe zu kommen. In diesem jungen Alter die Situation und den Ernst der Lage zu erkennen und selbstlos einzugreifen ist eine große Meisterleistung!“, würdigt der Ortschef.