Christoph Vielhaber: „Wir haben noch Potenzial“. Christoph Vielhaber über seinen neuen Job für den Wienerwald, aktuelle und nächste Projekte.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 27. Juli 2018 (05:00)
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Wienerwald Tourismus-Chef Christoph Vielhaber im Gespräch mit Andreas Fussi, Redaktionsleiter der Badener NÖN.
Wienerwald Tourismus

Seit Anfang Juni hat die Wienerwald Tourismus GmbH einen neuen Geschäftsführer: Christoph Vielhaber folgte auf Mario Gruber, den es in die Steiermark verschlagen hat. Im Gespräch mit der NÖN erzählt der 47-Jährige über seine Ziele.

NÖN: Wie haben Sie sich bislang in das neue Amt eingelebt?
Christoph Vielhaber: Ich hatte bislang sehr viele Termine, was gut ist, um relativ schnell viele Personen und Projekte kennenzulernen. Auf der anderen Seite habe ich durch meine vorherige Tätigkeit im Rahmen der Landesausstellung einen Teil dieser Region schon verinnerlicht, etwa was den Wiener Neustädter Kanal betrifft.

Was ist das aktuellste Vorhaben?
Wir haben kurzfristig zwei aktuelle Themen – die Vorbereitung auf die Landesausstellung 2019, was die Thermenregion vor allem mit dem Wr. Neustädter Kanal betrifft. Hier bietet sich ein halbes Jahr eine wirklich gute Möglichkeit, sich zu präsentieren. Das ist eine Chance die wir unbedingt nützen müssen. Das zweite kurzfristige Projekt ist das Mountainbiken, wo wir zum einen ein bestimmtes Streckennetz anbieten möchten, zum anderen aber auch ein neues Streckenmanagement etablieren wollen.

Ist das ein Projekt für die gesamte Region oder nur Teile?
Es betrifft die gesamte Region. Wir reden hier von einem Streckennetz mit 1.100 Kilometern, verteilt auf ca. 55 Gemeinden. Es sind jetzt natürlich Gespräche zu führen mit den Gemeinden, sowie ca. 20 Großgrundbesitzern und 20 Kleingrundbesitzern sowie anderen Stakeholdern.

Jede Gemeinde hat im Zuge der Revitalisierung des Wr. Neustädter Kanals eigene Projekte laufen – wie wird das abgestimmt?
Es gibt die ARGE Kanal, die sich um die Sanierung des Radwegs kümmert. Wir kommen dann ins Spiel, wenn es um die Entwicklung touristischer Produkte geht. Auch die Beschilderung läuft über uns.

Was sind ihre mittelfristigen Schwerpunkte?
Hier gibt es drei großen Themen: Kultur, Kulinarik und Bewegung. Bei der Kulinarik sind wir mit der Genussmeile sehr gut aufgestellt, wo wir ein tolles Leitprodukt haben. Es ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass, wenn man zusammenarbeitet, etwas entstehen kann, was viel größer ist, als die Summe der einzelnen Teile. Ich denke, dass wir im Wanderbereich noch einiges tun können. Wir werden uns im Herbst genau anschauen, welche Möglichkeiten wir haben. Und dann haben wir noch das Radthema – Moutainbiken, Genussradeln oder mit dem E-Bike unterwegs zu sein. Hier haben wir meiner Meinung ebenfalls noch Potenzial.

Im Kulturbereich hätten wir eine gute Möglichkeit eine Marketingklammer zu schaffen, wo wir unter einem potenziellen Titel wie Wienerwald Kultursommer einzelne Veranstaltungen in ein gemeinsames Programm aufnehmen und dadurch von den Werbemöglichkeiten breiter und schlagkräftiger aufgestellt sind.

Wird es bei der Genussmeile Neuigkeiten geben?
Vom Grundkonzept bleibt es gleich. Wir haben jedoch eine Neuerung geplant, das soll aber noch eine Überraschung bleiben.

Wird sich in der Marketingaktivität bzw. Zusammenarbeit mit anderen Partnern etwas ändern?
Mir ist bei allen Aktivitäten ein gemeinsames Vorgehen sehr wichtig. Was mir auch wichtig ist, ist zu den anderen Themen entsprechende Leitprodukte zu schaffen, damit wir auch bei den Partnern – in erster Linie den Betrieben – entsprechende Wertschöpfung schaffen können. Wir sind die Nummer Eins Ziel im Ausflugstourismus, mit 9,3 Millionen Ausflügen im Jahr, hier sollten wir auch mittelfristig versuchen, durch entsprechende Produktentwicklungen die Wertschöpfung zu verbessern und – unsere Hauptaufgabe –, Nächtigungen zu generieren.

Wir haben den Vorteil, dass wir in der Nähe einer Zweimillionenstadt liegen, die im Ausflugstourismus einen touristischen Quellmarkt darstellt, zum anderen aber auch internationaler Anziehungspunkt ist. Gerade im Städtetourismus merkt man den Trend, dass Leute zum zweiten oder dritten Mal in eine Stadt kommen und sich dann das Umfeld mit anschauen. Da haben wir Potenzial. Ebenso im Bereich der Profilierung der Marke. Was sind die Alleinstellungsmerkmale des Wienerwalds? Hier glaube ich, dass man die eine oder andere Schärfung noch machen könnte.

Wichtig ist mir auch ein gewisses Gefühl zu schaffen, dass wir als Wienerwald eine zusammengehörende Region sind. Wir haben viele gute Betriebe und Initiativen, am alles verbindenden Gemeinsamen könnten wir noch arbeiten. Das ist etwas, das mir sehr am Herzen liegt – dieses Selbstverständnis als Region.