Verkehr bleibt das Dauerthema in Bad Vöslau. Streichung der Vorhalteflächen für Umfahrung lässt Befürworter aktiv werden. Gemeinde verfolgt seit 2013 andere Pläne.

Von David Steiner. Erstellt am 07. November 2020 (04:45)
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Der Verkehr im Ortszentrum sorgt immer wieder für Diskussionen.
Steiner

Der Entwurf des neuen Flächenwidmungsplans sieht mitunter eine „Streichung der Vorhalteflächen für die Umfahrung Gainfarn-Großau“ vor, wie es in einer aktuellen Sonderausgabe des Stadtanzeigers heißt. Sie sind Zeugnis einer jahrzehntelangen Diskussion, die seit 2013 auf Gemeinderatsebene als beendet gilt.

Befürworter sehen in der Umfahrung nach wie vor die einzige Möglichkeit, das Zentrum Bad Vöslaus in Zukunft zu entlasten. Sie kritisieren, dass die Stadtverantwortlichen in all den Jahren keine Gesamtverkehrslösung entwickelt haben. Die Streichung der Vorhalteflächen „würde für die zukünftige Entwicklung der Stadt eine nicht mehr gutzumachende Einschränkung bedeuten“, ist Franz Witasek, Sprecher der Bürgerinitiative „Wiener Neustädter Straße“, überzeugt. Er engagiert sich seit 2005 für eine Gesamtverkehrslösung in Bad Vöslau. Eine „vergebene Chance“ für die Zukunft sieht darin auch der Bad Vöslauer Peter Selb. Im Jahr 2000 sammelte er als Redakteur der Badener Zeitung rund 6.000 Unterschriften für den Bau der Gainfarn-Großau-Umfahrung. Inklusive der Autobahn-Anschlüsse Kottingbrunn, Bad Vöslau und einer Sooß-Umfahrung sollte diese eine Verkehrsentlastung für das Ortszentrum bringen. In dem Verkehrskonzept sahen die Planer des Landes und Altbürgermeister Alfred Flammer Ende der 1990er Jahre die Lösung des Verkehrsproblems in Bad Vöslau. Die Umsetzung war um die Jahrtausendwende geplant. Doch es kam anders.

Die Anschlussstelle Kottingbrunn wurde 2005, die Anschlussstelle Bad Vöslau erst 2011 fertiggestellt. Der Verkehr, den die A2-Anbindungen anziehen, sollte ursprünglich über die Umfahrungen von den Ortszentren ferngehalten werden. Doch Bestrebungen des Altbürgermeisters Flammer, den Gemeinderat von der Gainfarn-Umfahrung zu überzeugen, scheiterten. Ab 1999 wurden endgültige Beschlüsse wiederholt vertagt. Neben mehreren Fraktionen waren und sind Naturschützer gegen den Bau.

Wende vollzog sich im neuen Jahrtausend

In der langjährigen Diskussion formierten sich Bürgerinitiativen auf beiden Seiten. Ab 2003 beschloss der damals neue Bürgermeister Christoph Prinz (Liste Flammer) die Fertigstellung der A2-Anschlussstellen abzuwarten und nach neuerlichen Verkehrszählungen über den Bau zu entscheiden. Auf Basis einer vom Land beauftragten Studie verwarfen Land und Stadtregierung die Umfahrungspläne 2013. Neue Befunde zeigten, dass die Straße nicht die erhoffte Entlastung des Zentrums bringe und zusätzlich Verkehr anziehen und verlagern würde.

„Eine Entlastung des Triestingtals mit der Umfahrung auf unserem Gemeindegebiet bringt weder Bad Vöslau, Gainfarn noch Großau etwas“, erklärt Bürgermeister Prinz. Verkehrszählungen von Land und Stadtgemeinde würden zeigen, dass das Verkehrsaufkommen in Bad Vöslau in den letzten sechs Jahren gleich geblieben sei. „Das ist ein Riesengewinn“, betont Prinz, da die Verkehrsbelastung in der Region generell von Jahr zu Jahr steige. Die bisherigen Vorhalteflächen sollen Grünland bleiben.