Tödliche Küsse im Stadttheater. Der Kuss der Spinnenfrau ist die dritte und letzte große Sommerproduktion, die am Samstag, 3. August (19.30 Uhr), im Stadttheater Baden ihre Premiere feiert.

Von Sandra Sagmeister. Erstellt am 01. August 2019 (03:02)
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Ann Mandrella.
Andrea Peller

Ein schönes Geschenk für die in Frankreich geborene Schauspielerin Ann Mandrella. Punktgenau am Tag der Premiere des Musicals „Kuss der Spinnenfrau“ hat sie nämlich Geburtstag und wird sicherlich nach der Premiere einige Geburtstagsküsse verteilen, allerdings als Ann Mandrella und nicht als Spinnenfrau oder Aurora.

Mandrella ist eine der wenigen deutschsprachigen Schauspielerinnen, die sowohl am Broadway als auch am Off-Broadway in New York aufgetreten sind und ist nun erstmals auf der Bühne Baden zu sehen, wo sie als Spinnenfrau drüber fegt und gute Kondition haben muss, weil die Rolle ist körperlich fordernd.

Ob ihr nach New York und vielen anderen internationalen Spielorten Baden klein vor kommt? „Nein, die Bühne Baden ist gar nicht so eine kleine Bühne, da habe ich schon auf kleineren Bühnen gespielt“, schmunzelt sie und überhaupt: „Die Größe eines Hauses sagt nichts über dessen Qualität aus.“ Die Bühne des Stadttheaters wird zum Spinnennetz, wo die schwarz kostümierte Mandrella viel klettern, singen und tanzen muss. Aber auch geistig hat es die Rolle in sich, sterben doch alle, die von der Spinnenfrau geküsst werden.

Über die Mythologie der Spinnenfrau vorbereitet

Mandrella spielt eine gespaltene Persönlichkeit – auf der einen Seite ist sie die Spinnenfrau und auf der anderen Seite Aurora, eine Stummfilm-Diva aus den 30er-Jahren – „ich muss ständig zwischen den beiden Charakteren switchen“. Die Spinnenfrau bringt aber nicht den Tod, „sie kommt nur, wenn jemand sterben muss, dann küsst sie ihn“ und erst durch diesen Kuss stirbt der dem Tod Geweihte.

Vorbereitet hat sie sich auf das Stück, indem sie sich nicht nur den gleichnamigen Film angesehen hat, sondern auch die Mythologie der Spinnenfrau erforscht hat. Aurora ist ja die Göttin der Morgenröte und verkörpert somit das Positive im Stück und „dann gibt es die Geschichte von der Spinnenkönigin, das verkörpert die dunkle Seite.“ Auch die Rahmengeschichte ist nicht gerade lustig, geht es um den homosexuellen Schaufensterdekorateur Molina (Drew Sarich) und den Widerstandskämpfer Valentin (Martin Berger), die beide Gefangene in den 70er-Jahren in einem lateinamerikanischen Foltergefängnis sind, wo extrem viel gefoltert und getötet wird.

„Die Grundgeschichte ist schon heftig, aber clever gemacht“, erklärt Mandrella, weil man würde es sonst gar nicht ausshalten, die Tragik der Geschichte anzusehen. Molina rettet sich immer wieder in eine Scheinwelt, in die Welt des Filmes, wo die Diva Aurora ihren Auftritt hat. Auf seine „Reise“ nimmt er seinen Gefängnisinsassen Valentin mit. Durch diese Visionen können die Häftlinge das Leid aushalten „und die Geschichte wird entschärft.“ Das Publikum wird somit immer wieder aus den tristen Gefängnisszenen herausgerissen und in die bunte Welt der Revue entführt.

Der künstlerische Leiter der Bühne Baden, Michael Lakner, hat bewusst dieses starke Musical seinem Jahresspielplanmotto „Freiheit und Gefangenschaft“ verpflichtet, ausgewählt – Unterhaltung pur, allerdings mit Tiefgang. Werner Sobotka führt Regie und die musikalische Leitung der lateinamerikanisch geprägten Musik hat Christoph Huber inne.