Ostergrab mit bunten Kugeln. Beitrag von Leserreporterin Christine Hollmann.

Erstellt am 29. April 2019 (14:10)
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Sie waren schon fast verschwunden, doch seit einigen Jahren erleben sie eine Renaissance: Heilige Gräber haben zu Ostern in Österreich eine lange Tradition. Joseph II verbot die Aufstellung, seit 1798 ist sie wieder erlaubt.

Vor allem im Westen Österreichs gibt es eine Fülle an Kirchen, die ein solches Ostergrab ins Zentrum ihrer Feierlichkeiten rücken: das Leiden Christi, die Grabesruhe und die Auferstehung werden in ausdrucksstarken Bildern dargestellt.

Das Heiligenkreuzer Ostergrab

Auch heuer befindet sich das Heiligenkreuzer Ostergrab im hintersten Bereich der Abteikirche ganz rechts. Es ist ganztägig (unabhängig von Gottesdiensten oder Führungen) zugängig. Es kann bis zu Christi Himmelfahrt besucht werden.

Engel, Soldaten, bunte Kugeln

Wie zeigt sich das Ostergrab heute dem Betrachter?
Die zwei auf Karton gemalten Engelfiguren (Ende 17.Jh.) gehörten ursprünglich zu einem sogenannten Kulissengrab mit dazugehörender Scheinarchitektur. Sie halten jeweils eine Kristallkugel in der Hand. Die Illusion einer brennenden Flamme vermittelt den Eindruck von Lebendigkeit.

Die beiden Soldaten (Leinwandbilder um 1900 – Hermann Nigg) scheinen das Ereignis der Auferstehung nicht so ganz mitzubekommen. Sie schauen schlaftrunken dem Betrachter entgegen.

Der eigentliche Grabbau besteht aus einem Lattengerüst, an dem Karton angebracht und entsprechend bemalt wurde.
Die mundgeblasenen Glaskugeln (neuzeitlich) sind mit gefärbtem Wasser gefüllt. Sie werden von hinten mit einer Lichtquelle angestrahlt.

Die Regenbogenfarben sind Sinnbild für die Treue Gottes zu uns Menschen. In der Mitte der Grabnische steht eine Kristallkugel, in die als Symbol für die Auferstehung goldgefärbtes Wasser eingefüllt ist.

Die Grabkugeln sind ein leuchtendes Element und verleihen dem Grabaufbau einen besonderen Akzent. Insgesamt sind sie ein barockes Bild für das Leben.

Für jemanden, ein derartiges Ostergrab mit den bunten Kugeln noch nie gesehen hat, ist der Anblick vielleicht eine Überraschung, sehenswert ist es jedenfalls!