Familienbetrieb Polytechnik bangt um Zukunft

Erstellt am 02. Februar 2022 | 05:04
Lesezeit: 2 Min
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Der Eingangsbereich zum Firmensitz von Polytechnik.
Foto: Dietmar Holzinger
Polytechnik Luft- und Feuerungstechnik GmbH aus dem Bezirk Baden, führender Hersteller von Biomasse-Energie-Anlagen, ist insolvent.
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Der Biomassekraftwerke-Hersteller Polytechnik ist insolvent. Am Landesgericht Wiener Neustadt wurde ein Sanierungsverfahren beantragt, berichten die Gläubigerschutzverbände AKV (Alpenländische Kreditorenverband), KSV (Kreditschutzverband von 1870) und Creditreform. Die Passiva betragen 69,6 Millionen Euro, es gibt rund 630 Gläubiger, darunter einige Betriebe aus der Umgebung. Betroffen sind 109 Beschäftigte.

Zu den Insolvenzursachen gehören laut Creditreform „Liquiditätsprobleme und Verluste aufgrund der COVID 19 Pandemie, sowie Verzögerungen in Abarbeitung und Abrechnung von Aufträgen und Preissteigerungen und Lieferkettenprobleme.“ Laut KSV ergeben sich „ein massiver Umsatzausfall und erhebliche Mehrkosten“.

Die 1965 als Zwei-Mann-Betrieb gegründete Firma Polytechnik gilt als einer der weltweit führenden Anbieter von Biomasseverbrennungsanlagen zur CO2-neutralen Energieerzeugung und ist bekannt für Planung und Lieferung schlüsselfertiger Anlagen. „Der Familienbetrieb leistet einen wesentlichen Beitrag für eine umweltfreundliche Energieerzeugung“, berichtet Creditreform. Polytechnik konnte nach eigenen Angaben 2020 noch einen globalen Umsatz von 38 Millionen Euro erzielen. „Der derzeitig sehr gute Auftragsstand des Unternehmens beträgt rund 62 Millionen Euro“, heißt es.

95 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Die Firma agiere international in Europa, sowie in Neuseeland, Australien, Korea und Japan. Polytechnik strebt eine Entschuldung an. Während des Insolvenzverfahrens soll das Unternehmen fortgeführt werden. Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent angeboten. Zur Überwindung der Liquiditätskrise sollen alle Stakeholder eingebunden werden. Es gebe bereits positive Signale. Geplant ist auch die Hereinnahme eines strategischen Investors, um den Fortbetrieb langfristig abzusichern.

„Jeder Arbeitsplatz ist unverzichtbar!“

Das Unternehmen hat zwar als Postadresse Weissenbach/Triesting, gehört aber Gemeinde- und abgabenmäßig zu Pottenstein, wobei die Gemeinde bei einer Schließung erhebliche Kommunalsteuereinbußen zu verzeichnen hätte. „Als Bürgermeister hoffe ich sehr, dass der Sanierungsplan eingehalten werden kann und es keinerlei Konsequenzen für die 109 Mitarbeiter gibt. Gerade jetzt in der Pandemie ist jeder Arbeitsplatz unverzichtbar“, erklärt Ortschef Daniel Pongratz.

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