Beißkorb lässt Halter aufjaulen. Verstärkte Pflicht für Maulkörbe bei Hunden sorgt für Kritik. Die NÖN hörte sich im Bezirk bei Experten um.

Von David Steiner. Erstellt am 12. November 2019 (04:20)
Christine Witty, Silvia Dobner, Alexander Minnich, Heidi Hofbauer und Tierärztin Verena Senoner setzen auf Aufklärung beim Thema Hund.
David Steiner

Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Bei der Novelle des Hundehaltegesetzes handelt es sich um einen Schnellschuss“, sagen die Badener Gemeinderätinnen Silvia Dobner, Heidi Hofbauer und Stadträtin Christine Witty, die die Hundeplattform „Pfote mit Note“ gründeten. Insbesondere der Paragraf acht, der erweiterte Maulkorbpflichten auch für Nicht-Listenhunde vorsehe, sei unausgegoren und bedürfe einer Nachjustierung.

Sinn mache die Regelung in beengten Räumen, wie Öffis oder Aufzügen, sowie in Kindergärten und in Schulen. Bei Gaststätten und Veranstaltungen sei die Novellierung ohne nähere Definition widersinnig, so die Gründerinnen von „Pfote mit Note“. Positiv beurteilen sie hingegen zusätzliche Gründe für ein Hundehalteverbot und die Meldepflicht für Besitzer von auffälligen Hunden bei Umzug in eine andere Gemeinde.

Maulkorb wirkt sich negativ auf Kommunikation mit Menschen aus

Alexander Minnich vom Team der „Hundekompetenz Baden“ sieht unter anderem kritisch, dass das Gesetz Leinen- und Maulkorbpflicht an Orten vorsieht, wo „üblicherweise“ Menschenansammlungen auftreten, selbst wenn diese nicht gegeben sind. Der tierschutzqualifizierte Hundetrainer befürwortet die Maulkorbpflicht in bestimmten Situationen, etwa in Lokalen. Ein verstärktes Tragen von Maulkörben schaffe neben Tierschutzfragen aber auch neue Probleme. „Hunde kommunizieren zu einem großen Teil über Körpersprache. Bei der Annäherung von anderen Hunden signalisieren sie etwa mit Gähnen oder dem Ablecken des Fangs, dass sie sich nicht bedroht fühlen“, so Minnich.

Maulkörbe würden das Erkennen dieser Beschwichtigungszeichen erschweren. Dadurch könnten Hunde früher ein drohendes Verhalten zeigen. Das wirke sich auch negativ auf die Kommunikation mit Menschen aus, so der Hundekenner. Der Obmann des Badener Rassehundevereins, Artur Schmidt, gibt zu bedenken, dass ein Beißkorb keinen hundertprozentigen Schutz vor Verletzungen bieten könne. Man müsse deswegen „am anderen Ende der Leine“ ansetzen, und zwar beim Menschen, so Schmidt.

Alle Gesprächspartner der NÖN fordern eine verstärkte Ausbildung von Hundehaltern. Diese soll bereits vor Anschaffung eines Hundes beginnen. In Wien ist ein sogenannter Sachkundenachweis für Hundehalter, die länger als zwei Jahre keinen Hund hatten, bereits verpflichtend, in Niederösterreich nur nach Anschaffung von gelisteten Hunden. „Pfote mit Note“ und „Hundekompetenz Baden“ ergriffen Initiative und schufen ein freiwilliges Informationsangebot. Zweimal jährlich bieten sie kostenlose Info-Abende zum Thema „Ein Hund kommt ins Haus“ an. In diesen klären Alexander Minnich und die Tierärztin Verena Senoner auf, was vor der Anschaffung eines Hundes beachtet werden muss. Ihr Vortrag umfasst Grundkenntnisse zu Hunden, Rechtliches und Aspekte, wie Zeitaufwand und Kosten.

Eine zweite, zentrale Maßnahme zur Vermeidung von Hundebissunfällen sieht die Plattform in der Präventionsarbeit. Die meisten Bissunfälle passieren im Haushalt. Wie Studien belegen, sind dort vor allem Kinder im Volksschulalter betroffen. „Wir fordern daher die allgemeine, flächendeckende Integration des Präventionsmodells ‚Kind und Hund‘. Die Sicherheit des Kindes im Umgang mit Hunden soll in den NÖ Landeskindergärten und den Volksschulen erhöht werden“, so die Gründerinnen. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt soll nun eine Petition gestartet werden.

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